33.000 Ungarn stiegen bisher aus Frankenkrediten aus

16. November 2011, 17:16
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Faule Kredite in Polen, Rumänien und Serbien könnten für die Banken das nächste Problem werden

Faule Kredite in Polen, Rumänien und Serbien könnten für die Banken das nächste Problem werden. Der in Ungarn per Gesetz ermöglichte vergünstigte Ausstieg aus Krediten in fremder Währung wird bisher nur schwach genutzt.

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Wien/München - Die aus den Fugen geratenen Finanzmärkte setzen den Banken immer stärker zu. Nach den Schuldenstaaten der Eurozone entwickelt sich nun auch Osteuropa für einige Häuser zu einem möglichen Pulverfass. Jahrelang haben sie dort vor allem Häuserkredite in Fremdwährungen - besonders in Schweizer Franken - ausgegeben. Jetzt sind die zu leichtfertig vergebenen Darlehen in Gefahr. Bisher konzentrierte sich das Problem auf Ungarn. Doch es zieht Kreise: Die Ratingagentur Moody's warnt nun auch in Polen.

Fremdwährungskrediten machten dort gut 20 Prozent der Immobiliendarlehen im August aus. "Eine weitere Abschwächung des Zloty würde den Anteil der ausstehenden Kredite in dieser Kategorie erhöhen", heißt es in einer aktuellen Studie. Als Folge senkten die Experten den Ausblick für die polnischen Banken auf negativ.

Auch in Rumänien und Serbien wurden laut HSBC-Trinkaus-Analyst Bernhard Esser viele Fremdwährungskredite ausgeben. Die Folgen für einzelne Banken könnten dramatisch werden.

Die von den Instituten gewährten Kredite in Devisen galten vor der Finanzkrise wegen niedriger Zinsen als äußerst attraktiv. Viele Familien griffen bereitwillig zu und erfüllten sich mit dem scheinbar so billigen Geld den Traum vom Eigenheim. Doch sie holten sich damit auch ein ungeahntes Währungsrisiko in Haus, das für viele nun zu einer Katastrophe wird. Denn vor allem der Franken ist zuletzt viel teurer geworden. Die Währung der Schweiz gilt als sicherer Hafen in turbulenten Zeiten. Viele Osteuropäer können sich nun ihre Kreditraten nicht mehr leisten.

Massive Abschreibungen

Am stärksten betrifft das Problem Ungarn. Vor allem die österreichischen Banken sind von der Entwicklung im Nachbarland stark betroffen. Allein die Erste Group musste dafür im dritten Quartal 450 Millionen Euro zurücklegen und rutschte deshalb tief in die roten Zahlen. Die Raiffeisen Bank International rechnet mit Belastungen von 120 Millionen Euro.

Zusätzlich wurden die Banken in Ungarn von der Regierung unter Viktor Orbán belastet. Ein neues Gesetz erlaubt es den Ungarn, wie berichtet, ihre Hypothekenkredite zu einem um 20 Prozent günstigeren Wechselkurs bis Jahresende zurückzuzahlen. Raiffeisen-Chef Herbert Stepic nennt es "faktisch eine Enteignung". In einem Schreiben wurde die EU-Kommission um Schützenhilfe gefordert. Schätzungen gingen von Belastungen für die Banken von bis zu 2,5 Milliarden Euro aus. Laut ungarischer Bankenaufsicht haben bisher aber nur 33.000 die vergünstigte Tilgung in Anspruch genommen. Der Verlust der Banken habe dadurch ca. 140 Mio. Euro betragen. (dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.11.2011)

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    Eine weitere Abschwächung des polnischen Zloty könnte zu einem größeren Ausfall von Fremdwährungskrediten führen.

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