New Yorker Occupy-Demonstranten kehren in Park zurück

16. November 2011, 16:35
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Gericht verbietet Camping - Menschen dürfen nur ohne Zelte und Schlafsäcke das Areal betreten

New York - Die Occupy Wall Street-Bewegung gibt nicht auf. Zwar standen am Mittwoch keine Zelte mehr im New Yorker Zuccotti Park, dennoch verbrachten mehrere Dutzend Demonstranten die erste Nacht nach der großen Räumungsaktion auf dem Gelände mitten im Finanzbezirk - unter freiem Himmel, auf nackten Betonbänken, und das bei Nieselregen. Andere fanden nach Angaben des Senders NBC Unterschlupf im Gemeinderaum der Middle Collegiate Kirche im nahen Stadtteil East Village.

Hunderte Demonstranten waren am späten Dienstagabend (Ortszeit) in den von der Polizei geräumten Park zurückgekehrt. Zuvor hatte ein Gericht entschieden, dass die Demonstranten in dem Park nicht campieren dürfen. So durften keine Zelte und Schlafsäcke mitgenommen werden. Die Polizei kontrollierte am Eingang Rucksäcke und Taschen. Wer sein Nachtquartier dabei hatte, wurde abgewiesen.

Schlafen im Stehen

Ein paar der sichtlich erschöpften Demonstranten versuchten, an die dünnen Bäume gelehnt, ein wenig Schlaf zu bekommen; andere legten den Kopf auf Taschen oder Pullis. Die am Rande stehenden Polizisten beobachteten das Szenario mit finsterer Miene. "Ein Lager wird nicht geduldet", warnte ein Beamter.

Die Demonstranten riefen Durchhalteparolen und wurden von Protestchören lautstark unterstützt. Die Protestschilder waren zum Schutz vor der Nässe in Plastik gepackt, einige Leute trugen Regenjacken, ein paar Regenschirme ragten aus der Menge heraus.

"Wir geben nicht auf, wir bleiben", lautete die Ansage. Ob dies auch für die nächsten Nächte gelten oder gemeinschaftlich in Gemeindehallen umgezogen werden sollte, war am Mittwoch noch unklar. Nachdem die Protestler aus dem Zuccotti Park vertrieben worden waren und die Polizei ihre Zeltstadt niedergerissen hatte, blieb die Suche nach einer neuen Dauerbleibe letztlich erfolglos.

Die Occupy-Bewegung hatte sich Mitte September im Zuccotti Park niedergelassen, um gegen die Macht der Banken und soziale Ungerechtigkeiten zu protestieren. Bürgermeister Michael Bloomberg hatte den Park nahe der Wall Street nach langem Hin und Her schließlich räumen lassen - wegen Sicherheitsbedenken, wie er sagte.

Das Anliegen der Demonstranten, mit Sack und Pack in den Park zurückkehren zu dürfen, lehnte Richter Michael Stallman ab. Zwar respektiere er das Recht der Menschen auf Rede- und Versammlungsfreiheit. "Aber auch das geschützte Rederecht kann nicht überall und jederzeit gleichermaßen eingefordert werden", zitierte er in seiner schriftlichen Urteilsbegründung aus einem Präzedenzfall.

Der Zuccotti Park gehört einer privaten Immobilienfirma, ist aber für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Firma hatte sich bei Bürgermeister Bloomberg darüber beschwert, dass die Demonstranten das Gelände rund um die Uhr besetzt hielten. Der Zuccotti Park war der Ausgangspunkt für eine weltweite Bewegung. (APA/Reuters)

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    "We re-occupied Legoland" steht auf dem Transparent des Modells eines Protestlers im Zuccotti Park.

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    Die Demonstranten dürfen keine Zelte oder Schlafsäcke mehr in den Park mitnehmen.

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