Nachgebohrt: Als die Landverbindung zwischen Europa und Afrika riss

18. November 2011, 12:24
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Erstmals Österreicher bei Meeresboden-Bohrung dabei - Patrick Grunert widmet sich dem Pliozän

Graz - Erstmals wird ein Vertreter aus Österreich bei einer Bohrung am Meeresboden beteiligt sein: Das Land ist zwar seit 2004 Mitglied des "Integrated Ocean Drilling Program" (IODP), das die Struktur und Geschichte der Erde anhand von Meeresboden-Sedimenten erforscht, aktiv an Hochsee-Projekten hat aber noch kein Wissenschafter teilgenommen. Erstmals nimmt nun mit dem Grazer Mikropaläobiologen Patrick Grunert ein Österreicher an einer Expeditionsfahrt teil - und zwar südwestlich der iberischen Halbinsel im Atlantik nahe der Straße von Gibraltar. Die Beteiligung stelle den bisherigen Höhepunkt der österreichischen Beteiligung am IODP dar, hieß es vonseiten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Die am IODP beteiligten Experten dringen auf den Bohrfahrten bis in die Tiefen der ozeanischen Erdkruste vor und entnehmen von ihr Bohrkerne zur weiteren Auswertung. Im Zuge des Programms werden so unterschiedliche Themen wie Klimawandel, Gashydratlagerstättenbildung, Erdbebenentstehung und Meeresbodenbiosphäre wissenschaftlich untersucht. Grunert wird südwestlich der iberischen Halbinsel wissenschaftliche Tiefseebohrungen durchführen und auswerten. Er erhofft sich Erkenntnisse zum Klimawandel in den vergangenen fünf Millionen Jahren. 

Ein Umbruch für Europa ... und vielleicht darüber hinaus

Vor allem ist er den Umweltbedingungen im Pliozän auf der Spur - eine für Europa entscheidende Phase: Vor etwa sechs Millionen Jahren hatte sich eine Landverbindung zwischen Afrika und Europa gebildet, die zur Austrocknung des Mittelmeers führte. Nur etwa 800.000 Jahre später, mit dem beginnenden Pliozän, senkte sich diese jedoch, wurde überspült und bildete die Straße von Gibraltar. Grunert: "Das ausströmende salzreiche Mittelmeerwasser hat die Meeresströmungen im Atlantik massiv verändert. Ob dadurch Klimaveränderungen beeinflusst wurden, untersuchen wir im Rahmen unserer Expedition."

Grunert will Bohrkerne aus bis zu 2.600 Metern Tiefe ziehen lassen. "Mich interessieren die Foraminiferen. Diese sind einzellige Organismen, die zahlreiche marine Lebensräume erobert haben und fossil erhaltungsfähige Gehäuse bilden können. Ihre Verbreitungsmuster sowie die geochemische Zusammensetzung ihrer Kalkschalen geben Informationen über frühere Umweltbedingungen", so Grunert. Noch an Bord will er erste Untersuchungen in speziell eingerichteten Hightech-Labors durchführen. Weitere sollen an Land analysiert werden.

Das IODP wird neben dem japanischen Bildungsministerium und der US-amerikanischen National Science Foundation von einem europäischen Konsortium mitfinanziert. Österreich nimmt seit 2004 am Programm teil. Den Mitgliedsbeitrag von rund 75.000 Euro teilen sich ÖAW und der Wissenschaftsfonds FWF. Die erstmalige österreichische Teilnahme an einer Bohrfahrt des Expeditionsschiffes "Joides Resolution" stellte den bisherigen Höhepunkt dieser Beteiligung am IODP dar, hieß es vonseiten der ÖAW. (APA/red)

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