Keine Chance für Erdkabel

16. November 2011, 17:18
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APG will Salzburger 380-KV-Freileitung 2012 einreichen

Salzburg - Es wirkt wie das letzte Aufbäumen der Leitungsgegner: Diese Woche hat sich die Salzburger "Interessengemeinschaft Erdkabel" gegründet. Ziel der Initiative: Die vom Umspannwerk Elixhausen nach Kaprun geplante 380-KV-Leitung soll nicht von rund 450 Strommasten, sondern in Erdkabelbauweise ausgeführt werden. Die Strecke ist das letzte fehlende Teilstück in der österreichischen 380-KV-Ringleitung.

Getragen wird die Initiative von Bürgerinitiativen sowie drei Flachgauer Gemeinden. Viel Hoffnung auf Erfolg darf sich die IG Erdkabel freilich nicht machen. Der Verbund hat wiederholt klargestellt, dass es in der 380-KV-Ringleitung aus Gründen der Betriebssicherheit keine Erdkabelteststrecken geben werde.

Auch von der Landesregierung kommt keine Unterstützung mehr. Für Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) ist "das Kabel gestorben". Vor den Landtagswahlen 2009 hat das bei SPÖ und ÖVP freilich noch etwas anders geklungen. Um das Thema im Wahlkampf vom Tisch zu bekommen, wurde extra ein eigenes Gesetz gezimmert, das auf Landesebene der 380-KV-Leitung Mindestabstände zu bewohnten Objekten vorgeschrieben hätte.

Unter der Erde

Diese Abstände waren so dimensioniert, dass in einigen Streckenabschnitten eine Freileitung nicht möglich gewesen wäre, die Leitung also unter die Erde müsste. Nach einem Verfassungsgerichtshoferkenntnis vom August steht aber fest, dass für den Leitungsbau das Bundes-Starkstromwegegesetz und nicht das Landesgesetz anzuwenden ist.

Die Verbund-Tochter Austrian Power Grid (APG) hat damit freie Bahn. Kommendes Jahr werde die Umweltverträglichkeitserklärung eingereicht, bestätigt APG-Projektleiter Wolfgang Hafner auf Anfrage des Standard. Keine Auskunft will Hafner geben, wann der endgültige Trassenverlauf präsentiert wird.

Heikel ist die Frage, wo die Leitung das städtische Naherholungsgebiet am Gaisberg tangieren wird. Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) mobilisiert bereits mit einer großangelegten Plakatkampagne gegen die 380-KV-Trasse. Motto der Kampagne: "Fortschritt vergeht. Die Narbe bleibt". (Thomas Neuhold, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.11.2011)

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