Mordserie

Auch deutsche Politiker im Visier der Neonazis

16. November 2011, 21:01
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    foto: markus hibbeler/dapd

    Das Haus des mutmaßlichen Komplizen Hoger G. in Lauenau bei Hannover.

Namen eines CSU-Politikers und eines Grünen auf gefundenen Daten entdeckt - Deutsche Regierung beruft Krisengipfel ein

Hannover/Berlin - Der Streit über Konsequenzen aus den Neonazi-Morden hat die deutsche Innenpolitik fest im Griff. Nach immer neuen Berichten über Pannen bei den Ermittlungen zum rechtsextremen Terror hat die deutsche Bundesregierung einen Krisengipfel einberufen. Innen- und Justizminister aus Bund und Ländern treffen sich am Freitag in Berlin mit den Spitzen der Sicherheitsbehörden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlangte erneut Konsequenzen. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Mittwoch: "Wir haben eine Verantwortung aufzuklären und womöglich eine Verantwortung, Konsequenzen zu ziehen."

88 Personen auf Liste zu Mordplänen

Nun tauchten laut dem deutschen Nachrichtenmagazin Spiegel neue Details zu den Mordplänen der Neonazis auf. 88 Personen, die meisten davon Repräsentanten türkischer und muslimischer Organisationen, waren samt Wohnadressen in Datensätzen gespeichert, die in dem abgebrannten Haus in Zwickau gefunden wurden. Darunter befinden sich auch die Namen zweier Bundestagsabgeordneter. CSU-Innenpolitiker Hans-Peter Uhl machte sich durch seinen Kampf gegen die so genannten "Killerspiele" einen Namen, der grüne Abgeordnete und Rechtsexperte Jerzy Montag ist der Sohn eines polnisch-jüdischen Einwanderes. Die Anzahl der Personen ist wohl nicht zufällig gewählt, ist 88 doch ein neonazistischer Code, der auf den 8. Buchstaben im Alphabet - das H - und demnach auf "Heil Hitler" verweist.

Komplize G. bereits 1999 observiert

Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) will gefährliche Neonazis in einem neuen Zentralregister erfassen lassen. Das Zentralregister solle ähnlich wie die Islamisten-Datei von den Verfassungsschutzämtern und den Polizeibehörden in Bund und Ländern gespeist werden. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) verhält sich skeptisch. In Niedersachsen haben Innenministerium und Verfassungsschutz bei der Fahndung nach der Neonazi-Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) schwere Fehler in der Vergangenheit eingestanden. Der als mutmaßlicher Komplize des Neonazi-Trios festgenommene Holger G. sei bereits 1999 in Niedersachsen auf Bitten aus Thüringen observiert worden, sagte der niedersächsische Verfassungsschutzpräsident Hans Wargel am Mittwoch in Hannover.  Am Tag des Mordes an der 22 Jahre alten deutschen Polizistin Michele Kiesewetter in Heilbronn hat die deutsche Polizei ebenfalls Holger G.s Wohnmobil mit einem Kennzeichen aus Ostdeutschland notiert, allerdings wurde nicht ermittelt, wem es gehörte.

Erkenntnisse über seine Zusammenarbeit mit der Gruppe seien in Niedersachsen aber nicht gespeichert und Holger G. nur als Mitläufer eingestuft worden. Der 37-jährige Holger G. aus dem Raum Hannover war am Sonntag als Komplize festgenommen worden. Er soll den drei mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe B. , Uwe M. und Beate Z. 2007 seinen Führerschein und vor etwa vier Monaten seinen Reisepass zur Verfügung gestellt und mehrfach Wohnmobile für die Gruppe angemietet haben.

Spekulationen um Z.s Aussage

Das Trio wird verdächtigt, neun Kleinunternehmer türkischer und griechischer Abstammung sowie eine deutsche Polizistin ermordet zu haben. B. und M. waren am 4. November nach einem Banküberfall in Eisenach (Thüringen) tot in ihrem Wohnmobil aufgefunden worden, die Ermittler gehen bisher von Selbstmord aus. Z. hatte sich einige Tage später der Polizei gestellt. Die Ermittler fanden die Tatwaffe der neonazistischen Mordserie und ein Bekennervideo der Terrorzelle NSU. Offen blieb, wann und ob Z. vor der Bundesanwaltschaft aussagt. Es ist die Rede davon, dass sie dies am Donnerstag tun will.

Staatsschützer als Neonazi-Unterstützer?

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat den Einsatz von sogenannten V-Leuten des Verfassungsschutzes in extremistischen Organisationen, nachdem bekanntwurde, dass auch Staatsschützer in die Mordserie verwickelt sein könnten, verteidigt. "Insgesamt brauchen wir solche Leute", sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". Dies gelte für die gesamte extremistische Szene, insbesondere aber "für den islamistischen Bereich", aus dem wegen bestehender sprachlicher und kultureller Unterschiede "viel schwieriger" Informationen zu bekommen seien. Ohne V-Leute hätten die Geheimdienste in diesem Bereich "erhebliche Schwierigkeiten", sagte Herrmann.

Polizei nicht ausreichend informiert

Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, warf dem Verfassungsschutz angesichts der Neonazi-Mordserie vor, die Polizei nur ungenügend zu informieren. Die Beamten könnten nur mit den Informationen arbeiten, die sie vom Geheimdienst erhielten, sagte Wendt im Deutschlandfunk. Nach der Aufklärung des aktuellen Falles müsse man auch die Frage nach der Existenzberechtigung einer Behörde stellen, die mit "fragwürdigen Methoden fragwürdige Erkenntnisse ermittelt" und diese nicht einmal weitergebe.

Bayrische Polizei ging von rechtsextremistischen Hintergrund aus

Bei den Ermittlungen zur Mordserie an deutschlandweit neun türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern gab es bei der bayerischen Polizei schon früh einen Verdacht auf einen rechtsextremistischen Hintergrund. Beamte der Nürnberger Sonderkommission "Bosporus" hätten deshalb bereits vor Jahren alle deutschen Verfassungsschutzämter gezielt um Informationen über auffällige Personen aus dem rechtsextremen Milieu gebeten, sagte einer der leitenden Soko-Mitarbeiter, Uwe Jornitz, den ARD-Politikmagazinen "Fakt", "Report Mainz" und "Report München".

Aus Angst vor weiteren Anschlägen aus dem rechtsradikalen Milieu forderte der Zentralrat der Muslime in Deutschland Schutz vom Staat an. "Wir haben die Sicherheitsbehörden gebeten, für den Schutz muslimischer Einrichtungen und deren Repräsentanten Vorkehrungen zu treffen", sagte der Vorsitzende Aiman Mazyek den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe. (red/APA)

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Posting 1 bis 25 von 103
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molekühl
13
17.11.2011, 23:06

z'fix!
Sooo eine schöne (und große!) Schlagzeile wäre es geworden wenn es nur den Grünen betroffen hätte...
Was muss da auch ein CSUler mit draufstehen??
Pech, gell?

Nick Tameer
01
18.11.2011, 17:51

Wieso? Auf Hitlers Todesliste standen sogar eine ganze Reihe Nazis.

Rammst
10
17.11.2011, 18:26
Verfassungsschutz..

involviert, würde eventuell darauf schliessen lassen, das die opfer nicht willkürlich, nur auf Grund ihrer Herkunft, ausgewählt wurden??

capoeira17
 
12
17.11.2011, 14:36
aus Spiegel online:

Der Begriff "Döner-Morde" ist ein trauriger Beweis für den latenten Rassismus der deutschen Gesellschaft - auf drei Ebenen. Zunächst bedeuten "Döner-Morde" eine herablassende Gleichsetzung und Entmenschlichung: Die Opfer werden allesamt zum "Döner" gemacht, als hätten sie keine Namen, als hätten sie keine Berufe. Man stelle sich eine ähnliche Mordserie mit vornehmlich italienischen Opfern vor - würden wir sie dann "Spaghetti-Morde" nennen? Und welch Aufschrei ginge durch Politik und Presse, würden in der Türkei serienmäßig deutsche Staatsbürger ermordet und man spräche dort von "Kartoffel-" oder "Sauerkraut-Morden"?

Nick Tameer
01
18.11.2011, 18:00

Der Rassismus liegt nicht im Namen, sondern in der Sache, nämlich der Annahme, dass es sich um Morde von Ausländernan Ausländern handeln würde - wenn jemand Ausländer umbringt, ohne dass man ein Motiv finden kann, wird der Täter wohl ein Ausländer sein, auch wenn sonst eher alles dagegen spricht, denn man muss doch vermuten, dass die Opfer in irgendeiner Weise in irgendwelche krummen Sachen verwickelt waren.

suboptimal
 
06
17.11.2011, 18:27
Das waren aber die MEDIEN – die gleichen, die jetzt ein bisserl weinerlich werden

Von der Polizei kommt das NICHT: Mit der Fahndung war unter anderem die "SoKo Bosporus" aus Nürnberg mit 50 Beamten unter Leitung von Wolfgang Geier beauftragt.
Als Mordserie BOSPORUS, in vielen deutschen Medien auch Döner-Morde genannt, wird eine bundesweite Mordserie an acht türkischstämmigen und einem griechischen Kleinunternehmer bezeichnet.
http://de.wikipedia.org/wiki/D%C3... 6ner-Morde

capoeira17
 
00
17.11.2011, 13:29
lustig

war der CSU-Politiker der sich gewundert hat auf der Liste zu sein: Warum wohl?

naihoit
00
17.11.2011, 12:16
müsse man auch die Frage nach der Existenzberechtigung einer Behörde stellen, die mit "fragwürdigen Methoden fragwürdige Erkenntnisse ermittelt" und diese nicht einmal weitergebe

Wenn man den Bock zum Gärtner macht darf man sich nicht wundern, wenn die Ernte karg aus fällt.

capoeira17
 
00
17.11.2011, 11:38
Interessant sind nicht die ...

Interessant sind nicht die seltsamen Verknüpfungen zwischen Nazis und Verfassungsschutz, sondern wieso die ganze Sache gerade JETZT auffliegt bzw. aufgedeckt wurde!!??

Wer hat wem weh getan (oder wollte weh tun), so dass die ganze Sache in die Luft gesprengt wurde?

Dass mit den gleichzeitigen Selbstmorden werden auch nur die naivsten glauben. Die sind einfach exekutiert worden, vom wem auch immer!

Herr und Frau Österreicher
 
02
17.11.2011, 11:54
"Dass mit den gleichzeitigen Selbstmorden werden auch nur die naivsten glauben."

Wieso? Konsequente Nazis halt:
http://www.flickr.com/photos/cr... 360774307/

Los12
18
17.11.2011, 06:30
auch ein verbot der fpoe wäre angebracht

die stecken unter einer haube mit der npd

Igor Gassner
91
17.11.2011, 08:17
So ein Unsinn

galiontariaho
00
19.11.2011, 16:27
ich bin zwar ein gegner von veboten..

aber die naivätit der fpö-wähler zeigt sich darin, wie sie die verbindung der rechtsextremen partei der sie nachlaufen mit anderen europäischen rechtsexgtremen leugnen.ö

es ist wohl die freie wahl der informationsresistent, der die wahl der rechstextremen hetzer in österreich mit dem gewissen vereinbaren lässt..

a

Joe_Chip
12
17.11.2011, 10:02

sagt einer der sich mit unsinn ja auskennt :)

FalscherProphet
02
17.11.2011, 07:26
Das dürfte man nicht einmal in's Gespräch bringen:

Dabei fingen die "harten rechten" FPÖ-ler wieder einmal an zu heulen,
als wären sie weichsten Memmen aus dem Kindergarten.
Die sich bei Onkel Wolf oder Tante Thurnher öffentlich ausweinen.

catfish eyes
01
17.11.2011, 06:01
"schwere Fehler in der Vergangenheit"

Das heißt, dass jetzt die letzten 66 Jahre aufgearbeitet werden?? Wer's glaubt...

Jürgen Rembremerding
02
17.11.2011, 01:13
Jahn Petrov
01
17.11.2011, 00:06
Und damit das neue Anti-Terror-Paket

auch seine Berechtigung hat bitte von vornherein gleich die Gelder für die Finanzierung der rechtsextremen Gruppen ins IM Budget mit einplanen.

Stuff
230
16.11.2011, 22:21
Ich widerhole es hier nochmals:

Ich verstehe die Aufregung nicht,
denn es sollen ja nun V-MännerInnen aus allen EU-Ländern in allen EU-Ländern Dienst tun dürfen, da die Gefahr, die GefahrIn und die Gefahren so, so, so gross sind, dass das nur so geht.

Egal wo Sie leben: Schreiben Sie Ihren AbgeordnetInnen dass Sie das nicht, buchstabiert und wegen Voodoo drei mal wiederholt: N-I-C-H-T, N-I-C-H-T, N-I-C-H-T, wünschen…

ape.p
014
17.11.2011, 00:23
sie haben ein t zuviel in ihren postingnamen...

naihoit
12
17.11.2011, 12:19
Ich meine eher,

daß da 2 "f" zu viel und 2 "s" zu wenig sind.

FalscherProphet
16
17.11.2011, 02:33
Das "t" im Nick ist die schwache Tarnung

von "drei-Bier" Gesinnungsgenossen.

iamdaiam
02
16.11.2011, 21:51

wenn der v-mann von den morden gewusst hat, ist es wirklich ein skandal. auf was hätte er denn noch stoßen müssen, damit er es meldet?

abalada
02
16.11.2011, 23:58

Wenn er was von den Morden gewusst hätte, wäre er wohl kaum zum Tatzeitpunkt dort gewesen, sondern hätte sich ein sicheres Alibi besorgt.

Das Internetcafe war ja in der Nähe seines Wohnortes und er war dort seit Monaten regelmäßig Gast. So dass der Vater des Mordopfers sich gut an ihn erinnern konnte.

Skandal ist nur, dass er sich auf den Aufruf der Polizei an die Besucher des Internetcafes sich zu melden, sich als einziger nicht von selbst gemeldet hat. Die anderen 4 Besucher hatten von dem Mord aber auch nichts mitbekommen und offensichtlich waren die ebenfalls schon gegangen als die Polizei eintraf.

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