Wiener Sniper aus U-Haft entlassen

16. November 2011, 18:58
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"Möchte mich entschuldigen", sagt Tatverdächtiger im ORF-Interview

Wien - Die sogenannten Wiener Sniper, die im vergangenen September mit einer Luftdruckpistole auf zahlreiche Passanten geschossen haben sollen, sind Mittwochmittag aus der U-Haft entlassen worden. "Die Tatbegehungsgefahr ist weiter aufrecht, aber die U-Haft konnte durch gelindere Mittel substituiert werden", bestätigte Gerichtssprecherin Christa Salzborn. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig, die Staatsanwaltschaft gab vorerst keine Erklärung ab.

Die Enthaftung der beiden 20-Jährigen wurde an mehrere Auflagen gebunden: Sie wurden angewiesen, sich untereinander nicht abzusprechen und allfällige Adressänderungen unverzüglich bekanntzugeben. Außerdem wurde Bewährungshilfe angeordnet.

Laut Anwalt Normann Hofstätter, der einen der beiden Verdächtigen vertritt, hielt der Haftrichter die weitere Inhaftierung der Männer für nicht mehr verhältnismäßig. Entscheidende Bedeutung dürfte dabei einem gerichtsmedizinischen Gutachten über die eingetretenen Verletzungen zugekommen sein. Demzufolge hatten sämtliche Angeschossene lediglich leichte Verletzungen erlitten.

Anklage wackelt

Die Staatsanwaltschaft war ursprünglich von dem mit bis zu fünf Jahren Haft bedrohten Delikt "absichtliche schwere Körperverletzung" ausgegangen. Im Hinblick auf die vorliegenden Expertise erscheint es nunmehr fraglich, ob tatsächlich in diese Richtung Anklage erhoben wird.

"Die Verlängerung der U-Haft wäre nach Ansicht des Haftrichters in keinem Verhältnis zur zu erwartenden Strafe gestanden", so Verteidiger Hofstätter. Für eine "gewöhnliche" Körperverletzung sieht das Strafgesetzbuch eine maximal einjährige Freiheitsstrafe oder einer Geldstrafe von bis zu 360 Tagessätzen vor.

"Möchte mich entschuldigen"

Einer der beiden mutmaßlichen Täter hat sich kurz nach seiner Entlassung in einem Interview in der ORF-Sendung "Wien heute" am Mittwoch entschuldigt: "Ich möchte mich in aller Öffentlichkeit entschuldigen, was wir getan haben, was ich getan habe. Es tut mir auch sehr leid."

Der junge Mann "hätte gerne Briefe (an die Opfer, Anm.), Entschuldigungsbriefe" geschrieben. "Es ist leider passiert. (...) Jetzt möcht' ich einfach nur in mein normales Leben zurück und einen Neustart beginnen."

17 Schüsse

Die beiden 20-Jährigen waren am 30. September festgenommen worden, nachdem sie in den vorangegangenen Wochen mit einer Luftdruckpistole aus einem fahrenden Auto heraus auf insgesamt 21 Passanten geschossen haben sollen. Allein am 15. September gaben sie den polizeilichen Ermittlungen zufolge 17 Schüsse ab. Zur Ergreifung der Heckenschützen waren insgesamt 22.000 Euro ausgelobt worden. Das Geld sollen laut ORF nun vier Jugendliche bekommen, die den Opel Astra eines der beiden Verdächtigen als Täterfahrzeug erkannt hatten. (APA)

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    "Schwere" oder "gewöhnliche" Körperverletzung - was vorlag, wird erst entschieden

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