Gelddrucker: Damen­schuhe als Türöffner

16. November 2011, 17:35
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Banknotendruckerei: Keine Korrespondenz mit Provisionär, Wohnung in Damaskus

Wien - Der Ex-Chef der Oesterreichischen Banknotendruckerei (OeBS), Michael Wolf, und Ex-Vertriebsmanagerin sind wieder auf freiem Fuß; die Ermittlungen der Justiz gehen weiter. Die fragwürdigen Provisionen, die ab 2006 für Geschäftsaufrisse flossen, waren höher als bisher kolportiert: fast 17 Mio. Euro.

Die Finanzbehörde hat die Provisionen für Syrien und Aserbaidschan erstmals nicht als Betriebsaufwendungen anerkannt - weil sie auf die Konstruktion mit der panamesischen Gesellschaft Venkoy unter der 71-jährigen Schweizerin Erika Rudolph gestoßen ist. Vor 2006 hatte die OeBS zwei nichtpanamesische Vermittler für die arabische Region beschäftigt. Schon am 14. April 2011 äußerte die Finanz in einem Schreiben an die OeBS ihren "Verdacht, bei Venkoy könnte es sich um eine Briefkastenfirma" handeln. Und im Juni wurden die Manager auf finanzstrafrechtliche Folgen hingewiesen; trotzdem überwies man Venkoy noch im Juni hohe Provisionen.

Die Kontakte zu Rudolph hielt in erster Linie die Ex-Vertriebsmanagerin. Was dem Sonderprüfteam unter Peter Wundsam nun "auffiel: Die Gesellschaft hat keinen Internetauftritt, keine Visitenkarte, es ist keine Adresse bekannt". Korrespondenz fand auf neutralem (statt Geschäfts-) Papier statt, "Dokumentation über E-Mails oder Telefax-Verkehr gibt es nicht"- wohl, weil außer Verträgen "kein Schriftverkehr" stattfand. Die Venkoy-Rechnungen pflegte die Ex-Vertriebsmanagerin persönlich in die Druckerei zu bringen.

Aus einer Erklärung Rudolphs, gegen die der Staatsanwalt ermittelt (alle Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück, es gilt die Unschuldsvermutung), von Juni geht hervor, dass "95 Prozent der Provisionen oder mehr an Subprovisionäre geflossen sind, die ihren Sitz nicht in Mitteleuropa" hätten.

Besuch der alten Dame

Persönlich trat die alte Dame selten auf in der OeBS. Am 26. Mai 2009 war sie da und erörterte den OeBS-Chefs Probleme in Syrien. Der Transport der Banknoten dürfe nur per syrischer Airline erfolgen, der Weitertransport sei aufwändig. Auch das in Wien produzierte Geld beschere Schwierigkeiten. Damals etwa war ein syrischer Professor mit dem Bild seines Konterfeis auf den Scheinen unzufrieden - er fand sich darin offenbar nicht wieder. Angesichts dessen machte Rudolph im Meeting ein hohes Maß an "Vorarbeiten" geltend - und forderte frühere Zahlung von der OeBS.

Zweiter Ansatzpunkt der Justiz ist die Abrechnung unorthodoxer Vertriebsspesen; in Summe betrugen die 300.000 bis 400.000 Euro im Jahr. Auffällig, zum Beispiel: Ausgaben für Pharmazeutika, Gemüse, Fleisch, Gehhilfe, Cross-Trainer, Damenschuhe.

Die Ex-Vertriebsmanagerin erklärte das laut Prüfbericht so: Gehhilfe und Trainingsgerät hätte ein pensionierter rumänischer Notenbanker "karitativen Zwecken" zugeführt. Die Lebensmittel seien nötig gewesen, weil sie aus beruflichen Gründen eine Besucherin in ihrer Privatwohnung (vorübergehend hat die OeBS auch eine in Damaskus angemietet) aufgenommen habe. Die Kosten dafür habe sie nicht "der Firma" verrechnet, wohl aber die Einkäufe. Hohe Duty-Free-Rechnungen begründete die Vielreisende mit ihren Aufenthalten in Flughäfen, wo sie Geschenke für Geschäftspartner "auch auf Vorrat" erstanden habe. Und zu den Damenschuhen, die auch der Geschäftsankurbelung im Ausland gedient hätten: "Elegante Ware ist in den Ländern oft unerhältlich." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.11.2011)

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