Assassin's Creed Revelations: Abschied mit lachendem und weinendem Auge

Kritiker sehen vierten Teil vor allem als Fan-Werk

Zwischen all den Shootern hat sich die Serie "Assassin's Creed" zum einzigartigen Juwel herauskristallisiert. Neben "Uncharted" und "Batman" gehört die Franchise zu den beliebtesten neuen Action-Adventure-Franchises dieser Konsolengeneration. Ein Umstand, der Hersteller Ubisoft dazu verleitet hat, mittlerweile jedes Jahr ein neues Kapitel aufzuschlagen. Im Eiltempo werken in Spitzenzeiten bis zu 400 Entwickler und Designer daran, die Geschichte der Assassinen und deren Kampf gegen die Templer weiterzustricken. Der nun erschienene vierte Teil "Assassin's Creed Revelations" verspricht zumindest ein vorläufiges Finale und den Weg der Protagonisten Altair und Ezio zu einem Ende zu bringen. Ein Bestreben, das die Kritiker en gros positiv stimmt, wenngleich zum Abschied von Euphorie nicht mehr viel zu vernehmen ist.

Konstantinopel

Die Zeitreise des Hauptcharakters Miles Desmond verschlägt einen dieses Mal in die Anfänge des 16. Jahrhunderts. Angeschlagen von den Ereignissen des vorangegangenen Kapitels in einem geschützten Bereich der Zeitmaschine Animus verwahrt, schlüpft Desmond abermals in die Rolle Ezio Auditore da Firenzes. Auf der Suche nach Antworten bricht er in das Heimatland seiner Vorfahren auf und reist nach Masyaf, um die verlorene Bibliothek des legendären Altaïr Ibn La'Ahad zu finden. Allerdings wird er dort nicht wie ein Held empfangen. Die Stadt wurde von Templern überrannt, die ebenfalls nach dem Eingang zur Bibliothek suchen, weil darin ein mächtiges Artefakt und geheime Informationen über den Assassinenorden verborgen sein sollen. Mit diesem Artefakt würden die Templer über genug Macht verfügen, um nicht nur die Assassinen zu vernichten, sondern das Schicksal der gesamten Menschheit zu kontrollieren.

Fünf Schlüssel werden benötigt, um die Bibliothek zu öffnen, alle an unterschiedlichen Orten in der riesigen Stadt Konstantinopel versteckt - einer ausgedehnten Stadt an der Grenze zwischen zwei Kontinenten und Heimat von Templern, Assassinen und osmanischen Janitscharen. Mit jedem Schlüssel, den Ezio findet, verschafft er sich nicht nur einen Vorteil gegenüber seinen Feinden, sondern auch eine Gelegenheit, in die Fußstapfen des legendären Altaïr zu treten, indem er einschneidende Momente aus dem Leben dieses Meisterassassinen nacherlebt. Was für Ezio als Pilgerreise begann, wird zu einem Rennen gegen die Uhr und gegen die Templer, die ebenfalls nach den Schlüsseln suchen.

Alter Fuchs mit neuen Tricks

Ezio ist sichtlich gealtert, hat aber über die Jahre neue Fertigkeiten erlernt. Dem Spielprinzip rund um das lautlose Ausschalten feindlicher Templer ist man treu geblieben. Zur rascheren Fortbewegung über Häuserdächer trägt Ezio nun eine Hakenklinge mit sich. So kann er etwa Seile hinabgleiten oder sich elegant über Hindernisse schwingen. Für die Offensive hat er sich die Kunst des Bombenbauens angeeignet. Dadurch kann man sich aus den verschiedensten Komponenten Sprengstoff basteln und diesen zur Abwehr von Gegnern einsetzen. In Altairs Missionen zur Bergung der Schlüssel muss man wiederum Plattform-Rätsel aus der Egoperspektive lösen - leicht inspiriert von "Portal". Konstantinopel schenkt in seiner Größe einem alle Freiheiten der Fortbewegung auch über das Wasser. Die zu meisternden Angriffstechniken lassen sich schließlich ein weiteres Mal im Kampf gegen andere Spieler online auf die Probe stellen.

Kulturbegeistert

Besonderes Lob sprechen die Kritiker vor allem abermals den Level-Designern aus. Das virtuelle Konstantinopel erfreue durch seine weitläufige Schönheit ebenso, wie durch die Liebe zum Detail. Von den Fassaden der Häuser bis zu den farbenfrohen Kostümen der Bewohner sprühe es vor Authentizität. "Was Revelations am besten macht, ist es einen in eine fabelhafte Stadt zu entlassen, in der man über Häuserdächer jagt und bei wundervollem Ausblick und mitreißender Musik in ein anderes Leben, ein anderes Jahrhundert entschwindet", meint Gamespot. Negativ fallen den Testern die "nicht mehr übersehbaren" Alterserscheinungen auf. Dies spiegele sich einerseits oberflächlich in der Grafik wieder und andererseits merke man, dass Revelations spielerisch mehr Variation als Innovation mit sich bringe. Es fehle schlicht an grundlegenden neuen Gamplay-Elementen, die die Vorgänger bislang immer von einander unterschieden. "Während Brotherhood den Nervenkitzel, Ezio Auditore zu sein, erweiterte, lenkt Revelations davon ab. Ezio mag alt aussehen, dabei ist es die Serie selbst, die gealtert ist", schreibt Eurogamer.

Für Fans

Revelations scheitere "in dem Versuch mehr Variation und eine eigene Identität zu finden". "Dennoch bietet das Spiel mehr von dem, was die Serie bisher auszeichnete und das sollte genug sein, um die meisten Fans für sich zu gewinnen", schließt Game Informer. Wer die Serie vorher nicht kannte, sollte jedoch zunächst die früheren Abenteuer spielen. "Für neue Spieler ist es ein schlechter Einstiegspunkt". Zumindest PS3-Spieler können sich angesichts dessen über einen exklusiven Bonus freuen: Auf der Blu-ray befindet sich neben dem neuen Werk auch der erste Teil. Aber auch auf das nächste "große Kapitel" müsse man zumindest laut Ubisoft nicht lange warten. Bereits 2012 stünde die nächste Zeitreise an. (zw)

Assassin's Creed Revelations ist für PS3 und Xbox 360 erschienen. Sagen Sie uns ihre Meinung!

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