Nicht im Sinne des "Erfinders": Gift lockt Feinde an

21. November 2011, 12:11
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Pflanzenabwehr schreckt den Maiswurzelbohrer nicht, im Gegenteil - sie zeigt ihm, wo sich eine Attacke lohnt

Neuenburg - Abwehrgifte nützen Maispflanzen im Kampf gegen den berüchtigten Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera) nichts. Im Gegenteil: Der Käfer erkennt dank der Gifte gar, welche Pflanzenteile besonders schmackhaft sind, wie Forscher der Universität Neuenburg herausgefunden haben. Der Hintergrund: Schädlinge haben es meist auf diejenigen Pflanzenteile abgesehen, in denen sich die meisten Nährstoffe finden, wie der Nationale Forschungsschwerpunkt Plant Survival erklärt. Pflanzen versuchen deshalb, diese Gewebe am besten zu verteidigen und lagern am meisten Gifte in sie ein.

Ein Beispiel dafür sind die sogenannten Adventivwurzeln, die in der Erde eine Art Krone um den Maisstängel bilden. Diese Wurzeln enthalten mehr Zuckerstoffe, Eiweiße und Aminosäuren als andere Wurzeltypen der Pflanze. Sie sind für Schädlinge dementsprechend attraktiv und müssen mit viel Gift geschützt werden.

Wie Forscher um Christelle Robert von der Universität Neuenburg nun herausgefunden haben, erweist sich diese Strategie aber manchmal als Eigentor. Die Raupen des Maiswurzelbohrers sind nämlich nicht nur immun gegen die Toxine, sondern sie nutzen sie sogar, um die verlockenden Adventivwurzeln aufzuspüren.

Experiment

In einem im Fachmagazin "Ecology Letters" publizierten Experiment testeten die Forscher zwei verschiedene Maistypen, um der Strategie der Maiswurzelbohrer auf die Spur zu kommen: eine normale Pflanze, die Gifte produziert, und eine Mutante, die keine Gifte in ihren Geweben herstellen kann.

Die Schädlingsraupen bevorzugten - nur vermeintlich paradoxerweise - die Pflanzen mit Abwehrgiften. Schon nach weniger als drei Stunden hatten sie sich dort auf den Adventivwurzeln festgesetzt und verließen diese Fressstelle nicht mehr. Bei giftlosen Pflanzen dagegen schienen die Raupen etwas orientierungslos: Sie wechselten von einem Wurzeltyp zum andern. Die Forscher schließen daraus, dass die Giftstoffe dem Maiswurzelbohrer als Wegweiser dienen. Das nützt dem Schädling: Larven, die sich von Adventivwurzeln ernähren, wachsen rascher als solche, die sich auf anderen Wurzeln niedergelassen haben.

Nun wollen die Forscher herausfinden, wieso der Wurzelbohrer das Gift toleriert.Das würde bei der Bekämpfung dieses gefürchteten Schädlings helfen. Der Maiswurzelbohrer verursacht in den Vereinigten Staaten Schäden in der Höhe von über einer Milliarde Dollar pro Jahr. Er wurde vor einigen Jahren auch nach Europa eingeschleppt. Experten und Landwirte befürchten, dass er sich hier bald etablieren könnte. (APA/red)

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    Die US-amerikanische Landwirtschaft kostet der Maiswurzelbohrer jährlich etwa eine Milliarde Dollar - eine Ausbreitung in Europa wird befürchtet.

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