Kapitalbedarf der Groß­banken steht freitags fest

16. November 2011, 12:11
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EBA wird Bedarf von Raiffeisen und Co veröffentlichen, Deutsche fürchten sich vor Derivaten

London/Frankfurt/Hamburg - Der zusätzliche Kapitalbedarf der 70 größten europäischen Banken im Zuge der Euro-Schuldenkrise soll Insidern zufolge am Freitag veröffentlicht werden. Dann wolle die europäische Bankenaufsicht EBA den Bedarf auch für die einzelnen Institute veröffentlichen, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen aus der Bankenbranche. Nach vorläufigen Daten sind nur vier der 13 größten deutschen Geldhäuser betroffen, denen insgesamt 5,2 Mrd. Euro fehlen. Europaweit hatte die EBA die Lücke auf 106 Mrd. Euro beziffert, die die Banken schließen müssen, um mit den Folgen der Euro-Schuldenkrise fertig zu werden.

Auch für drei österreichische Institute wird die EBA Zahlen veröffentlichen: Für die Erste Group, die Raiffeisen Zentralbank (RZB) bzw. Raiffeisen Bank International (RBI) und - mit Einschränkungen - für die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG).

Die letzten EBA-Berechnungen hatten auf den Geschäftszahlen und dem Staatsanleihen-Bestand der Banken Ende Juni basiert, der endgültige Bedarf sollte auf Grundlage des dritten Quartals berechnet werden. Viele Banken haben den Sommer genutzt, um ihre Staatsanleihen vor allem aus den Euro-Peripheriestaaten abzubauen. Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger hatte vergangene Woche gesagt, sie erwarte für die deutschen Institute keine gravierenden Änderungen.

EBA-Chef Andrea Enria sagte am Dienstag in Frankfurt, er erwarte die endgültigen Zahlen noch im November. Dann sollen auch Regeln veröffentlicht werden, nach denen die Banken zur Deckung des akuten Kapitalbedarfs zum Teil auch Fremdkapital emittieren können, das sich im Krisenfall in Eigenkapital verwandelt ("CoCo-Bonds") und damit Verluste mittragen kann. Die Kriterien dafür sind noch umstritten. Enria sagte, er hoffe auf eine Lösung dafür in den nächsten Tagen. "Wir kommen dem näher. Aber wir werden das komplette Paket zur gleichen Zeit veröffentlichen", sagte er am Rande eines Bankenkongresses.

Derivate als Zusatzproblem

Bei dem für etwaige Ausfälle von Staatsanleihen benötigten "Krisenpuffer" wird auch auf die Derivate auf Verbindlichkeite gedacht. Diese Finanzinstrumente seien dabei das größere Problem als die Schulden, sagte der Chef der Bankenaufsicht bei der deutschen Finanzaufsicht BaFin, Raimund Röseler, der "Financial Times". "Die sekundären Effekte sind nicht mehr mit Sicherheit zu kalkulieren, das macht uns am meisten Sorgen", ergänzte er.

Vor allem die Derivate seien schwer einzuschätzen. Diese Papiere bilden den Kurs eines anderen Wertpapiers ab, etwa einer Aktie oder eines Staatsschuldentitels. "Die Derivatepositionen betragen oft ein Vielfaches der zugrundeliegenden Kredite", sagte Röseler. Die Europäische Bankenaufsicht EBA und die nationalen Finanzaufseher fragten deshalb derzeit verstärkt Daten zu Kreditderivaten ab, um einen Überblick über die Situation zu erhalten. "Das Problem ist, dass man die Wirkungsketten nicht mehr im Griff hat, wenn ein Gläubiger ausfällt", sagte Röseler der Zeitung.

Entwicklungsbank arbeitet an Banken-Notfallplan für Osteuropa

Die Europäische Entwicklungsbank EBRD arbeitet an einem Notfallplan für Osteuropa, um ein Übergreifen der Schuldenkrise in diese Länder zu verhindern. Die in London ansässige EBRD habe mit Banken und Behörden Gespräche aufgenommen, damit ihnen nicht der Geldhahn abgedreht werde, berichtet "Die Presse". "Wir denken, dass eine Koordination äußerst wichtig ist", wird EBRD-Chef Erik Berglof zitiert.

Einen ähnlichen Plan hatte es schon 2008 gegeben. Damals verpflichteten sich westeuropäische Banken in der "Wiener Inititative" dazu, kein Geld aus Osteuropa abzuziehen.

Österreichs Großbanken, die in Osteuropa mit 22 Prozent Marktanteil die Marktführerschaft inne haben, seien von der möglichen Neuauflage der "Wiener Initiative" noch nicht kontaktiert worden, schreibt die Zeitung. Diese fühlten sich aber ohnehin nicht angesprochen, weil sie kein Kapital abziehen wollten. Eine Plattform, auf der sich Banken koordinieren, sei aber sinnvoll, so ein Banken-Sprecher.

Laut Berglof ist die jetzige Situation aber nicht mit 2008 vergleichbar, weil diesmal das "grenzüberschreitende" Banking betroffen sei. Die EBRD wolle mit der neuen Initiative sicherstellen, dass die von der Bankenaufsicht angeordneten Kapitalisierungsmaßnahmen für westeuropäische Banken nicht auf Kosten der Töchter in Osteuropa gehen. (APA)

  • Wie viel Geld müssen die Banken ziehen?
    foto: standard/corn

    Wie viel Geld müssen die Banken ziehen?

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