Nicht immer am Teppich bleiben

16. November 2011, 19:23
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Manch Unternehmer geht bereits vor lauter Angst vor der Krise in die Knie, das Galeristenehepaar Thoman verdoppelt sich stattdessen: Die Innsbrucker Galerie bekommt eine Schwester in Wien, mit internationalerer Ausrichtung

Wien - In Wellen kam er immer wieder: der Druck, mit der Galerie von Innsbruck in eine größere Stadt - etwa nach Wien - zu gehen. Auch von den Künstlern der Galerie Thoman kamen Impulse in diese Richtung. Dem wiederkehrenden Gedanken hat das erfahrene Galeristenehepaar Elisabeth und Klaus Thoman irgendwann nachgegeben. Und nun hat man - viel schneller als gedacht - eine Dépendance in Wien. Viele Erfahrungsjahre im Rücken und die Vertrauensbasis mit ihren Künstlern machten so eine Entscheidung auch viel leichter, sagt Elisabeth Thoman. Den Lebensmittelpunkt werde man allerdings nicht verlegen; die Wiener Galerie führt das Ehepaar Strickner.

Erst im Sommer hat man mit der Suche begonnen, war sich sicher, keine halben Sachen machen zu wollen. Plötzlich ging alles ganz schnell. An guter Innenstadtadresse an der Seilerstätte, Ecke Weihburggasse, taten sich überraschenderweise Räume auf (der ehemalige British Bookshop).

Großzügige 280 Quadratmeter Ausstellungsfläche, deren pure Qualitäten die Architektinnen Julia Oberhofer und Daniela Kröss hinter Gumminoppenboden und einer Stahlrippendecke hervorzauberten: Zum Vorschein kamen ein schöner alter Estrich und sanfte Gewölbe. Auch die Raumhöhe kommt in der zur Straße hin mit hohen Rundbögen geöffneten Galerie besser zur Geltung.

Andere Galerien sperren zu, die ganze Welt spricht von Krise, die Thomans riskieren: "Freilich hat man nun hohe Fixkosten zu tragen, aber wir brauchen dieses Schaufenster auch", scheint die Galeristin gelassen. Ausstellungen aus Innsbruck in Wien neu aufgießen oder umgekehrt - das werde sicher nicht passieren. Jetzt sei man "offen für Neues", für neue Künstlerpositionen und eine internationalere Ausrichtung. Den Auftakt bestreitet man mit John M. Armleder (geb. 1948), dem Meister des Crossover (von Malerei über Performance bis zum Buchverlegen). Gezeigt werden einige seiner berühmten, Trivialität und Ästhethik zusammenbringenden Furniture-Sculptures: Zur Skulptur gestapelte Konferenztische, ein Stück Minimal Art aus roten zusammengerollten Teppichen oder zwei spacige Lampen aus dem Café Jelinek, die zu Neon-Adjutanten abstrakter Malerei mutieren. Und vor kopflosen Clowns auf Tapete salutieren jüngste Glasobjekte aus Venedig. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD/Printausgabe 17. November 2011)

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Eröffnung 19. 11., 12.00; bis 3. 3.

Galerie Thoman, Seilerstätte 7

1010 Wien

  • Das 2006 im PS1 in New York aufgenommene Foto zeigt die 
Furniture-Sculpture "MB (FS)" von John M. Armleder, die nun in den neuen
 Räumen der Galerie Thoman präsentiert wird.
    foto: galerie thoman

    Das 2006 im PS1 in New York aufgenommene Foto zeigt die Furniture-Sculpture "MB (FS)" von John M. Armleder, die nun in den neuen Räumen der Galerie Thoman präsentiert wird.

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