Causa Matt: Grüne drängen auf Entscheidung

16. November 2011, 12:45
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Laut grünem Kultursprecher Werner-Lobo gibt es Einigung auf interimistische Leitung - Matt kalmiert bei Mitarbeiterversammlung

Wien - Die Zukunft der Kunsthalle Wien und ihres Chefs Gerald Matt könnte sich in den nächsten Tagen klären. Die Wiener Grünen drängen jedenfalls auf eine rasche Entscheidung. "Am 29. November ist Kulturausschuss. Wenn man will, dass die Kunsthalle zu diesem Datum behandelt wird, muss man in den nächsten Tagen zu einer Entscheidung kommen", so deren Kultursprecher Klaus Werner-Lobo. Das klare Angriffsziel ist dabei der Verein Wiener Kunsthalle. Matt selbst lud heute Vormittag zu einer Mitarbeiterversammlung, bei der er Arbeitsplatzsicherheit versprach und die geplante Neuorganisation erklärte.

SPÖ und Grüne sind sich über die wesentlichen Strukturen einer Neuausrichtung der Kunstinstitution offenbar einig, die laut Werner-Lobo zentral auch den Verein Wiener Kunsthalle umfassen soll: "Kunst im öffentlichen Raum (KÖR) und Kunsthalle werden personell wie institutionell voneinander getrennt. Die Kunsthalle wird eine GmbH, die einen Aufsichtsrat erhält - und als Gesellschafter einen Verein Kunsthalle, der zum Großteil aus anderen Leuten als heute bestehen wird."

Verein auch verantwortlich

Schließlich sei der Verein als eigentliches Kontrollorgan zumindest so verantwortlich wie Matt, so Werner-Lobo. Und diese personelle Neuaufstellung des Vereins sei der Kulturpolitik durchaus möglich: "Die Stadt kann sagen, welchen Leuten man den verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern zutraut. Jemand, der es genehmigt, dass öffentliche Ressourcen zur privaten Bereicherung missbraucht werden, wird künftig kein Geld bekommen." Dabei spreche er in seiner Kritik nicht notwendigerweise von strafrechtlichen Tatbeständen, sondern davon, wie in einer von der Stadt Wien mit Millionen subventionierten Institution mit Steuergeldern, Mitarbeitern und der Kunst umgegangen werde: "Da müssen wir als verantwortliche Politiker der Stadt die Notbremse ziehen. Der Verein kann Matt auch nicht erlauben, dass er 200 km/h auf der Autobahn fährt."

Dabei sei man sich in der rot-grünen Regierung bis auf Detailfragen über eine neue Struktur bereits einig: "Es geht etwa noch darum, welche Personen es machen. Aber über die Frage einer interimistischen Leitung sind wir uns zum Beispiel schon einig." Deshalb sollte man es Matt ermöglichen, sich aus der Kunsthalle zurückzuziehen.

"Parteipolitische und persönlichen Motive"

Von Rücktritt war bei der Mitarbeiterversammlung am Mittwochvormittag allerdings nicht die Rede, wie es aus der Kunsthalle Wien hieß. Matt habe die Mitarbeiter darüber informiert, dass die von Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl eingebrachten Anzeigen von der Wirtschaftsprüfungskanzlei IB Hübner geprüft würden, dass die Gespräche mit der Stadt Wien über die Umwandlung in eine GmbH positiv verlaufen und dass auch die Mitarbeiter von KÖR bei der Trennung von der Kunsthalle übernommen werden. Was die Finanzierung durch die Stadt angeht, so geht Matt "davon aus, dass auch die Grünen nicht aus parteipolitischen und persönlichen Motiven einer so erfolgreichen Institution die Subvention verweigern". Außerdem habe Matt den neu formierten Betriebsrat begrüßt. (APA)

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