Karzai stellt USA Bedingungen

16. November 2011, 14:12

Afghanischer Präsident fordert vor Loya Jirga Partnerschaft "auf Augenhöhe" - Befugnisse der NATO sollen zurückgeschraubt werden

Kabul - Der afghanische Präsident Hamid Karzai stellt den USA Bedingungen für eine strategische Partnerschaft nach dem für Ende 2014 geplanten Abzug der NATO-Kampftruppen aus seinem Land. "Wir brauchen ihre Hilfe, das ist richtig, aber zu bestimmten Bedingungen, damit Afghanistan nicht mehr mit Füßen getreten wird", erklärte Karzai am Mittwoch in seiner Eröffnungsrede vor der "Großen Ratsversammlung" (Loya Jirga) in Kabul. Die NATO-Truppen müssten die erniedrigenden Hausdurchsuchungen und nächtlichen Operationen einstellen. Zudem erhob Karzai Anspruch auf die möglichst sofortige eigenständige Aufsicht über alle Gefängnisse. Ausländischen Truppen sollte es künftig nicht mehr erlaubt sein, Gefangene zu nehmen.

Forderung nach Souveränität

Afghanistan fordere seine Souveränität und fordere sie "heute", unterstrich der Präsident vor den rund 2000 Delegierten aus allen Landesteilen. Die USA dürften sich nicht in die inneren Angelegenheiten Afghanistans einmischen. Unter dieser Voraussetzung sei es im afghanischen Interesse, ein Abkommen über strategische Partnerschaft mit Washington zu schließen. "Wenn die USA Militärstützpunkte wollen, werden wir es ihnen erlauben, weil es zu unserem Vorteil ist. Wir bekommen dafür Geld, und unsere Streitkräfte werden ausgebildet", sagte Karzai. Von den USA verlangte er eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Das Verhältnis müsse eines zwischen ebenbürtigen Staaten sein.

Versammlung hat nur "beratenden" Charakter

Beschlüsse kann die bis zum Wochenende unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen tagende Versammlung nicht fassen, sie hat nur "konsultativen" Charakter. Oppositionelle Politiker hatten Karzai beschuldigt, mit Hilfe der überwiegend aus Stammesvertretern bestehenden Loya Jirga das gewählte Parlament umgehen zu wollen. Der Präsident hatte früher angekündigt, dass die Ratsversammlung das letzte Wort hinsichtlich der strategischen Partnerschaft mit den USA haben würde. Am Mittwoch stellte er klar, dass die Entscheidung bei den beiden Kammern des Parlaments liegen werde.

Mit Washington war vereinbart worden, Entwürfe für eine langfristige Kooperation zu erarbeiten. Der US-Regierung schwebt eine militärische Präsenz in Afghanistan vor, die bis zu 25 Jahren andauern soll. Das Abkommen ist noch nicht fertig ausgehandelt.

Beziehungen zum Ausland

Einziger Tagesordnungspunkt der Loya Jirga sind die Beziehungen Afghanistans zum Ausland. Ursprünglich sollten die Teilnehmer auch über den blockierten Friedensprozess mit den Taliban diskutieren. Die Meinungen dazu würden jedenfalls Gehör finden, sagte Karzai. Die Taliban fordern als Vorbedingung für Gespräche den Abzug aller ausländischen Truppen und haben den Delegierten mit "harten Strafen" gedroht.

Zehn Jahre nach dem - durch eine US-geführte Militärintervention herbeigeführten - Sturz des Taliban-Regimes verwies Karzai auf die im Land erreichten Fortschritte. Er räumte aber "ernste Probleme" ein. "Wir sind noch nicht aus der Dunkelheit heraus. Wir sind noch nicht aus den Gefahren heraus", sagte er. "Wir haben unser wichtigstes Ziel nicht erreicht, welches Frieden ist." Dennoch zeigte sich Karzai überzeugt, dass die Afghanen ab Ende 2014 selbst die Verantwortung für ihr Land übernehmen können.

Karzai hatte Anfang November auf einer internationalen Konferenz in Istanbul erklärt, seine Regierung wolle noch vor Ende des Jahres imstande sein, für die Sicherheit von 50 Prozent der Bevölkerung des Landes zu sorgen. Zugleich erwarte er noch mehr internationale Hilfe, um "den Terrorismus niederringen" zu können. Die Gewalt in Afghanistan ist nach Angaben der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr um 40 Prozent gestiegen. Laut UNO-Bericht wurden infolge der Gewalt zwischen Jänner und Juli landesweit über 130.000 Afghanen zum Verlassen ihrer Häuser und Wohnorte gezwungen. (APA)

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22 Postings
Darmwind
00
17.11.2011, 23:57

Ein Präsident, der solche Vereinbarungen trifft, verrät sein Volk. Karzai ist wirklich nur eine Marionette.

zimbo
 
10
17.11.2011, 15:13
Aha, dachte Afghanistan sei eine Demokratie.

Vielleicht erreicht er den Status der EU.

alois pemperowitsch, gföhl
00
17.11.2011, 14:57
der Karzai baut geschickt vor

die ISAf muß sich eh in absehbarer Zeit schleichen, da ist es gut mit den Talibans zu können.

mayflower2
11
17.11.2011, 11:10

Er stellt Forderungen,bei nicht erfüllen zahlt er und seine Familie alles ergaunerte Geld wieder zu verfügung.

Der dicke Jokkl
31
17.11.2011, 09:09

"die erniedrigenden Hausdurchsuchungen und nächtlichen Operationen einstellen" Haha, blöd nur, dass die mittlerweile unter Führung der afghanischen Spezialeinheit stehen und die ISAF Truppen nur zur Unterstützung dabei sind.

Der dicke Jokkl
01
18.11.2011, 01:34

Geil, einfach mal rotstricherln ohne gegenbeweis oder sonstiges... versager

jean marie
00
17.11.2011, 06:51
einfach

* Karzais Schwarzgeldkonten einfrieren und den Tierschützern spenden
* danach abziehen

Die Eule
34
17.11.2011, 06:45
Die Afganen verdienen die Freiheit

Wer sich derart gegen seine Besatzer wehrt hat die Freiheit wahrlich verdient.

Helicopterman
11
17.11.2011, 11:19
Die Afganen verdienen die Freiheit

Ja eh, das hat sich nur leider noch nicht bis zu den Taliban und anderen Fundis herumgesprochen.

Erwin Brandstetter
04
17.11.2011, 09:29

Jeder hat seine Freiheit "verdient". Was soll die Relativierung?

nuts1
03
16.11.2011, 23:54

wie musses sien in einem land zu leben wo du jeder zeit befürchten könntest eine drohne fällt auf dien dach.... no comment

gebdensenfdazu
17
16.11.2011, 22:33

Ziehen die ausländischen Militärs ab, hat er gerade noch 14 Tage Zeit um das Weite zu suchen, viel länger geb ich ihm nicht

zimbo
 
10
17.11.2011, 15:14
Hat eh eine deutschen Pass.

Täts sich ganz gut im Bundestag machen.

Zuckerlilly Zuckerlilly
00
16.11.2011, 20:46
Also hat maj. general Peter Fuller doch recht gehabt.

Frau Clinton, wie wollen Sie jetzt diese Bedingungen erklären? Aus dem Zusammenhang gerissen?

Doktor Jörg Haider
13
16.11.2011, 17:42
Nach dem Foto hätt der Artikel auch auf diestandard gepasst ...

steppenwolf51
12
16.11.2011, 16:47
"Schluss mit verhassten Night Raids"Karsai stellt USA Bedingungen

Wieso fehlen bei Meldungen der "APA" immer wichtige Punkte?
"Sie kommen lautlos in der Nacht und werfen ihre todbringende Fracht über kleine Kommandoeinheiten in vermuteten Taliban-Quartieren ab. Die unbemannten Drohen sind der Inbegriff des Hasses vieler Afghanen gegen die NATO-Kampftruppen in Afghanistan. Präsident Karsai setzt die USA unter Druck, mit den "Night Raids" aufzuhören, sonst könne es keinen Frieden in Afghanistan geben."

http://www.n-tv.de/politik/K... 87321.html

Interessant ist auch:
"Bislang nicht vorgesehen ist eine strategische Partnerschaft mit Deutschland, obwohl die Bundesrepublik eine der wichtigsten Truppensteller- und Gebernationen in Afghanistan ist."

afterthought
02
16.11.2011, 16:02

Hr Karzei wird genau solange an der Macht bleiben, als er die Unterstuetzung Pakstans, oder vielmehr des ISI, hinter sich hat. Sollte er deren Gunst aber verlieren, wird sich schnell eine Ersatzloesung fuer ihn finden.

Die NATO bzw. USA akzeptiert ihn noch, wenn auch zaehneknirschend, da Afghanistan als strategischer Punkt in der Region auessert wichtig ist, und eine Alternative zu diesem korrupten Regime nicht in Sicht ist. Die Frage ist nur wie lange deren Geduld anhaelt.

NONE
17
16.11.2011, 15:28

Immer wieder amüsant zu sehen wie der von den USA installierte Präsident medial gegen die USA wettert während sein korrupter Familienclan im Drogenhandel und Baugewerbe verstrickt ist, ganz zu schweigen von den afghanischen Sicherheitsfirmen. Hauptsache Profit.

Glaubt dem irgendwer überhaupt seine Rhetorik?

1116er
18
16.11.2011, 15:06
eigentlich könnten die usa JEDER forderung zustimmen...

denn kaum sind sie weg, ist auch karzai weg, die loya jirga ist weg und die taliban sind da!

Gendo
11
17.11.2011, 09:53

Dann sind höchsten die feuchten Träume der Talibanvereher hier. Glauben Sie das die ganzen Warlords nichts aus den 90er Jahren gelernt haben? Die wissen wie man sich gegen die Taliban wehrt(und auch wei man sich um die Macht streitet). Das Land wird langsam wieder in den endlosen Bürgerkrieg zurück kehren und die Taliban werden da nur eine Partei sein, mit beiweiten nicht mehr so guten Karten wie 1995

Heavyweather
01
16.11.2011, 20:02

Na darauf freuen wir uns schon...

Franz Sammer
 
25
16.11.2011, 14:48
Karzai stellt USA Bedingungen

USA-Nato go home!!

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