Moody's könnte Bank Austria abstufen

16. November 2011, 11:43
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Langfrist- und Kurzfrist-Rating für Einlagen und Verbindlichkeiten betroffen

Wien - Die Ratingagentur Moody's prüft nun auch das A2-Langfrist- und Prime-1-Kurzfrist-Rating für Einlagen und Verbindlichkeiten der Bank Austria auf eine mögliche Abstufung. Diese Entscheidung folge der Ankündigung von Moody's, das eigenständige C-Finanzstärke-Rating (BFSR) der Bank Austria und das A2 Langfrist-Rating der italienischen UniCredit, dem Mutterkonzern der Bank Austria, auf eine Abstufung zu überprüfen, teilte Moody's am Mittwoch mit. Eine Überprüfung zwecks Herabstufung des UniCredit-Ratings hatte die Ratingagentur heute bereits angekündigt.

Die Ratings der Schuldverschreibungen der Bank Austria und der Hybrid-Papiere, die durch BA-CA Finance ausgegeben wurden, wurden ebenfalls zur Überprüfung auf eine Herabstufung gesetzt.

Moody's geht davon aus, dass die Überprüfung der Bank Austria-Ratings abgeschlossen werden kann, sobald die neuen Ratings des Mutterkonzern UniCredit vorliegen werden.

Zahlen der Bank-Austria-Mutter als Hauptgrund

Der Grund, dass sich die Ratingagentur Moody's nun die Überprüfung einige Einstufungen der Bank Austria vornimmt, ist die Veröffentlichung der schwachen Quartalszahlen der UniCredit-Gruppe von Montag dieser Woche und damit zusammenhängend auch die Überprüfung des Kredit- und Langfrist-Ratings des übergeordneten Mutterkonzerns UniCredit, teilte Moody's am Mittwoch weiter mit.

Das C-Finanzstärkerating (BFSR) des italienischen Mutterkonzerns, das einem Baa1 auf der Langfrist-Ratingskala entspreche, diene dabei als Referenzpunkt für die Bewertung der Unterstützung durch den Leitkonzern, das auch in das Langfrist-Rating der Verbindlichkeiten der Bank Austria eingeflossen sei, erläutert die Ratingagentur. Die Überprüfung zwecks Herabstufung der UniCredit habe somit auch die Überprüfung des Langfrist-Ratings der Einlagen und Verbindlichkeiten der Bank Austria nach sich gezogen. Diese würden derzeit von der Unterstützung des Mutterkonzerns im Ausmaß von einem Punkt profitieren. Das Ausmaß der bisherigen Unterstützung könnte nun durch die Herabstufung des eigenständigen Kreditprofils der UniCredit unter Druck geraten.

Zusätzlich könnten die Ratings der Einlagen und Verbindlichkeiten der Bank Austria unter der zum Stillstand gekommenen wirtschaftlichen Erholung in verschiedenen osteuropäischen Ländern leiden, was in substanziellen und über den Erwartungen liegenden Kreditkosten resultieren könnte. Weiters könnten die Ratings unter einem längeren Zeitraum mit schwachen Erträgen und geringer interner Kapitalgenerierung sowie geschwächter Kapitalisierungsquoten als Resultat wachsender risikogewichteter Vermögensteile leiden.

Auch könnten die Ratings herabgestuft werden, falls Moody's zur Ansicht kommt, dass die systemische Unterstützung für die Bank Austria sich verschlechtert - dies sei aber innerhalb der absehbaren Zukunft unwahrscheinlich, schränkt die Ratingagentur selbst ein.

Gründe, die sich positiv auf die Langfrist-Ratings auswirken könnten, sieht die Ratingagentur derzeit keine. Auch für das Finanzstärke-Rating, das durch einen positiven Ausblick unterstützt wird, kann Moody's nur wenig Aufwärtspotenzial ausmachen.

UniCredit-Chef hofft auf neue Regierung

UniCredit-Chef Federico Ghizzoni vertraut in einen Neustart Italiens mit der neuer Übergangsregierung unter der Führung des früheren EU-Kommissars Mario Monti. "Eine neue Regierung ist für Italien sehr wichtig. Wenn in sechs bzw. 12 Monaten die Zinssätze nicht sinken, ist die Gesundheit der Banken und der Unternehmen gefährdet", sagte der Chef der italienischen Bank-Austria-Mutter im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica".

Kapitalerhöhung spült Geld in Investmentbanken

Die geplante Mega-Kapitalerhöhung, die auch ansteht, wird für die italienische Bank-Austria-Mutter UniCredit laut einem Zeitungsbericht ein teures Unterfangen. Die Gebühren für die beratenden Investmentbanken liegen bei 2,5 bis 3 Prozent, wie die "Financial Times" unter Berufung auf einen hochrangigen Banker berichtet. Bei ihren beiden Kapitalerhöhungen nach der Finanzkrise 2009 hatte die Bank lediglich 1 bis 1,75 Prozent bezahlt.

Die neuerliche Kapitalerhöhung soll 7,5 Mrd. Euro frisches Geld in die Kasse spülen und so den Befreiungsschlag für UniCredit bringen. Zunächst müssen die Aktionäre aber im Dezember dem für sie schmerzhaften Schritt bei einer Hauptversammlung zustimmen. Die UniCredit hat einen besonders großen Kapitalbedarf: Die europäische Bankenaufsicht EBA hatte zuletzt bei der Bank einen Kapitalbedarf von 7,4 Mrd. Euro ausgemacht - den größten aller italienischen Institute.

Bei der Kapitalerhöhung lässt sich UniCredit von praktisch allen Instituten beraten, die im Investmentbanking Rang und Namen haben, beraten. Angeführt wird das Konsortium von der Bank of America, Merrill Lynch, Mediobanco und der UniCredit selbst. Weiterhin gehört auch die Deutsche Bank zum Beraterkreis.

Die Kapitalerhöhung gilt als entscheidender Schritt angesichts der Staatsschuldenkrise. "Das ist der wichtigste, systemrelevante Deal, an dem jeder von uns bisher gearbeitet hat", zitierte die Zeitung einen Investmentbanker. "Wir haben keine Illusionen über die Herausforderung." Sollten die neuen Aktien nicht alle am Markt veräußert werden können, müssten die beteiligten Investmentbanken die Papiere in ihre Bücher nehmen. Das könnte für sie eine neue Verlustquelle werden. Bei der UniCredit ist man dennoch optimistisch: Aus dem Umfeld der Bank verlautete, das bereits rund 70 Prozent der Aktionäre bei der Kapitalerhöhung mitziehen wollten. (APA)

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