Großeinkauf im kleinen Horrorladen

16. November 2011, 17:48
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Ingrid Lausunds "Hysterikon" als munterer Szenenreigen der Jungen Burg

Wien - Wer seine Träume gegen einen Partner oder seine Würde gegen einen Arbeitsplatz eingetauscht hat, liegt hier richtig: bei Ingrid Lausunds nettem Stück Hysterikon über die unausweichlichen Tauschgeschäfte des modernen Lebens.

Die vor zehn Jahren entstandene Szenenrevue der deutschen Theaterautorin und Regisseurin setzt die Produktpalette eines Supermarkts mit den ideellen Werten des Menschseins in eins. In den im Vestibül des Burgtheaters projizierten Supermarktregalen liegen demnach nicht nur Joghurt und Ingwer Masala bereit, sondern auch die Träume vom Glück und positive Werte wie Fleiß. Eine resche junge Frau in Schnürschuhen (die Kassierin) moderiert streng die hier stattfindenden Begegnungen zwischen den einigermaßen exzentrischen Kunden.

Kostümbildnerin Elke Gattinger hat für das Ensemble der Jungen Burg ein Spektrum ausgefallener Typen entworfen: die Frau in Gucci, der alte Mann mit dem Traum vom Meer, der Pfarrer, die Therapeutin mit den großen Brillen. Sie alle rennen einander in diesem kleinen Horrorladen bei gedämpften Loungeklängen über den Weg und verhandeln ihre Sinnkrisen.

Kleine technische Tricks führen die schöne Welt des Scheins in der Inszenierung von Peter Raffalt auch formal weiter. Sie setzt das Bild der totalen Oberfläche fort: Projizierte Nutella-Gläser verschwinden eins nach dem anderen von der Regalwand, wenn die Kundinnen sie in ihren Warenkorb legen. Das äquivalent mechanisierte Spiel beherrschen die jungen Schauspieler bestens.

Nicht gerade verstaubt, aber doch ziemlich abgehangen wirkt das Stück mit seiner vorsätzlich lehrhaften Botschaft allerdings auch. Hysterikon ist ein aufgeweckter Abend, der am meisten in den Details anrührt. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD/Printausgabe 17. November 2011)

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