Ein Euro statt 60 Cent für 30 Minuten - Einjähriges Parkpickerl kostet dafür um 15 Euro weniger
Die rot-grüne Stadtregierung macht Ernst mit ihrem Kampf gegen
Parkplatzmangel, Feinstaubbelastung und Klimawandel. Vizebürgermeisterin
Maria Vassilakou (Grüne) und Verkehrssprecher Karlheinz Hora (SPÖ)
stellten am Mittwoch die neuen Tarife vor: Ab März 2012 wird 30 Minuten
Kurzparken einen Euro kosten (bisher 60 Cent), jede volle Stunde zwei
Euro.
Im Gegenzug wird das Parkpickerl für Bezirksbewohner um elf Prozent
billiger. Anstatt wie bisher 135 Euro im Jahr, wird dieses nur noch 120
Euro kosten. Die zusätzliche Verwaltungsabgabe von 58,99 Euro bleibt.
Der Jahrespreis für das Parkpickerl sinkt somit auf rund 179 Euro
jährlich.
Falschparker zahlen mehr
Die Pauschale für Lastfahrzeuge von Wirtschaftstreibenden wird von
jährlich 279,60 auf 249 Euro vergünstigt. Die Tagespauschale für
Servicebetriebe, Hotels und Vorführfahrzeuge wird von 4,60 auf 4,10 Euro
gesenkt. Wer hingegen ab März nächsten Jahres beim Falschparken erwischt
wird, muss mit 36 statt der aktuellen 21 Euro tiefer in die Tasche
greifen.
Auf die Frage, mit wie viel Mehreinnahmen die Stadt Wien durch die
vorgestellten Maßnahmen rechne, antwortete Hora, es werde wohl eine
"neutrale Geschichte". Studien und Erfahrungsberichte aus anderen
Städten würden zeigen, dass etwa durch höhere Strafen für Falschparken
ein "Erziehungseffekt" eintrete. Die eingenommenen Gelder aus den
Strafen werden übrigens sozialen Projekten zugeführt. Die Nettoerträge
aus den Parkgebühren können in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs,
oder den Bau von Garagen fließen.
Vassilakou betonte, der Stellplatzdruck werde um mindestens 25 Prozent
zurückgehen - "das ist genau jenes Maß, das Wien braucht, um Staus und
Platzmangel in den Griff zu kriegen und die Luftqualität zu verbessern."
An 52 Tagen in diesem Jahr wurden an zehn Messstellen die Grenzwerte für
Feinstaub überschritten. Die Höchstgrenze in der EU liegt jedoch bei 35
Tagen, das Wiener Limit sogar bei maximal 25 Tagen.
Das bedenkliche Ergebnis sei ein wichtiger Anstoß gewesen, um - in
Kombination mit den kürzlich präsentierten verbilligten Öffi-Tarifen _-
neue Maßnahmen zur Verkehrsreduktion in der Stadt einzuleiten. Zumal
drohten saftige Strafzahlungen, wenn Wien die Feinstaubwerte nicht in
den Griff bekommt. Auch die geplante Ausweitung der
Parkraumbewirtschaftung sei Teil des Konzeptes.
FPÖ ortet "Verarschung"
Vassilakou präsentierte einige Zahlen, die Autofahrer zum Umdenken
anregen sollen:_Jede zweite Autofahrt in Wien sei kürzer als fünf
Kilometer, also durchaus mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen.
Am Ring würden täglich 35.800 Autos fahren - mehr, als über den Brenner.
Die Rathaus-Opposition sowie der Autofahrerclub ÖAMTC kritisierten die
neue Tarife. Die Freiheitlichen sprachen gar von einer
"Autofahrer-Verarschung". Der Verkehrsclub Österreich wies darauf hin,
dass die Wiener im internationalen Vergleich auch weiterhin günstig
parken.
(Julia Herrnböck, DER STANDARD Printausgabe, 17.11.2011)
Europäische Preise im Vergleich:
| Stadt |
Preis pro Stunde |
| London |
6,00 Euro
|
| Amsterdam |
5,00 Euro
|
| Tallinn |
4,60 Euro
|
| Stockholm |
4,40 Euro
|
| Helsinki |
4,00 Euro
|
| Kopenhagen |
3,90 Euro
|
| Oslo |
3,70 Euro
|
| Paris |
3,60 Euro
|
| Berlin |
2,50 Euro
|
| Brüssel |
2,25 Euro
|
| Madrid |
2,10 Euro
|
| Wien |
2,00 Euro (ab März 2012)
|
| Bern |
1,80 Euro
|
| Riga |
1,70 Euro
|
| Lissabon |
1,60 Euro
|
| Budapest |
1,50 Euro
|
| Salzburg |
1,30 Euro
|
| Eisenstadt |
1,20 Euro
|
| Klagenfurt |
1,20 Euro
|
Graz
|
1,20 Euro
|
| Linz |
1,00 Euro
|
| Rom |
1,00 Euro
|
| Athen |
1,00 Euro
|
| Innsbruck |
1,00 Euro
|
| St. Pölten |
1,00 Euro |
| Bregenz |
1,00 Euro |
| Bratislava |
0,70 Euro
|