Werbeagenturen merken noch nichts von Konjunkturkrise

16. November 2011, 13:36
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Verschlechterung für nächstes Jahr erwartet - West-Ost-Gefälle dreht sich um: Wiener Agenturen eher pessimistisch - Zwei Drittel der Firmen mit Qualifikation der Mitbewerber wenig zufrieden

Die österreichischen Werbagenturen wollen derzeit noch nichts von einem Konjunkturabschwung bemerken, speziell in Westösterreich ist die Stimmung ungebrochen gut. Die Unternehmen sind per saldo mit der Auftragslage zufrieden, wollen mehrheitlich Personal eher aufbauen und erwarten steigende Preise. Dies sind die wichtigsten Resultate des am Mittwoch vorgestellten neuen Werbeklimaindex. Der vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) berechnete Indikator beruht auf der Befragung von 154 Unternehmen.

Konkret liegt der aktuelle Index bei +22 Punkten. Dies bedeutet einen leichten Rückgang gegenüber dem Wert Ende Juli, die Branchenstimmung befindet sich damit aber noch weit im grünen Bereich. Jeder Wert, der größer als Null ist, zeigt eine Verbesserung der Lage an.

Wiener Agenturen eher pessimistisch

37 Prozent der Befragten bemerkten in den vergangenen drei Monaten einen Anstieg der Nachfrage, nur neun Prozent einen Rückgang."Die Nachfrage-Dynamik nach Dienstleistungen im Bereich Werbung und Marktkommunikation bleibt weiterhin hoch", sagte Gerhard Schwarz vom Wirtschaftsforschungsinstitut. Dabei soll sich aber die Geografie des Werbeklimas umgedreht haben: Während im Westen wieder gute Geschäft erwartet werden, sind die Wiener Agenturen eher pessimistisch.

Angelika Sery-Froschauer, Obfrau des Fachverbandes Werbung, führt dies auf die Auswirkungen des neuen Medientransparenzgesetzes zurück, das die Vergabe von öffentlichen Anzeigeaufträgen neu regeln soll. "Wir sind für Transparenz, aber wir haben gesagt, dass das nicht zu einer Blockierung von Werbeaufträgen führen darf. Das passiert aber gerade." Nach einer Grobschätzung machen die öffentlichen Aufträge für Anzeigen nur 100 Mio. Euro pro Jahr aus - drei Prozent des (nominell) 3,5 Mrd. Euro schweren Print-Werbekuchens. Für den Werbeexperten Herwig Stindl ist diese Schätzung freilich zu niedrig gegriffen, weil viele (quasi)staatliche Aufträge gar nicht erfasst werden könnten.

Verschlechterung für nächstes Jahr erwartet

Generell habe man sich nach dem Vorliegen der Daten "gefragt wie kann es das geben?", so Sery-Froschauer bei der Pressekonferenz. Grundsätzlich sei in den Firmen die Erwartungshaltung aber noch "sehr positiv". Sowohl der Fachverband als auch das Wifo erwarten für nächstes Jahr aber eine Verschlechterung der Werte. Für Schwarz hinkt die Werbewirtschaft konjunkturell hinter der Sachgüterproduktion nach. 

Zwei Drittel der Firmen mit Qualifikation der Mitbewerber wenig zufrieden

Beklagt wird von den Unternehmen die im Rahmen einer gesonderten Fragestellung erhobene Qualifikation der Berufseinsteiger. Während die Nachfrage nach Jobs in der Werbebranche weiter hoch sei, seien zwei Drittel der Firmen mit der Qualifikation der Mitbewerber wenig zufrieden. Beklagt würden vor allem mangelndes sprachliches Talent, zu wenig kaufmännisches Verständnis und zu geringe medienunabhängige Kreativität. Bewerber, die nur mit den klassischen Medien hinaus etwas anfangen könnten, hätten keine Chance mehr, sagte der deutsche Kreative Matthias Spaetgens (Scholz&Friends): "Online-Kompentenz ist aus Sicht der Agenturen heute ein unverzichtbares Einstellungskriterium". (APA)

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