Irak fürchtet eine "Implosion" Syriens

16. November 2011, 17:50
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Außenminister Zebari: "Assad hatte seine Chance" - Verständnis für das iranische Atomprogramm

In wenigen Wochen ziehen sich die US-Truppen zur Gänze aus dem Irak zurück. Die Regierung sieht sich gut gerüstet, sollte es zu einem vorübergehenden Anstieg von Terroranschlägen kommen. "Wir leben in permanenter Bedrohung", sagte der irakische Außenminister Hoshyar Zebari bei einem Treffen mit seinem österreichischen Amtskollegen Michael Spindelegger am Mittwoch. "Unsere Sicherheitskräfte haben von den USA aber viel gelernt, sie sind schon jetzt sehr effizient."

Vergleichsweise leichter zu handhaben scheinen da die wirtschaftlichen Probleme des Landes. Nach Jahren der Stagnation deutet viel auf einen bevorstehenden Boom hin, Zebari versuchte gar, den österreichischen Besuchern sein Land als "den strategischen Partner in der Nahostregion schlechthin" zu verkaufen.

Doch die Region ist schwierig: Fast jeder Nachbar stellt die Regierung vor Probleme, allen voran Syrien: In der Arabischen Liga habe man sich bei der Suspendierung der syrischen Mitgliedschaft wegen des "sensiblen Nachbarschaftsverhältnisses" der Stimme enthalten - dies bedeute aber nicht, dass man das Regime von Bashar al-Assad unterstütze, beteuerte Zebari. Der Irak befürchte eine "Implosion Syriens" im Fall eines abrupten Machtwechsels. Trotz aller Diplomatie: "Es ist zu spät für Assad, er hätte zurücktreten können", sagte Zebari im Gespräch mit österreichischen Journalisten. "Er hatte eine goldene Gelegenheit, und die hat er nicht genützt."

Vorsichtig äußerte sich Zebari in Bezug auf den Iran. Man verstehe zwar die internationale Sorge, könne aber auch das Streben Teherans nach einer zivilen Nutzung der Atomenergie nachvollziehen - alles unter der Bedingung größtmöglicher Transparenz. (DER STANDARD Printausgabe, 16.11.2011)

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