Deutlich mehr Frühgeborene überleben

  •  In Österreich liegt 
die Rate der Frühgeborenen bei 11,1 Prozent.
    foto: meduni wien

    In Österreich liegt die Rate der Frühgeborenen bei 11,1 Prozent.

Weltweit wird jedes zehnte Kind zu früh geboren - Innovative Behandlungsmethode reduziert Notwendigkeit der künstlichen Beatmung

Wien - Weltweit ist jedes zehnte Kind ein Frühgeborenes. An der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni Wien am AKH ist es gelungen, die Überlebenschance sehr früh geborener Kinder zwischen der 23. und 27. Schwangerschaftswoche auf über 80 Prozent anzuheben. Dies ist auf eine innovative Behandlungsmethode bei der Erstversorgung extrem unreifer Frühgeborener zurückzuführen, sagten Angelika Berger und Arnold Pollak von der Kinderklinik der MedUni Wien anlässlich einer Pressekonferenz zum internationalen Tags des frühgeborenen Kindes am 17. November.

In Österreich liegt die Rate bei 11,1 Prozent, 1990 waren 8,1 Prozent vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen. Die Anzahl der Lebendgeborenen hat im selben Zeitraum jedoch von 90.454 auf 76.344 abgenommen. Rund 8.000 Babys werden also jährlich in Österreich vor dem errechneten Termin geboren.

Im Jahr 2010 wurden am AKH Wien 92 Kinder versorgt, die zwischen der Schwangerschaftswoche 23 und 27 geboren wurden, also um bis zu 17 Wochen zu früh. Pollak: "Das ist eine sehr hohe Zahl. Im deutschsprachigen Raum gibt es kein zweites Zentrum, das eine derartige Anzahl extrem unreifer Frühgeborener versorgt." Groß ist auch der Ressourceneinsatz bei der Frühgeborenen-Betreuung - personell wie finanziell.

Neues Konzept zur Erstversorgung

In der der Abteilung für Neonatologie, Pädiatrische Intensivmedizin und Neuropädiatrie am Wiener AKH wird seit zwei Jahren ein in Köln entwickeltes Konzept für die Erstversorgung extrem unreifer Frühgeborener eingesetzt. Dabei wird die lebensnotwendige Substanz Surfactant ohne Notwendigkeit der künstlichen Beatmung am spontan atmenden Kind verabreicht. Surfactant ist eine emulgierende, oberflächenaktive Substanz, die hilft, die Lungenbläschen (Alveolen) offen zu halten. Eine ausreichende körpereigene Surfactantbildung beginnt erst etwa mit der 28. Schwangerschaftswoche, ab der 34. Woche wird die Substanz in den meisten Fällen in ausreichenden Mengen produziert.

Kein Intubieren und Beatmen

Die Gabe von Surfactant erfolgt mit dieser Methode schonend über eine dünne Sonde am spontan atmenden Kind. Bisher mussten die unreifen Neugeborenen zur Verhinderung eines so genannten Atemnotsyndroms, Folge eines Mangels an körpereigenem Surfactant, intubiert und beatmet werden. "Die meisten selbst der unreifsten Kinder schaffen es, nach dieser Surfactantgabe, selbständig ausreichend zu atmen - ohne Notwendigkeit einer künstlichen Beatmung", sagt Angelika Berger, interimistische Leiterin der Abteilung für Neonatologie, Pädiatrische Intensivmedizin und Neuropädiatrie der MedUni.

Weniger Folgekomplikationen

Durch den Einsatz der neuen Methode an der MedUni Wien ist die Überlebensrate von Kindern, die 17 bis 13 Wochen vor dem geplanten Geburtstermin geboren werden, auf über 80 Prozent angestiegen. Das ist international betrachtet ein absoluter Spitzenwert, wie die Statistik des "Vermont Oxford Networks", eines Netzwerk von hunderten Neonatologien weltweit, zeigt. Einen positiven Zusatzeffekt betont Arnold Pollak, Vorstand der Univ. Klinik f. Kinder- und Jugendheilkunde: "Auch die aus der Beatmung resultierenden Folgekomplikationen wie chronische Schäden an der Lunge oder im Gehirn konnten mit der neuen Methode verringert werden."

Kein Recht auf Nachsorge

Zwar gibt es an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde an der MedUni Wien eines der umfangreichsten und genauesten Nachsorgeprogramme, aber es gibt kein Recht des Frühgeborenen auf eine standardisierte Nachsorge, ähnlich den Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen. "Dabei gibt es ein Konsenspapier der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, in dem ganz exakt festgehalten ist, was die Nachsorge leisten sollte. Derzeit hängt sehr viel vom persönlichen Engagement der Klinikleitung ab - auch nach der Entlassung des Kindes", betont Berger. Die Nachbetreuung dieser Kinder sei aber teilweise bis ins Volksschulalter und darüber hinaus nötig, so die Neonatologin.

Derzeit befindet sich ein Elternverein in Gründung, der als Anlaufstelle für Familien mit Frühgeborenen dienen soll. Die Initiative "Eltern für Frühgeborene" ist im Internet unter www.eine-handvoll-leben.at erreichbar. (red)

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