Banken fürchten "Dauer-Stresstests"

16. November 2011, 14:01
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EU-Aufsicht will von Banken mehr zu Kapitalbedarf wissen

Frankfurt - Die EU-Bankenaufsicht hat offenbar Probleme, den endgültigen Kapitalbedarf der größten europäischen Institute zu ermitteln. Banker und Aufseher berichteten, die EBA habe von den Geldhäusern erneut zusätzliche Daten angefordert, die ein genaueres Bild von deren Kapital- und Liquiditätslage geben sollen. Die Zahlen sollen bis Freitag geliefert werden.

"Wir haben den Eindruck, dass das eine Art neuer Blitz-Stresstest ist, mit neuen Annahmen und mehr Papieren, die einbezogen werden", sagte ein Banker. Damit dürfte sich die Veröffentlichung des Maßnahmenpakets verzögern, mit dem die Europäische Union die 70 größten Banken wetterfest für die Euro-Schuldenkrise machen und das Vertrauen in die Branche wieder herstellen will.

Plan bis Weihnachten

Banker hatten erwartet, dass die EBA bereits am Freitag die endgültige Summe nennen würde, die die Institute bis Mitte 2012 an zusätzlichem Kapital brauchen, um auf eine Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen, wenn sie ihre Staatsanleihen zu Marktpreisen bewerten. EBA-Chef Andrea Enria hatte am Dienstag eine Veröffentlichung bis Ende des Monats in Aussicht gestellt. Noch ist aber unter anderem strittig, inwieweit die Banken zur Erfüllung der Vorgaben auch Kapitalinstrumente verwenden dürfen, die sich nur in einer Krise in Eigenkapital verwandeln. Sie müssen bis Weihnachten einen Plan ausarbeiten, wie sie auf neun Prozent kommen wollen. Viele von ihnen haben Probleme, neue Investoren anzulocken.

In Deutschland sind von den 13 größten Banken nur die Commerzbank, die Deutsche Bank, die LBBW und die NordLB betroffen, die vorläufigen Daten zufolge 5,2 Mrd. Euro beschaffen müssen. In ganz Europa hatte die EBA die Kapital-Lücke auf 106 Mrd. Euro beziffert. In den Berechnungen waren zwar die Staatsanleihen mit ihren Marktwerten Ende September berücksichtigt, nun sollten aber noch die Bilanzdaten der einzelnen Banken zum Ende des dritten Quartals nachgeliefert werden. Das haben die Institute bereits getan.

Was die Londoner Behörde nun offenbar darüber hinaus wissen will, blieb unklar. "Die EBA agiert da im Verborgenen", sagte ein Insider. "Wir sind in einer Art Dauer-Stresstest", sagte eine weitere Person aus der Bankenbranche. (APA/Reuters)

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