Der halbe Job

Kommentar |

Die Anmeldung für ein Studium bleibt eine Eintrittskarte in eine Blackbox

Die Anmeldeergebnisse waren so absurd und beliebig, dass die Unis sie nicht einmal ignoriert haben. Es war zu offenkundig, dass die Zahlen, die durch das nach allen Seiten und in jede Richtung offene Voranmeldesystem heuer entstanden sind, keinen sinnvollen Mehrwert für die Semesterplanung bringen würden.

Jetzt haben sich Wissenschaftsminister, Rektoren und Hochschülerschaft auf ein vernünftiges Modell geeinigt, das zumindest eines der Uni-Probleme lösen könnte. Es ist eines der kleineren. Aber auch kleine Probleme können große Probleme bereiten. Eine gute Studienberatung, die die Maturanten schon früh abholt und substanziell mit dem, was man studieren kann, aber auch, was studieren heißt, konfrontiert, kann mit der vorverlegten Inskription beiden Seiten - Unis und Studierenden - helfen.

Allerdings: Es zwickt und zwackt an vielen Stellen. Frühe Anmeldung - schön und gut. Es bleibt eine Eintrittskarte in eine Blackbox. Die Unis wissen dann zwar, wie viele Studierende sie insbesondere in den Massenfächern überrennen werden, aber die Studierenden wissen nicht, in welches Abenteuer sie sich stürzen. Masse oder Klasse?

Erst mit transparenten Kapazitätsangaben und einer angemessenen Finanzierung dieser Studienplätze wäre es getan. Jetzt ist nur der halbe Job erledigt worden - jener, der politisch und finanziell am billigsten abzuhaken ist. Ohne die andere Hälfte wird die erhoffte Wirkung verpuffen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.11.2011)

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ist hier tatsächlich inskription oder immatrikulation gemeint?

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