Griechischer Nationalist mit freundlichem Antlitz

16. November 2011, 12:07
30 Postings

Makis Voridis hat eine bewegte Vergangenheit im ultrarechten Spektrum - Nun soll er neue Wählerschichten ansprechen

Makis Voridis versteht es, seine Auftritte zu inszenieren, bleibende Bilder zu hinterlassen. Etwa am vergangenen Freitag, als der 47-Jährige, den Medien im In- und Ausland einen Rechtsextremisten nennen, mit seinem kleinen Sohn im Arm zur Angelobung in den Präsidentenpalast Megaro Maximou schritt. Oder aber 1985, als er mit einem Hammer bewaffnet und in Bomberjacke und Springerstiefeln gekleidet marodierend durch die Athener Altstadt zog und kurzzeitig das Juridikum der Universität besetzte. Die Wut des jungen Rechten rührte von seinem Rauswurf aus der Studentenunion her, den er just jenem Mann zu verdanken hatte, dessen verspätetes Erbe er nun antritt: Konstantinos Hatzitakis, damals Studentenchef der konservativen Nea Dimokratia (ND), bis 2009 griechischer Verkehrsminister.

Viel wurde seither geschrieben über "Hammer-Voridis", wie er in Griechenland genannt wird. Dass er, der 1984 Anführer der Jugendsektion der rechtsextremen Nationalen Politischen Union (EPEN) wurde, dessen Gründer und früheren Militärdiktator Giorgios Papadopoulos bis heute bewundere. Dass er überhaupt ein Faible pflege für die Obristenjunta, die Griechenland von 1967 bis 1974 mit eiserner Faust regierte. Und dass er mit derlei Schwärmereien in seiner Partei, dem nationalistischen "Orthodoxen Volksalarm" (LAOS), keineswegs allein ist.

Gesichert ist, dass Griechenlands neuer Verkehrsminister 1994, damals gerade 30, die rechtsextreme Sammelbewegung Elliniko Metopo gründete, deren Namen, zu Deutsch Hellenische Front, nicht bloß zufällig mit dem französischen Vorbild Front National korrelliert. Dessen Ikone und langjährigen Vorsitzenden Jean-Marie Le Pen war der prominenteste Gast auf Voridis' Hochzeit 2005, als der in London und Athen ausgebildete Rechtsanwalt seine Frau Ioanna-Danae Mihelakou heiratete. Mit von der Partie damals: der Radiojournalist Giorgios Karatzaferis, damals EU-Abgeordneter der 2000 von ihm gegründeten ND-Abspaltung LAOS und in rechten Kreisen für seinen unverhohlenen Antisemitismus bekannt.

Rechte "Viererbande"

Die beiden Parteichefs einander bekannt zu machen, sollte nicht der letzte kluge Schachzug des rechten Strategen bleiben. Kurz darauf führte der solcherart gestärkte Voridis seine Gruppierung in die Arme der LAOS und wurde Teil jenes ultrarechten Nukleus innerhalb der Partei, den griechische Medien als "Viererbande" bezeichnen - und dessen Hälfte seit vergangenem Freitag als Minister und Staatssekretär im Kabinett Papademos Platz genommen hat.

Nick Malkoutzis, prominenter Blogger und stellvertretender Chefredakteur der englischsprachigen Ausgabe der Zeitung Kathimerini, hält Voridis für einen Wolf im Schafspelz: "Er hat sich in den vergangenen paar Jahren sehr bemüht, den Nationalisten mit einem freundlichen Antlitz zu mimen. Von den LAOS-Politikern ist er wohl noch am ehesten akzeptabel."

Der frühere Hooligan, glaubt Malkoutzis, könnte sich Kraft seines neuen Amtes als der telegene Rechtspopulist erweisen, auf den Griechenlands Rechte seit langem wartet. Er hielt sich in Talkshows, deren regelmäßiger Gast er seit Jahren schon ist, auffällig zurück, ließ sich nicht dazu verleiten, in den Chor der lauten Männer einzustimmen, die das hellenische Fernsehen dominieren. "Das hat ihm auch in der Mittelklasse viel Respekt verschafft, viele Leute können sich mit seinen Ansichten identifizieren, die sonst nicht auf die Idee kämen LAOS zu wählen."

Telegener Koalitionspartner

Die Partei dürfte nach Ansicht vieler Experten von der neuen Dimension der Aufmerksamkeit profitieren, die ihr durch den scheinbar geläuterten Voridis zu Teil wird. Bei den letzten Wahlen 2009 kam LAOS auf fast sechs Prozent, ihr neuer Star hielt bisher allen - in Griechenland durchaus üblichen - Abwerbeversuchen der Großparteien stand. Dass LAOS im Gegensatz zu anderen, größeren Parteien überhaupt in die Koalition aufgenommen wurde, hängt für den Journalisten Paschos Mandravelis mit dem Kalkül der ND zusammen, dessen Parteichef Antonis Samaras nicht noch mehr Wählerstimmen an Rechtsaußen verlieren will. "Sollte die ND, wie es derzeit aussieht, bei den nächsten Wahlen den ersten Platz erreichen, wird LAOS ihr logischer Koalitionspartner sein."

"Die Strategie dahinter ist auch, dass man LAOS lieber innerhalb als außerhalb der Regierung haben will, wo sie in so einer Situation für mehr Wirbel sorgen kann", sagt Kevin Featherstone, Direktor des Thinktanks Hellenic Observatory an der London School of Economics. "Als Transportminister kann Voridis außerdem nicht so viel Schaden anrichten wie etwa als Verteidigungsminister." In jüngster Vergangenheit habe LAOS durchaus verlässlich im Sinne der internationalen Verpflichtungen agiert, betont Featherstone: "Sie hat im Gegensatz zur weit größeren ND nicht gegen die EU-Maßnahmen opponiert." (flon/derStandard.at, 16.11.2011)

  • Makis Voridis bei seiner ersten Pressekonferenz am vergangenen Freitag.
    foto: epa/alkis konstantinidis

    Makis Voridis bei seiner ersten Pressekonferenz am vergangenen Freitag.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Am Weg zur Angelobung gab sich der Ex-Hooligan als solider Familienvater.

  • Voridis (in blauen Jeans in der Bildmitte) 1985.
    screenshot: derstandard.at

    Voridis (in blauen Jeans in der Bildmitte) 1985.

  • Der neue Verkehrsminister im griechischen Parlament.
    foto: epa/simela pantzartzi

    Der neue Verkehrsminister im griechischen Parlament.

Share if you care.