Frühere Angleichung kommt nicht in Frage

16. November 2011, 11:05
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Frauenvertreterinnen bringen Resolution ein - Verbesserung des Arbeitsmarktes für Frauen vorrangig

Wien - Die ÖGB Frauen lehnen eine vorgezogene Angleichung des Frauen-Pensionsantrittsalters vehement ab. Sie haben daher eine entsprechende Resolution gefasst und sie dem ÖGB-Bundesvorstand übergeben. "Wir lehnen eine Verschlechterung der gesetzlichen Bestimmungen ab", betonte ÖGB-Frauenvorsitzende Brigitte Ruprecht am Dienstagabend gegenüber Journalistinnen. Die Gleichstellung von Männern und Frauen sei noch nicht Realität, verwies sie etwa auf die nach wie vor auseinanderklaffende Einkommensschere.

Derzeitige Vereinbarung

Nach derzeitiger Rechtslage soll ab 2019 das Pensionsalter für vorzeitige Alterspensionen und ab 2024 die reguläre Alterspensionsgrenze jährlich um sechs Monate erhöht werden, um das Antrittsalter der Frauen an jenes der Männer anzugleichen. Dies sei 1992 allerdings in der Annahme beschlossen worden, dass die Gleichstellung bis dahin umgesetzt ist. Davon sei man aber weit entfernt, drängt Ruprecht auf das Schließen der Einkommensunterschiede und die Verringerung der Mehrfachbelastung für Frauen.

Neue Probleme am Arbeitsmarkt

"Eine vorgezogene Angleichung des Antrittsalters würde zusätzliche Problemfelder, besonders am Arbeitsmarkt, aufwerfen. Für viele Frauen würde es keine finanziellen Vorteile bringen", so die ÖGB-Frauenchefin. Sie rechnet etwa mit "großen Auswirkungen" auf die Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen und mit einem Verdrängungseffekt auf die Erwerbschancen Jüngerer.

Zwangspensionierungen "Einzelfälle"

Argumente wie etwa jenes, dass Frauen durch die frühere Pensionierung um Karrierechancen gebracht werden, lässt Ruprecht nicht gelten. Auch würde es sich etwa bei Zwangspensionierungen nur um Einzelfälle handeln. Zunächst gehe es darum, dass Frauen gut bezahlte Arbeitsplätze vorfinden. Sie verwies darauf, dass der Unterschied beim tatsächlichen Pensionsantrittsalter nur 1,4 Jahre (bei Frauen 57,5, Männer 58,9 Jahre) liege. Zudem werde die Frühpension vorwiegend von Männern in Anspruch genommen.

Auch bei der Pensionshöhe bestehe eine große Diskrepanz. Während Männer auf eine monatliche Pension von im Schnitt 1.288 Euro kommen, beläuft sich diese bei Frauen lediglich auf 786 Euro. Zwar befinden sich Frauen mit durchschnittlich 27,5 Jahren länger in Pension als Männer mit einer Bezugsdauer von 22,5 Jahren, auf Basis einer einfachen Berechnung kämen Frauen dadurch allerdings auf insgesamt 302.610 Euro in dieser Zeit, Männer jedoch auf 405.720 Euro.

Ruprecht pocht deshalb darauf, die Ungerechtigkeiten bereits im Erwerbsleben zu beseitigen. Die Resolution der ÖGB-Frauen gegen das frühere Angleichen des Pensionsantrittsalters sei über alle Fraktionen hinweg beschlossen worden und soll im ÖGB-Bundesvorstand in zwei Wochen diskutiert werden. Laut Ruprecht gebe es keine Diskrepanzen bei den Positionen. (APA)

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    ÖGB-Frauenvorsitzende Brigitte Ruprecht hält Zwangspensionierungen von Frauen für die Ausnahme.

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