Gericht verbietet Camping - Menschen dürfen nur ohne Zelte und Schlafsäcke das Areal betreten
New York - Die Occupy Wall Street-Bewegung gibt nicht auf. Zwar standen am Mittwoch keine
Zelte mehr im New Yorker Zuccotti Park, dennoch verbrachten mehrere Dutzend
Demonstranten die erste Nacht nach der großen Räumungsaktion auf dem Gelände
mitten im Finanzbezirk - unter freiem Himmel, auf nackten Betonbänken, und das
bei Nieselregen. Andere fanden nach Angaben des Senders NBC Unterschlupf im
Gemeinderaum der Middle Collegiate Kirche im nahen Stadtteil East Village.
Hunderte Demonstranten waren am späten Dienstagabend (Ortszeit) in den von
der Polizei geräumten Park zurückgekehrt. Zuvor hatte ein Gericht entschieden,
dass die Demonstranten in dem Park nicht campieren dürfen. So durften keine
Zelte und Schlafsäcke mitgenommen werden. Die Polizei kontrollierte am Eingang
Rucksäcke und Taschen. Wer sein Nachtquartier dabei hatte, wurde abgewiesen.
Schlafen im Stehen
Ein paar der sichtlich erschöpften Demonstranten versuchten, an die dünnen
Bäume gelehnt, ein wenig Schlaf zu bekommen; andere legten den Kopf auf Taschen
oder Pullis. Die am Rande stehenden Polizisten beobachteten das Szenario mit
finsterer Miene. "Ein Lager wird nicht geduldet", warnte ein Beamter.
Die Demonstranten riefen Durchhalteparolen und wurden von Protestchören
lautstark unterstützt. Die Protestschilder waren zum Schutz vor der Nässe in
Plastik gepackt, einige Leute trugen Regenjacken, ein paar Regenschirme ragten
aus der Menge heraus.
"Wir geben nicht auf, wir bleiben", lautete die Ansage. Ob dies auch für die
nächsten Nächte gelten oder gemeinschaftlich in Gemeindehallen umgezogen werden
sollte, war am Mittwoch noch unklar. Nachdem die Protestler aus dem Zuccotti
Park vertrieben worden waren und die Polizei ihre Zeltstadt niedergerissen
hatte, blieb die Suche nach einer neuen Dauerbleibe letztlich erfolglos.
Die Occupy-Bewegung hatte sich Mitte September im Zuccotti Park
niedergelassen, um gegen die Macht der Banken und soziale Ungerechtigkeiten zu
protestieren. Bürgermeister Michael Bloomberg hatte den Park nahe der Wall
Street nach langem Hin und Her schließlich räumen lassen - wegen
Sicherheitsbedenken, wie er sagte.
Das Anliegen der Demonstranten, mit Sack und Pack in den Park zurückkehren zu
dürfen, lehnte Richter Michael Stallman ab. Zwar respektiere er das Recht der
Menschen auf Rede- und Versammlungsfreiheit. "Aber auch das geschützte Rederecht
kann nicht überall und jederzeit gleichermaßen eingefordert werden", zitierte er
in seiner schriftlichen Urteilsbegründung aus einem Präzedenzfall.
Der Zuccotti Park gehört einer privaten Immobilienfirma, ist aber für die
Öffentlichkeit zugänglich. Die Firma hatte sich bei Bürgermeister Bloomberg
darüber beschwert, dass die Demonstranten das Gelände rund um die Uhr besetzt
hielten. Der Zuccotti Park war der Ausgangspunkt für eine weltweite Bewegung. (APA/Reuters)