Enthüllungsjournalist Tamás Bodoky ist einer der bekanntesten Aufdeckerjournalisten Ungarns
Budapest/Wien - Das umstrittene ungarische Mediengesetz zeigt Wirkung: Der Enthüllungsjournalist Tamás Bodoky wurde verhört und bedrängt, Informanten freizugeben. Bodoky ist einer der bekanntesten Aufdeckerjournalisten Ungarns. Er gründete die Enthüllungsplattform www.atlatszo.hu und erhielt den Pulitzer-Preis. Das medienkritische Portal wurde bereits mehrmals von Behörden aufgesucht, die auf Herausgabe von Material drängten.
Bodoky recherchierte über dubiose Transaktionen der Budapester Investmentberatung Brokernet Hungary, als Polizisten an seiner Tür klopften und ohne richterlichen Beschluss die Festplatte seines Computers verlangten, andernfalls würden Hausdurchsuchung und Beschlagnahme durchgeführt. Auf der Wache wurde Bodoky mit Gefängnis bedroht, schließlich durfte er gehen. Die Festplatte erhielt er Monate später völlig demoliert zurück.
Das sei nur der Anfang, glaubt Blogger Adam Majorosi im Gespräch mit dem STANDARD. "Ungarns Medien berichten kaum noch über politisch brisante Ereignisse." Die Entwicklungen beobachtet Majorosi von Berlin aus für stargarten.wordpress.com.
Majorosi vermutet im kollektiven Stillschweigen vorauseilenden Gehorsam der ungarischen Medien und schildert ein vielsagendes Beispiel: "Ein Höchstrichter verkündete kürzlich, das neue Gesetz über die Ernennung von Richtern sei schlimmer als im Sozialismus. Darüber wurde nirgendwo berichtet." (prie/DER STANDARD; Printausgabe, 16.11.2011)