Mit der Krise steigt die Zahl an Leiharbeitern

16. November 2011, 13:37
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Wien - Zeitarbeit ist ein Frühindikator für die kommende Wirtschaftsentwicklung: Zum einen beschäftigen Unternehmen in unsicheren Zeiten lieber Leihpersonal als die Stammbelegschaft aufzustocken, zum anderen sind Zeitarbeiter die ersten, die gekündigt werden, wenn die Aufträge ausbleiben. Die beiden großen Personalbereitsteller Manpower und Trenkwalder sind derzeit noch optimistisch. "Wir spüren noch keinen Rückgang", so Trenkwalder-Geschäftsführer Klaus Lercher. Allerdings seit rund acht Wochen gebe "es nicht mehr den massiven Anstieg". Manpower-Geschäftsführer Erich Pichorner meinte, es gebe keine Krisenanzeichen.

Das Beraterunternehmen Interconnection Consulting hat die Wachstumsprognose für die Zeitarbeitsbranche für heuer vorsichtshalber von ursprünglich 22,9 Prozent auf 13,2 Prozent revidiert. Als Grund nennt Interconnect-Geschäftsführer Frederik Lehner die zu erwartenden Nachfrageeinbrüche innerhalb des EU-Binnenmarktes und die daraus resultierenden Exportrückgänge. Dennoch entwickle sich der Zeitarbeitsmarkt mit einem jährlich Plus von 11 Prozent siebenmal so schnell wie das Bruttoinlandsprodukt, das bis 2014 jährlich nur um 1,4 Prozent wachsen werde. "In wirtschaftlich unsicheren Zeiten schätzen Entscheidungsträger die Flexibilität". Jedoch bei einer Rezession von mehr als 2 Prozent könne man wieder von einem Rückgang wie im Jahr 2009 ausgehen. Damals brach der Zeitarbeitsmarkt innerhalb von zwölf Monaten um 26,8 Prozent ein.

Die größten Verlierer der Krise war die Industrie. Der Einbruch konnte jedoch wieder wett gemacht werden. 29.504 in der Industrie beschäftigte Zeitarbeiter machen wieder den größten Anteil aus. Insgesamt sind heuer in Österreich 74.800 Zeitarbeiter beschäftigt, der Umsatz beträgt 2,1 Mrd. Euro. Laut Prognose wird die Zahl der Zeitarbeiter bis 2014 jährlich um 10 Prozent auf 99.500 Beschäftigte wachsen, der Umsatz wird etwas stärker auf 2,87 Mrd. Euro bis 2014 steigen. Kein Wunder: Unternehmen können ihre Kosten mit der Beschäftigung von Zeitarbeitern laut Trenkwalder um 5 bis 10 Prozent senken.

Die Bedeutung von Zeitarbeit ist in Österreich regional sehr unterschiedlich: Oberösterreich, Steiermark und Wien haben mit 3,1 Prozent, 2,8 Prozent und 2,1 Prozent die höchsten Quoten. Schlusslichter sind Tirol (0,6 Prozent ) und das Burgenland (0,4 Prozent).

Fachkräfte mit Top-Ausbildung seien leider nicht verfügbar, beklagt die Branche. "Vergleicht man das prognostizierte Wachstum bei den ungelernten Arbeitern (13,2 Prozent jährlich) mit dem der qualifizierten Facharbeiter (6,9 Prozent jährlich) erkennt man das hier verloren gegangene Potenzial", so Lehner. Neben klassischen Lehrberufen wie Schlosser und Dreher fehlen vermehrt IT-Fachkräfte.

Qualifizierungslücke trotz Arbeitsmarktöffnung

Auch die Öffnung der Arbeitsmärkte konnten bis jetzt die Qualifizierungslücke nicht schließen. Derzeit stammen 103.888 Beschäftigte aus den EU-Oststaaten. Mit der Erweiterung per 1. Mai kamen 19.808 Mitarbeiter dazu. Die Probleme bei der Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte seien vielfältig, so Lercher. Zum einen fehle es oft an Deutschkenntnissen, Anreise- und Übersiedlungskosten schlagen sich bei den Jobsuchenden zu Buche. Unternehmen beklagen häufig hohe Kosten und fehlende Mobilität. Für die Unternehmen positiv: Die Jobsuchenden sind sehr arbeitswillig. (APA)

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