Kahlschlag bei Akademie der Wissenschaften

Wer evaluiert eigentlich die Parteiakademien?

Kommentar der anderen | 15. November 2011, 19:59
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    Gut, dass die Regierung im Dienste der Schuldenbremse "Förderungen durchforsten" will. - Ein Blick auf die öffentlichen Zuwendungen an die Parteien könnte lohnend sein.

Der Konflikt um die Budgetkürzungen bei der Akademie der Wissenschaften im Lichte der österreichischen Spitzenleistungen bei der Parteienförderung: Plädoyer für interakademische Solidarität in Zeiten der Krise - von Christoph Landerer

Es ist ein idyllischer Ort: "Wer das 40.000 Quadratmeter große Areal betritt, lässt den Großstadttrubel hinter sich, findet sich in einer Geist und Körper belebenden Grünoase wieder: in einem mystischen, von zahllosen Eichkätzchen bewohnten, riesigen Park, der an den Oberstgartenmeister von Kaiserin Maria Theresia erinnert." Die Rede ist von einer Akademie - allerdings nicht von der von Kahlschlag bedrohten Österreichischen Akademie der Wissenschaften, sondern von der "politischen Akademie", der Parteiakademie der ÖVP.

Im Budget jener anderen Akademie hat sich als Folge einer kürzlich getroffenen "Leistungsvereinbarung" mit dem Wissenschaftsministerium bereits für das nächste Jahr eine Finanzierungslücke von elf bis zwölf Millionen Euro (entsprechend 300 von derzeit insgesamt etwa 900 Vollzeitstellen) aufgetan. Auch exzellent evaluierte Institute stehen so vor der Schließung. Die öffentliche Förderung der Parteiakademien (wer evaluiert eigentlich Parteiakademien?) beträgt aktuell knapp über elf Millionen Euro. Eine Milchmädchenrechnung? Gewiss. Aber eine, für die gute Gründe sprechen.

Umverteilung ...

Damit zur Ausgangslage: In Zeiten einer sich verschärfenden Wirtschaftskrise wird der Wettbewerb um öffentliche Mittel härter, der Rechtfertigungsdruck für den Mitteleinsatz steigt. Staatliche Ausgaben müssen gekürzt, Gürtel enger geschnallt, Institutionen schlanker aufgestellt werden. Allenfalls für Bildung und Forschung, so wird versichert, könne es zusätzliche Mittel geben. Die Botschaft hört man wohl, man hörte sie schön öfter.

Dabei fehlt es sicher nicht am guten Willen, oder jedenfalls nicht an den entsprechenden Worten, Ankündigungen und Zielen. Bis 2020, so will es die Bundesregierung, soll Österreich seine Forschungsausgaben so weit steigern, dass das Land zur Forschungs-Weltspitze aufschließen kann. Tatsächlich schlug sich die heimische Forschung bisher gar nicht so schlecht. Aber die Forschungsquote kommt nicht vom Fleck - allein bis zum Jahr 2015 fehlen 420 Millionen. Den notorisch unterdotierten Universitäten werden immer neue Lasten aufgebürdet, zahlreiche außeruniversitäre Forschungseinrichtungen mussten schließen, das Budget des FWF stagniert und ist ab 2014 von Kürzung bedroht. Hannes Androsch, Vorsitzender des Rats für Forschung und Technologieentwicklung, bringt die Situation in ein treffendes Bild: "Es ist, als würden wir eine Dose nur vor uns her kicken".

Nun kann man freilich in Zeiten einer unsicheren Wirtschaftsentwicklung nicht erwarten, dass forschungspolitische Bäume in den Himmel wachsen. Dauert die Krise an, so müssen alle Bereiche des öffentlichen Lebens nach Einsparungsmöglichkeiten durchforstet werden. Was also liegt näher, als die notwendigen schmerzlichen Einschnitte zunächst dort vorzunehmen, wo Österreich nicht nur längst zur Weltspitze zählt, sondern diesen Spitzenplatz auch beharrlich verteidigt? Es sind dies - erraten - die Ausgaben zur Förderung der politischen Parteien.

Bis heute leistet sich Österreich eines der teuersten Parteifördersysteme der westlichen Welt. Allein die staatliche Direktförderung lag 2009 über jener in Deutschland - in absoluten Zahlen, wohlgemerkt. Kombiniert wird diese fürstliche Finanzausstattung mit ebenso großzügigen Regelungen für die Offenlegung von Spenden. Eine schwedische Studie ermittelte für Österreich einen Transparenzwert von exakt null - und damit den letzten Platz aller untersuchten Staaten, inklusive Albanien und Bangladesch. Franz Fiedler, Vorsitzender von Transparency International Österreich, sieht in den österreichischen Regelungen ein "Einfallstor für Korruption".

Dass politische Parteien einer staatlichen Unterstützung bedürfen, ist unbestritten, aber der Nutzen hoher Förderungen bleibt fraglich, auch und vor allem in Zeiten der Krise. Je opulenter staatliche Zahlungen hier ausfallen, desto stärker dehnt sich auch der Einfluss der Apparate aus, desto mehr Pfründen und Besitzstände gilt es abzusichern, desto unflexibler lässt sich auf neue Herausforderungen reagieren. Der deutsche Politologe Karl-Heinz Naßmacher hat vor weniger Jahren Indexwerte ermittelt, um die unterschiedlichen Förderleistungen in Relation zu Wirtschaftsleistung und Bevölkerungsstärke zu vergleichen. Österreich kam mit einem Indexwert von 2.66 auf Platz zwei, knapp hinter Spitzenreiter Japan (2.7), und noch vor Israel und Italien. Länder wie die Niederlande, Dänemark, Kanada oder die Schweiz dagegen rangieren (mit Indexwerten zwischen 0.22 und 0.46) am anderen Ende der Skala. Die Studie weckt den Verdacht, dass hohe Parteiaufwendungen nur schwach mit "good governance" korrelieren, stark dafür mit Korruptionsanfälligkeit und Reformstarre.

... einmal anders

Jeder aufrechte Demokrat wird der ÖVP ihr Springer-Schlössl samt mystischem Park, Oberstgartenmeister und Eichkätzchen gönnen, der SPÖ das nicht minder üppig ausgestattete Renner-Institut, den Grünen ihre Bildungswerkstatt und den Freiheitlichen ihre blauen und orangen Akademien. Fortbildungsstätten sind ein wesentliches Element zur Erhaltung der Qualität politischer Arbeit. Gerade deshalb sollte den Parteien daran gelegen sein, in diese Qualität zu investieren. Man muss die Kürzungen ja nicht ausgerechnet dort vornehmen.

Ist es ungehörig, wenn man erwartet oder zumindest appelliert, dass die österreichischen Parteien ihre Akademien - wie in vielen anderen Ländern Europas üblich - aus ihrer ohnehin üppigen Zivilliste finanzieren und diese Mittel für die Forschung freigeben? Es handelt sich um drei bis vier Prozent der Gesamteinnahmen (2009), jedenfalls der offiziell deklarierten. Immerhin könnten sie auf diese Weise - zugegebenermaßen naiv gedacht - öffentlichkeitswirksam in Zukunft investieren und einen Eigenbeitrag in Zeiten der Krise leisten. Weltspitze bleiben sie ohnehin. (Christoph Landerer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.11.2011)

CHRISTOPH LANDERER, Psychologe und Publizist, leitet derzeit ein FWF-Projekt in Salzburg.

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1 2
aiuto
00
24.11.2011, 08:56
ich bin ja gespannt,

um wieviel die Subventionen und anderen Leistungen für die Parteien gekürzt werden ?

mikromalist
 
00
17.11.2011, 19:48
Formale Geplaenkel, ob geprüft, oder nicht.

Wenn den Parteien ihre Parallelwelten nicht abgekapselt und hermetisch abgeschlossen genug sind und sie wollen auch noch mit eigenen Akademien ihre geistige Inzucht vollenden, sollen sie diese von der Parteienfinazierung berappen.

Diese würde ich auch noch, wie die Anzahl der Sitze im Parlament, an die Haushaltsentwicklung, das Forschungsbudget und ein paar anderekritische Erfolgsfaktoren eines Staates binden.
Derzeit wäre ein Drittel noch zu viel.

Pani1
01
16.11.2011, 18:58
online Petition gegen den Personalabbau an der ÖAW

http://openpetition.de/petition/... esterreich

Die Wissenschaftler bemühen sich, das Unmögliche möglich zu machen. Die Politiker bemühen sich oft, das Mögliche unmöglich zu machen.

Bertrand Russell (1872-1970), Philosoph und Mathematiker

harry_t
21
16.11.2011, 17:57
also ein bißchen recherche

kann man anscheinend vom autor nicht erwarten. die parteiakkademien werden in österreich vom rechnungshof strengstens geprüft (siehe abmahnung des freiheitlichen bildungsinstitutes wegen der comics). ausserdem steht es der interessierten öffentlichkeit frei an den veranstaltungen teilzunehmen. ich war selbst schon bei einigen die sehr hochkarätig besetz waren.

christoph landerer
00
17.11.2011, 02:33

Berichtigung. Eben sehe ich, dass ich Ihr posting zu flüchtig gelesen hatte. Sie sprachen über die Akademien, ich antwortete zu den Parteien. Was die Akademien betrifft: Hier findet - im Unterschied zu den Gesamtfinanzen der Parteien inklusive Spenden - eine Prüfung durch den RH statt. Eine entsprechende Kontrolle der Parteifinanzen durch den RH wird zwar immer wieder behauptet, entspricht aber nicht der Realität. Mein Unmut bezieht sich allerdings auf die Kosten des Gesamtsystem, die in Österreich stark überhöht sind. Daher der Vorschlag, die Sonderförderung (!) der Akademien einzusparen; die reguläre Parteienförderung ist üppig genug.

christoph landerer
04
16.11.2011, 20:06

Ich darf Sie beruhigen, ich habe recherchiert. Die behauptete "Kontrolle" durch den Rechnungshof findet nicht statt. Spenden müssen gemeldet werden, die Daten werden aber nicht veröffentlicht. Franz Fiedler: "Es gibt überhaupt keine Kontrolle durch den Rechnungshof". Für eine Nichtmeldung sind keinerlei Sanktionen vorgesehen; tatsächlich sind die gemeldeten Listen unvollständig. Seit 2003 setzt Österreich auch eine Europarats-Richtlinie für transparente Parteifinanzen nicht um; eine entsprechende Verurteilung droht.

orozco
00
16.11.2011, 20:53

worum geht's hier? um die parteiakademien? um die parteienfinanzierung in österreich im allgemeinen? den kahlschlag an der außeruniversitären forschung? der artikel vermischt so einiges. und macht die zusammenhänge nicht immer klar.

wenn es um erstere geht, dann trifft diese polemik die falschen. die akademien machen großteils (mit einigen umrühmlichen ausnahmen, siehe blaue comics und islam-"seminare") gute arbeit, sind transparent und vom RH gut geprüft . außerdem sind sie ebenfalls von einsparungen betroffen.

ich verstehe den frust des autors und sehe die kürzungen in der forschung sehr kritisch. aber warum gerade die politischen akademien an den pranger gestellt werden, erschließt sich mir nicht.

christoph landerer
00
16.11.2011, 22:36

Die Parteiakademien sind selbst nicht das Problem; ich habe auch nicht ihre Arbeit kritisiert. Es geht um die Gesamtkosten des Systems. Angesichts der aktuellen Situation hat sich dieser Vergleich angeboten - die Einsparungen bei der ÖAW sind dramatisch, verglichen damit sind jene bei den Parteiakademien minimalst. Dazu kommt, dass es sich hier um Zusatzförderungen handelt, die in Europa nicht die Norm sind. Ich habe mir erlaubt, eine Option anzudenken, die angesichts des Kahlschlags bei der ÖAW hohen Symbolwert hätte. Dass sie unrealistisch ist, ist mir klar.

Seria
00
16.11.2011, 17:54

bei Betrachtung der Qualität unserer Politiker sollte es entweder keine Absolventen geben oder die Polit. Akademien müssen geschlossen werden. Auf keinen Fall verdienen sie jedoch Unterstützung aus Steuergeldern.
In der direkten Demokratie sollte dergleichen Sache von Volksabstimmungen sein

locken
00
16.11.2011, 16:30
Lernt man dort Koruption und Geldverschiebung ?

bacch
14
16.11.2011, 16:20
Korruptionszusammenhang

Meines Wissens wird die hohe Parteienförderung auch immer mit dem Argument verteidigt, dass es ansonsten eine hohe Korruptionsanfälligkeit gäbe;
mir scheint aber das Gegenteil der Fall zu sein - je höher die Förderungen, desto größer die Korruptionsaffären

Dr. Fu Man Chu
00
16.11.2011, 16:02
interessanter, informativer kommentar

zusatzfrage: wenn androsch als vorsitzender des Rats für Forschung und Technologieentwicklung die situation unserer eliteinstitute wie im artikel genannt einschätzt, warum tritt er dann ebenso vehement für die einführung einer gesamtschule ohne sitzenbleiben und abschaffung von nachhilfe ein?

Nathaniel Winerib
00
16.11.2011, 15:47

Ich denke, dass sowohl die Parteiakademien, als auch die Akademie der Wissenschaften und die übrigen außeruniversitären Forschungseinrichtungen (Boltzmann, IWM, IFK, WIFO, IHS) vollständig PRIVAT finanziert werden sollten.

drwestbahn
07
16.11.2011, 14:40
Was mich interessieren würde...

...zahlen Studierende an der ÖVP-Akademie auch Studiengebühren?

Doktor Jörg Haider
03
16.11.2011, 17:38
Nein, aber sie bekommen garantiert Stipendien.

angelvoices
13
16.11.2011, 14:38
Österreich leistet sich auch zu teuere Politiker

wie kann ein österreichischer Präsident mehr verdienen als ein amerikanischer?
es ist alles eine Frage der Relation - wer sind die wahren Leistungsträger?

nefret
01
16.11.2011, 14:05
Es geht nicht nur um Mitarbeiter....

Es geht nicht nur um Mitarbeiter..... es geht um außeruniversitäre Grundlagenforschung im Gesamten! Diese wird ausgehölt und sinnlosen Zielvorstellungen unterworfen - der Grundlagenforschung immannent ist die Unvorhersehbarkeit der Ergebnisse! Also wie sollen dann 3-Jahrespläne verwirklicht werden.... Gründen wir doch eine Sowchose und züchten wir Ergebnisse!

Frik Frikazoid
02
16.11.2011, 14:05

Nachdem ich gestern eine Stunde die Live Übertragung aus dem Parlament auf ORF 3 gesehen habe, hab ich den Eindruck die rund 10 Mio € pro Jahr sind rausgeworfenes Geld. Einige Parlamentarier sind der deutschen Sprache ja gar nicht mächtig. Da Trat jemand von der ÖVP ans Rednerpult, der keinen ganzen Satz sprechen konnte. Dan gab es Zwischenrufe wie "Miese Kreatur" und Gestiken wie in der Volksschule. Unfassbar wer uns da regiert.
Das Bildungsniveau ist ja berauschend: http://www.parlament.gv.at/SERV/STAT... ell.shtml

james7
01
16.11.2011, 15:43
ist leider faktum...

und wir brauchen uns auch nicht wundern, warum in sachen bildungsreform nichts weiter geht, denn nur möglichst viele "ungebildete" bürger lassen sich zur wahl dieser volksvertreter bewegen. frei nach unserem ehemaligen bundeskanzler "dumme bürger sind leichter zu lenken.."

Frik Frikazoid
00
16.11.2011, 14:07

sorry, der Link war nicht ganz vollständig

http://www.parlament.gv.at/SERV/STAT... u_NR.shtml

Herzerzog Johann
02
16.11.2011, 13:45
Diese Konstrukte ...

... sind ohnehin nur Vehikel, wie auch die (Partei)Presseförderungen, Wahlkampfzuschüsse, Förderung von Vorfeldorganisationen etc., um die tatsächliche Höhe der Parteienförderung zu verschleiern und deren wirkliche Höhe kleiner erscheinen zu lassen.

Anton Friesl
00
16.11.2011, 13:18
Was wird dort gelehrt? Die Hohe Schule der Korruption?

Anton Friesl
00
16.11.2011, 13:15
#OPA = Occupy Partei Akademie

Mit Google Earth anschauen:
Unmittelbar östlich vom Schönbrunner Schlosspark, zwischen Grünbergstr., Hohenbergstr., Schwenkg., Tivolig.,.

epicath
06
16.11.2011, 13:05
PETITION

Wer die Mitarbeiter der ÖAW unterstützen möchte, kann dies durch Unterzeichnung der folgenden Petition machen:
http://openpetition.de/petition/... esterreich

nmr
00
16.11.2011, 11:58
Petition gegen den geplanten drastischen Personalabbau an der Akademie der Wissenschaften:

Wer etwas für den Forschungsstandort Österreich tun will: Unterschreiben und weitersagen!

http://openpetition.de/petition/... esterreich

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