Römisches Militärlager war von Siedlung umgeben

16. November 2011, 14:39
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Luftbilder und Begehungen deuten auf wechselvolle Besiedelungsgeschichte hin

Tulln - In Zwentendorf im Bezirk Tulln befindet sich nicht nur Österreichs einziges Atomkraftwerk, das nie ans Netz gegangen ist, das Gemeindegebiet ist zu der Zeit, als sich hier noch die römische Provinz Noricum erstreckte, auch Standort eines römischen Militärlagers gewesen. Das Österreichische Archäologische Institut (ÖAI) hat nun im Rahmen einer interdisziplinären Forschungskooperation von 2001 bis 2010 herausgefunden, dass rund um das Lager eine mehr als sieben Hektar große Siedlung bestanden hat.

Laut ÖAI sind "bahnbrechend neue Erkenntnisse zur Besiedlung des Gebietes um Zwentendorf gewonnen" worden, "ohne auch nur eine archäologische Grabung vorzunehmen". Michael Doneus vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien habe eine Auswertung von Luftbildern des gesamten Areals um das AKW durchgeführt. Mit zerstörungsfreien geophysikalischen Messungen seien vom ÖAI und der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) auf über 15 Hektar sowohl das römische Militärlager als auch das Dorf und die dazugehörigen Nekropolen erforscht worden.

Die wichtigsten Aufschlüsse zur historischen Entwicklung des gesamten Siedlungsplatzes seien letztlich durch einen intensiven Survey - eine systematische Begehung mit der Aufsammlung von Oberflächenfunden - des ÖAI erzielt worden. Mehr als 10.000 Fundstücke würden konkrete Aussagen zur materiellen Kultur und intensiven Nutzung des Lagerdorfes erlauben. So seien u.a. Werkstättenviertel und Steinbauten zu erkennen. Im 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung habe die Siedlung ihre größte Ausdehnung erreicht, im 4. Jahrhundert sei nur mehr in der Nähe zum Militärlager gesiedelt worden. (APA/red)


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