Bischof beschönigt Lage der Christen im Irak

16. November 2011, 17:00
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"Man darf nicht verallgemeinern" - "Die Iraker leben gerne mit anderen Religionen zusammen"

Bagdad - Das Thema "verfolgte Christen" stand für Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) bei seinem dreitägigen Besuch im Irak ganz oben auf der Agenda. Allerdings wurde die Problematik bei einem Treffen mit Jacques Isaac, Weihbischof der mit Rom unierten chaldäischen Christen am Mittwochnachmittag eher heruntergespielt. "Man darf nicht verallgemeinern", meinte der Weihbischof, "es gibt zwar Zwischenfälle, aber im Grunde leben die Iraker gerne mit anderen Religionen zusammen."

Er selbst wohne etwa in einer Straße, wo er der einzige Christ sei, so der Geistliche, "und das ist allen egal." Im Gegenteil: Als er in dem Viertel eine Pfarre geleitet habe, seien sogar Moslems in seine Kirche zum Beten oder mit ihren Problemen zu ihm gekommen. Auch dass - wie von Spindelegger ins Treffen geführt - Christen im Irak Schwierigkeiten hätten, einen Job im Staatsdienst zu bekommen, konnte oder wollte Isaac nicht bestätigen: "Um ehrlich zu sein, habe ich davon noch nichts gehört."

Lage von Christen selbst verniedlicht

Die Probleme der Christen seien vielmehr dieselben wie jene der übrigen Bevölkerung: "Es gibt Dörfer mit christlicher Bevölkerung, in denen es einfach keine Infrastruktur gibt, sodass die Leute keine Arbeit bekommen". Wenn Österreich in diesen Gebieten Projekte fördern könnte, die zu Arbeitsplätzen führen, wäre der Bevölkerung schon geholfen. "Dann müssen sie nicht mehr weggehen".

Politische Beobachter räumen aber auch ein, dass die problematische Lage von den Christen selbst eher verniedlicht werde: "Sie haben Angst, auch dass noch mehr Leute weggehen." Seit dem Sturz des Diktaors Saddam Hussein durch die US-Invasion im Jahr 2003 hat sich die Zahl der Christen im Irak auf 400.000 halbiert. Spindelegger sprach die Problematik auch gegenüber Außenminister Hoshyar Zebari und Regierungschef Nuri al-Maliki an. Beide hätten versichert, dass es keine gegen Christen gerichtete Regierungspolitik gebe, hieß es aus dem Umfeld Kreisen des Ministers.

Ein an sich geplantes Treffen mit dem Patriarchen von Babylon, dem 84-jährigen Emmanuel III. Delli, dem Oberhaupt der Chaldäer, kam am Dienstag in Bagdad nicht zustande. (APA)

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    Außenminister Spindelegger sprach auch den irakischen Außenminister Zebari auf die Lage der Christen an.

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