Döner ist gleich Türke

Leserkommentar2. Oktober 2012, 13:13
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mit Befremdung muss ich feststellen, dass (auch) der Standard "Döner-Morde" für die angemessene Bezeichnung der Taten des "Nationalsozialistischen Untergrunds" hält. Ich erlaube mir dazu aus einem Beitrag der deutschen Journalistin Ramona Ambs zu zitieren, der ihren RedakteurInnen dringend zur Lektüre empfohlen werden sollte:
"Wenn die Morde aber aus rassistischen Beweggründen geschehen und die Opfer teilweise türkischstämmig sind, dann spricht man hierzulande von "Dönermorden". Das bietet sich an, weil Türke und Döner ja quasi Synonyme sind. Zumindest für deutsche Journalisten. Dass die Opfer Kioskbesitzer, Schneider, Blumenhändler, Schlüsseldienstinhaber, Internetcafebetreiber oder gar Griechen waren, dass sie Namen hatten und Gesichter, spielt dabei keine Rolle. Alles Döner. Ist doch klar."
(http://www.publikative.org/2011/11/14/alles-doner-oder-was/)

Im sorglosen Umgang mit Begriffen wir diesen wird rassistischen Stereotypen Vorschub geleistet. Die damit verbundene Entmenschlichung der Opfer rechtsextremer Gewalt trägt zu einem Klima bei, in dem Neonazis - wie in dem "Bekennervideo" des NSU deutlich gemacht wird - darauf hoffen können, dass zumindest relevante Teile der "Mehrheitsgesellshaft" ihre Terrorkampagne mit klammheimlicher Freude verfolgen. (siehe den Screenshot aus dem Video: "Steh zu deinem Volk.
Steh zu deinem Land. Unterstütze den NSU."
http://www.publikative.org/wp-content/uploads/2011/11/nsu-screenshot_5.png).

Ich hoffe, dass diese Überlegungen in der Begriffspolitik ihrer Redaktion zukünftig eine Rolle spielen.

Mag. Benjamin Opratko ist Lektor am Insitut für Politikwissenschaft der Universität Wien

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