Steiermark zahlt 900.000 Euro, Salzburg 200.000 Euro an ÖBB - Studie hatte vor Autolawine gewarnt
Graz - Im Disput um die Aufrechterhaltung der ÖBB-Verbindungen zwischen Graz und Salzburg liegt nun eine Lösung auf dem Tisch: Das Land Steiermark zahlt rund 900.000 Euro dazu, Salzburg beteiligt sich mit rund 200.000 Euro.
Damit wurde die von der ÖBB geforderte Summe von 1,2 Mio. Euro leicht unterschritten.
Bis 2012 seien damit alle wesentlichen Verbindungen zwischen den beiden Landeshauptstädten gesichert. Für die Zeit danach müsse neu verhandelt werden, hieß es. Die Lösung wurde von Verkehrslandesrat Gerhard Kurzmann und Finanzlandesrätin Bettina Vollath am Mittwoch bekanntgegeben. Bisher hatte das Land Steiermark den ÖBB für diese Verbindungen nichts zugeschossen.
300.000 Euro kommen aus dem steirischen Verkehrsressort, 600.000 Euro schießt das Finanzressort zu, 200.000 Euro kommen aus Salzburg.
Der Kompromiss gestaltet sich wie folgt: Drei Zugpaare täglich zwischen Graz und Salzburg finden sich im Grundangebot. Dazu werden mit den Zuzahlungen der Steiermark Montags bis Donnerstags je zwei Paare zwischen Graz und Bischofshofen verkehren, ebenso Montags bis Donnerstags ein Paar zwischen Salzburg und Bischofshofen. Freitags und Sonntags werden in Zukunft zwei Paare Graz und Salzburg verbinden, eine zusätzliche Verbindung von Graz nach Salzburg wird es Samstags geben.
Bis zu 400.00 zusätzliche Autofahrten
In den vergangenen Wochen hatte es in der Steiermark und in Salzburg Diskussionen über die von der ÖBB angekündigten Zugstreichungen gegeben. Eine Studie des Instituts für Geografie der Uni Graz hatte ergeben, dass eine eventuelle Taktreduktion massive ökonomische, soziale und ökologische Folgen haben würde. Studienautor Christian Kozina rechnete mit mindestens 100.000 und bis zu 400.000 zusätzlichen Autofahrten jährlich auf der Strecke Graz-Salzburg. Ausgangslage war der bisherige Zwei-Stunden-Takt Graz-Salzburg mit Anschluss nach Linz, Innsbruck und Vorarlberg. Die geplante Streichung von vier der sieben Zugpaare ab dem 12. Dezember hätte - auch wenn ein Teil durch noch diskutierte zusätzliche REX-Verbindungen (Regional Express) kompensiert würde - eine Dynamik entfacht, das das Bahnfahren immer weniger attraktiv macht, so Kozina.
Grüne Kritik
Kritik an der Lösung kam von den steirischen Grünen. Abgeordneter
Lambert Schönleitner fragte: "Und 2012 beginnt die 'Erpressung' wieder
von vorne?" Dass das Angebot nicht einmal bis zur Alpinen Ski-WM in
Schladming 2013 abgesichert werden konnte, sei peinlich.
"Es ist zwar positiv, dass nach massivem Druck der Öffentlichkeit das
angedrohte ,Streichkonzert' abgewendet werden konnte. Dass aber wieder
keine nachhaltige Lösung über 2012 hinaus gefunden wurde, zeigt die
schwachen Beine, auf denen die Verkehrspolitik in Österreich generell
steht", kritisierte der Grüne Schönleitner. Durch die nunmehrige
"Lösung" könne die ÖBB "in einem Jahr neuerlich damit beginnen, das Land
zu 'erpressen'". Dass es dem steirischen LH Franz Voves nicht
gelungen sei, "bei seiner SPÖ-Parteifreundin und zuständigen Ministerin
Doris Bures ordentlich Druck zu machen, ist eine Enttäuschung,", so
Schönleitner. (APA)