Im Leiden folgt die Läuterung

18. November 2011, 15:12
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Roman Wallner gibt dieser Tage den Joker im mü­den Salzburger Kick: "Man findet immer etwas Negatives, wenn man es sucht" - Am Sonntag Schlager bei Rapid

Salzburg - In der glitzernden Welt von Red Bull wirkt der Kick von Salzburg derzeit genierlich, daran kann auch Roman Wallner nur bedingt etwas ändern. Er kann ja keine Spiele alleine gewinnen, das Mannschafts-Werkl läuft unrund. Vielleicht würde er aber mehr Tore schießen, hätte er ein Fixleiberl. "In Salzburg weißt du nie, ob du spielst. Beschweren bringt aber nichts, ich kann es nicht ändern", sagt Wallner. Nachsatz: "Und es ist auch nicht fair demjenigen gegenüber, der drankommt. Der spielt ja auch aus irgendeinem Grund. Und hat sich das verdient."

"Man findet immer etwas Negatives"

Nur fünf Siege wurden in den letzten 14 Spielen geholt, die Salzburger polieren die klubeigene Negativbilanz auf. Die 0:3-Schlappe in Mattersburg war das sechste Spiel ohne Sieg und zugleich die vierte Auswärtsniederlage en suite. Red Bull ist der mit Abstand reichste Klub der Liga, da müsste wohl mehr rausschauen. Die Spieler müssen sich Vorwürfe gefallen lassen, auch Roman Wallner. Kritiker werfen ihm vor, er habe zu wenig Spielverständnis.

"Jeder sieht einfach, was er sehen will. Beim LASK hatte ich viele Assists. Ich bin kein Strafraum-Stürmer und kein Kopfball-Spezialist. Wenn der Ball schön daher kommt, dann mach ich halt auch mal ein Tor per Kopf", sagt Wallner. Salzburg-Trainer Ricardo Moniz lobt ihn für seine Einstellung im Training. Wallner: "Man findet immer etwas Negatives, wenn man es sucht, und wenn es die falschen Schuhbandeln sind." 

Die zwei Gesichter Salzburgs

Die Bullen wirken unkonstant, im Europacup rennen sie sich die Seele aus dem Leib und geben Gas während in der Bundesliga Einsatz und Kampfgeist fehlen. Dabei spiele niemand absichtlich schlecht, versichert Wallner. Gegen Europas Topteams muss Salzburg halt nicht das Spiel organisieren, sondern nur destruieren. Gegen Paris ist Salzburg Mattersburg. Es existiert kaum eine Hierarchie im Team, was bei der Spielerfluktuation kein Wunder ist, bei jedem Trainerwechsel wird auch eine neue Spielphilosophie propagiert. 18 Legionäre stehen bei Red Bull im Sold, vom Weg der Jugend ist der Verein weit abgekommen. Trainer Moniz könnte angezählt sein. Als nächster Gegner wartet kein Angenehmer: Rapid, in Wien. Allerdings hat sich das Lazarett der Salzburger geleert, nur Alan ist weiterhin nicht einsatzfähig. Der Niederländer will seine Linie beibehalten, "auch wenn dieser Prozess noch dauern sollte". Die Mannschaft erreiche er noch, versicherte er.

Wegen seiner Schuhe fiel Roman Wallner in seiner von vielen Vereinstationen geprägten Karriere nicht negativ auf, dafür durch Alkohol- und Schimpf-Eskapaden. Etwa bei seinem Auslandsengagement bei Hannover 96. Das war 2004 und ist Schnee von gestern. Bei Salzburg ist Wallner, einst als Jahrhundert-Talent gepriesen, der geläuterte Kicker. Er hat noch einmal eine Chance bekommen. Mit 13 war er Street-Soccer Weltmeister, mit 16 bereits als Stürmer gegen Inter Mailand dabei. 2008 war Wallner in Griechenland gesperrt und abgeschrieben, bekam monatelang kein Gehalt überwiesen. Den Weg bergauf wies ihm damals Hans Krankl. "Als ich zum LASK kam, hatte ich kein gutes Standing in der Liga. Krankl hat mich aber unterstützt. Wenn ein anderer Trainer da gewesen wäre und gesagt hätte, den brauchen wir nicht, wer weiß wo ich dann wäre", sagt der 29-Jährige. Für die Linzer schoss er in 30 Spielen immerhin 17 Goals. Eine Visitenkarte für Red Bull.

Sag niemals nie

Das Nationalteam findet Wallner übrigens gut, wenn er sein Torkonto in der Meisterschaft (2 Stück) signifikant erhöht, ist für ihn auch Österreich wieder ein Thema. Er sah große Laufbereitschaft und vollen Einsatz bei Kollers Truppe, "ein Tor in der Drangphase nach dem 1:1 wäre halt super gewesen", "vor allem für die Stimmung im Land". Spricht da der reifste Roman Wallner aller Zeiten? "Als Junger rennt man halt ein paar Mal gegen die Wand. Die Erfahrung verändert das Denken. Aber es gibt einfach Spiele, wo du in einen Strudel reinkommst." (18. November; derStandard.at)

Mögliche Aufstellungen:

Rapid Wien - FC Red Bull Salzburg (Sonntag, 16.00 Uhr/live Sky und ORF eins, Wien, Gerhard-Hanappi-Stadion, SR Gangl). Bisheriges Saison-Ergebnis: 0:0 (a). Saison-Ergebnisse 2010/11: 2:1 (h), 1:1 (a), 1:1 (a), 1:2 (h).

Rapid: Payer - Schimpelsberger, Sonnleitner, Patocka, Katzer - Prager, Heikkinen - Trimmel, Hofmann, Drazan - Burgstaller

Ersatz: Königshofer - Nuhiu, Salihi, Thonhofer, Kulovits, Prokopic, Gartler, Alar, Saurer

Es fehlen: Pichler (gesperrt), Schrammel, Soma, Novota (alle verletzt)

Salzburg: Gustafsson - Schwegler, Pasanen, Douglas/Sekagya, Hinteregger - Leitgeb, Schiemer, Cziommer - Zarate, Wallner/Maierhofer, Leonardo

Ersatz: Walke - Lindgren, Mendes, Teigl, Bruins, Jantscher, Hierländer, Ulmer, Offenbacher, Jefferson, Alex

Es fehlt: Alan (verletzt)

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    "Ich stell mir nur die Frage: Wie komme ich zurück in die Mannschaft?", sagt Roman Wallner.

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    Ein Tor gegen Tirol sicherte wenigstens ein Remis.

  • Roman Wallners Karriere-Jahr beim LASK und im Nationalteam

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    In Salzburg ist Wallner schon tief gelegen, in der Meisterschaft zuletzt meist nur als Joker im Einsatz gewesen.

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