Rechter Terror für den Bürgerkrieg

15. November 2011, 18:43
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Auch Österreichs Neonazis brüsten sich mit Verbrechen

Wien - Warum machen Rechtsextreme Terror und sagen es keinem? Mindestens zehn Morde sollen die Mitglieder des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) begangen haben, ohne ein Bekennerschreiben zu hinterlassen. "Die politische Strategie dahinter ist zu provozieren", erklärt Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW).

"Die Gegenseite, in diesem Fall die türkische Community, soll aufgewiegelt und ebenfalls radikalisiert werden. Neonazis erhoffen sich davon einen Bürgerkrieg, nach dem ein rechtsextremes, autoritäres System aus der Asche steigen kann." Andererseits werde mit den Taten der persönliche Hass gestillt und der Sadismus befriedigt. Bekennerschreiben seien uninteressant, es ginge um eine "Politik der Spannung". Rechtsradikale in Österreich würden derzeit pornographische Cartoons an Muslime verschicken, um sie zu provozieren.

In der Szene selbst gebe es immer wieder Gerüchte und Behauptungen über angebliche Verbrechen: So tauchte nach dem Attentat von Anders Breivik in Norwegen in einem rechtsextremen Forum ein Posting auf, in dem sich ein Neonazi seiner Taten brüstete und das möglicherweise von einem Mitglied der NSU stammen könnte, sagt Peham.

Auch österreichische Neonazis würden sich immer wieder mit Gewaltverbrechen rühmen. "Und wenn die Leiche eines illegalen Migranten mit dunkler Haut aus der Donau gefischt wird, macht man sich selten die Mühe und fragt genau nach, und es werden schnell unpolitische Motive für den Mord gefunden."

Ob die deutschen mutmaßlichen Terroristen Kontakt mit Österreichern hatten, ist nicht klar. Da die Szene aber die Grenze zwischen Deutschland und Österreich nicht anerkenne, gibt es enge Kontakte zwischen den beiden Ländern.

So war Gottfried Küssel, Schlüsselfigur der österreichischen Rechtsextremen, zuletzt 2007 Gast beim Fest der Völker, einem Szenetreff in Jena. Organisiert wurde dieses mehrmals vom deutschen Neonazi André Kapke, der in den 1990ern gut befreundet war mit den bisher bekannten Terroristen der NSU. (tob/DER STANDARD, Printausgabe, 16.11.2011)

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