Schwierige Kandidatensuche bei US-Republikanern

16. November 2011, 06:46
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"Mr. Republican" müsste Parteibasis und Wählerklientel darüber hinaus gewinnen

Washington - Der republikanische Kandidat, der die besten Aussichten hat, US-Präsident Barack Obama im kommenden Herbst zu schlagen, hat keinen Namen und kein Gesicht. Seine Positionen sind irgendwie konservativ, auf jeden Fall würde er eine andere Politik machen als Obama, dem wegen der miesen Wirtschaftslage der Groll der Wähler entgegenschlägt. Dieser "generische Kandidat" ist ein Kunstprodukt der Meinungsforscher, die in ihren Erhebungen auch danach fragen, wie Obama grundsätzlich gegen einen Republikaner abschneiden würde. In den meisten Fällen liegt "Mr. Republican" vorne.

Bekommt der Kandidat nun ein Gesicht, fragen die Institute also nach einem Duell zwischen Obama und Mitt Romney, Rick Perry oder Herman Cain, dann kann der Präsident trotz dürftiger Zustimmungswerte weiter auf eine zweite Amtszeit hoffen. Die Republikaner, die in weniger als zwei Monaten ihre Kandidatenkür mit der Vorwahl in Iowa offiziell beginnen, tun sich schwer bei der Suche nach einem geeigneten Obama-Herausforderer.

Rechtsruck

Die Partei steht vor einem Dilemma: Sie will Obama aus dem Weißen Haus jagen. Allerdings haben sich ihre politischen Koordinaten nicht zuletzt unter dem Einfluss der Tea-Party-Bewegung so weit nach rechts verschoben, dass sich die Mitte der Gesellschaft mit den Positionen kaum identifizieren kann. "Ihre Köpfe sagen ihnen, dass sie Mitt Romney nominieren sollten - aus dem einfachen Grund, dass er wahrscheinlich die beste Chance gegen Obama hat", sagt der Historiker Allen Lichtman von der American University in Washington. "Aber die republikanische Basis glaubt Romney nicht, dass er einer von ihnen ist, und sie vertraut ihm nicht, ihre Werte zu repräsentieren, wenn er Präsident ist."

Romney, der sich bereits 2008 erfolglos um die republikanische Kandidatur beworben hatte, hängt der Ruf eines Opportunisten an, der seine Überzeugungen flexibel den politischen Interessen anpasst. Gerade bei Themen wie Abtreibung, Homosexuellen-Rechten und Waffengesetzen, die der konservativen Klientel am Herzen liegen, vertrat er noch vor einigen Jahren eine eher liberale Haltung.

Glaube nicht geheuer

Als Gouverneur verordnete Romney seinem Staat Massachusetts ein neues Gesundheitssystem - das der im vergangenen Jahr verabschiedeten Gesundheitsreform von Obama, die er nun verteufelt, sehr ähnelt. Dazu kommt der mormonische Glaube des 64-Jährigen, der vor allem den republikanischen Stammwählern aus den Reihen der evangelikalen Christen nicht geheuer ist.

Die Unzufriedenheit mit dem vermeintlich aussichtsreichsten Bewerber spiegelt sich in den parteiinternen Umfragen wieder. Romney liegt zwar seit Monaten beständig mit knapp 25 Prozent ganz weit oben im republikanischen Feld, doch die verbleibenden drei Viertel der Wähler scheinen offenbar gewillt, alle möglichen Kandidaten zu unterstützen - nur nicht Romney.

Newt Gingrich

Im Sommer hatte die Tea-Party-Ikone Michele Bachmann ihren Höhenflug in den Umfragen, dann folgte Rick Perry. Der texanische Gouverneur schoss nach seinem späten Einstieg ins Nominierungsrennen im August sofort an Romney vorbei an die Spitze, nur um nach schwachen Auftritten in TV-Debatten wieder zurückzufallen. Zuletzt leistete er sich einen Patzer, als ihm vor laufender Kamera der Name einer Bundesbehörde nicht mehr einfiel, die er unbedingt abschaffen will.

In den vergangenen Wochen kam dann Herman Cain die Rolle des Shooting-Star zu, der einst ein Pizza-Unternehmen vor dem Bankrott bewahrte und sich nun für die größte Volkswirtschaft der Welt Ähnliches zutraut. Mittlerweile ist auch er beschädigt durch Vorwürfe sexueller Belästigung und offenkundlich fehlendes Fachwissen. Cain, schrieb das Magazin der "New York Times" kürzlich, scheine wie jemand, der noch nie in seinem Leben eine Zeitung geöffnet habe. Am Montag stolperte er über die einfach Frage, wie er zu Obamas Libyen-Politik stehe.

Mittlerweile sehen die Meinungsforscher einen Aufstieg von Newt Gingrich, der in den 90er Jahren als Chef des Repräsentantenhauses der große republikanische Widersacher von Ex-Präsident Bill Clinton war. In einer aktuellen CNN-Umfrage liegt Gingrich Kopf-an-Kopf mit Romney an der Spitze - noch. (APA)

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