Zum Nachteil der Konkurrenz: Dass sich der Status des Favoriten nicht in der Topfeinteilung für die Auslosung niederschlägt
Hamburg/Wien - Australien bestätigte gleichsam die Regel - am 29. März
unterlag die deutsche Fußballnationalmannschaft bzw. deren zweiter Anzug
den Aussies in Mönchengladbach und in aller Freundschaft mit 1:2. Es
sollte die einzige Niederlage des Länderspieljahres bleiben, das die
Truppe von Joachim Löw am Dienstagabend in Hamburg äußerst würdig mit
einem 3:0 über Vizeweltmeister Niederlande abschloss.
Die Bilanz 2011 - neun Siege, drei Remis, eine Niederlage sowie
Abschluss der EM-Qualifikation ohne Punktverlust -, vor allem aber die
Art und Weise, wie seine Auswahl in der Mehrzahl der Spiele die Gegner
beherrschte, stimmen Löw für 2012 und also für die EM zuversichtlich.
Da spielt es gar keine Rolle, dass, den Gesetzen des Events folgend, die
Gastgeber Polen und Ukraine für die Auslosung (2. Dezember, Kiew) in
Topf 1 ruhen, Deutschland aber den Setzungskriterien nach hinter
Titelverteidiger Spanien und den Niederlanden gereiht ist und daher mit
einem Platz in Topf 2 vorliebnehmen muss. Deutsche Medien malen den
Teufel an die Wand, spekulieren mit einer mit Titelverteidiger Spanien,
Deutschland, Portugal und Frankreich gespickten Vorrundengruppe für die
EM, die am 8. Juni anhebt. Dabei scheint es undenkbar, dass Deutschlands
Elitefußballer selbst in dieser Konstellation nicht als Gruppenerste
oder allenfalls -zweite ins Viertelfinale einziehen.
Fürchten müssten sich da eher alle anderen. Auch Titelverteidiger
Spanien, der zwar in der Quali ebenfalls ohne Fehl blieb, gleichwohl
seit dem WM-Triumph in Südafrika ein wenig außer Tritt gekommen scheint
und daher ungewohntem Tadel ausgesetzt ist. Das jüngste 2:2 in Costa
Rica bescherte zwar Goalie Ilker Casillas den Status "alleiniger
Rekordspieler Spaniens" (127 Partien), der Seleccion insgesamt
allerdings Watschen. Von einer "historischen Lachnummer, die man nicht
so schnell vergessen wird", schrieb El Pais. "Vicente, wir haben ein
Problem", mahnte die Marca Coach Del Bosque.
Kollege Bert van Marwijk hätte nach dem Hamburger Abend ("Das war für
uns ein peinliches Spiel") in der Substanz Ähnliches in den Gazetten
seines Landes lesen können. "Keine Leidenschaft, keine Qualität und
keine Disziplin", fand de Volkskrant in der Elftal. "Deutschland war ein
harmonisches Orchester, die Niederlande eine angetrunkene Blaskapelle
ohne Dirigenten."
"Heute kann man gute Mannschaften nur schlagen, wenn man spielerisch
besser ist und nicht aggressiver", sagte Löw und erinnerte damit an die
Lehren aus dem WM-Finale des Vorjahres, das die Niederlande gegen
Spanien auch mit Bemühungen am Rande der Brutalität nicht gewinnen
konnten. Nach Toren, wie sie Thomas Müller, Miroslav Klose und Mesut
Özil am Dienstag schossen (Müller: "Die kann man ins Lehrbuch tun"), ist
ein gewisser Überschwang erlaubt. (APA, lü)
Die Rangliste des europäischen Fußball-Verbandes (UEFA) ergibt für die EM-Auslosung folgende Setzung:
Topf 1: Ukraine (Gastgeber), Polen (Gastgeber), Spanien, Niederlande
Topf 2: Deutschland, Italien, England, Russland
Topf 3: Kroatien, Griechenland, Portugal, Schweden
Topf 4: Dänemark, Frankreich, Tschechien, Irland
Gewichtung bei der Erstellung der maßgeblichen Rangliste: Punkte in der EM-Qualifikation für 2012 (40 Prozent), Punkte in der WM-Qualifikation für 2010 und bei der WM-Endrunde (40 Prozent), Punkte in der EM-Qualifikation für 2008 und bei der EM-Endrunde (20 Prozent)