Bessere Infrastruktur

Masterplan für Fußgänger in Wien gesucht

15. November 2011, 17:58
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    foto: christian fischer

    Die Fußgänger sind derzeit die Letzten in der Hackordnung auf der Straße. Künftig sollen sie in Wien gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer sein, dafür sucht die Stadt einen Fußgängerbeauftragten.

Jeder vierte Weg wird zu Fuß zurückgelegt, fußgängerfreundlich ist die Stadt trotzdem nicht - Möglichst leere Gehsteige und bessere Ampelschaltungen sollen die Benachteiligung aufheben helfen

Wien - Den Fußgängern müsse das Gefühl gegeben werden, dass sie "auf der Straße nicht verloren sind". Menschen, die zu Fuß in der Stadt unterwegs sind, dürfen nicht mehr auf der untersten Stufe der Verkehrs-Hackordnung stehen, befindet Rüdiger Maresch, der Verkehrssprecher der Wiener Grünen. "Zu Fuß zu gehen soll nicht als eine Art Restbewegung wahrgenommen werden."

In Wien wird gerade - wie im rot-grünen Koalitionsübereinkommen festgelegt - ein Fußgängerbeauftragter gesucht. Zwar gibt es bereits eine Fußgängerkoordinatorin, diese ist allerdings nur für die Schutzwege zuständig. Bis zum Frühjahr soll fest stehen, wer die Anliegen jener, die zu Fuß gehen - also aller, vertreten soll. "Denn zu Fuß ist jeder irgendwann unterwegs, die Autofahrer genauso wie die Öffi-Benutzer und die Radfahrer", sagt Maresch. Laut dem Verkehrsclub Österreich (VCÖ) wurden im vergangenen Jahr in der Bundeshauptstadt 28 Prozent der Alltagswege zu Fuß erledigt - österreichweit waren es 18 Prozent.

Keine Verkehrszeichen

Doch welche Maßnahmen können das Gehen attraktiver machen? "Schrägparker nehmen viel Fläche in Anspruch", sagt Maresch, dies auf Kosten der Gehsteige. Denn breite Gehsteige seien eine Grundvoraussetzung. Dazu müsste aber zunächst einmal der "der ganze Plunder runter". Es sei zum Beispiel nicht zwingend notwendig, dass Verkehrszeichen immer auf Gehsteigen stehen, sagt der grüne Verkehrssprecher. Auch Radständer müssten eigentlich auf dem Fahrbahnrand aufgestellt werden - "daran halten sich die Bezirke aber nicht immer". Die Gehsteige sollten jedenfalls so breit sein, dass zwei Kinderwagen ohne Probleme aneinander vorbei können, nennt Christian Gratzer vom VCÖ als Richtlinie für Fußgängerfreundlichkeit.

Für Maresch geht es um "Gerechtigkeit im öffentlichen Raum". Bei den Ampeln sind in Wien die Fußgänger derzeit nämlich ebenfalls benachteiligt. "Die Schaltung ist auf die Autofahrer zugeschnitten", sagt Maresch. In Zürich dauere die Grün-Phase lediglich 48 Sekunden, in Wien sind es 150 Sekunden. Zudem haben in Zürich Fußgänger Vorrang, egal an welcher Stelle sie die Straße überqueren möchten. "Wenn bei uns an einer Bim- oder Bushaltestelle Leute aussteigen und warten, dass die Fußgängerampel grün wird, haben sie manchmal kaum Platz auf dem Gehsteig, solange dauert es, bis die Ampel umschaltet", konstatiert Maresch.

Um ein fußgängerfreundliches Klima zu schaffen, bedürfe es in einer Stadt wie Wien eines Masterplans, sagt Dieter Schwab vom Fußgängerverein Walk Space. Allerdings müssten die Menschen auch im Alltag erfahren, dass es attraktiv ist, zu Fuß zu gehen. "Das könnte mit Pilotprojekten in jedem Bezirk, die ganz unterschiedlich gestaltet sein könnten, funktionieren", meint Schwab.

Abkürzungen für Fußgänger

Ein dichtes Fußwegenetz, dass auch Abkürzungen ermöglicht, bringe die Menschen vermehrt dazu, kurze Wege überhaupt zu Fuß zu gehen, sagt Gratzer vom VCÖ. "Positive Beispiele sind etwa die Öffnung der Hausdurchgänge für Fußgänger in der Landstraßer Hauptstraße im dritten Bezirk oder der Fußgängerlift, der in Mariahilf zwischen Windmühlgasse und Stiegengasse eingebaut wurde."
Geht es nach Maresch, könnte Wien überhaupt London werden, wenn es um die Fortbewegung auf zwei Beinen geht. In der britischen Hauptstadt hat man sich nämlich das Ziel gesteckt, bis 2015 die fußgängerfreundlichste Stadt zu werden. Ein Teil des Projektes ist ein einheitliches Leitsystem für die Fußgänger. Auf schwarzen Stelen sind Pläne der Umgebung zu sehen, mit Angaben, wie viele Meter es zum gesuchten Punkt sind und wie viele Minuten es dauert, zu Fuß dorthin zu kommen. "In London gibt es eigene Fußgängerrouten", sagt Maresch, "in Wien könnte künftig die verkehrsberuhigte Mariahilfer Straße eine solche Route sein." (Bettina Fernsebner-Kokert/DER STANDARD-Printausgabe, 16.11.2011)

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Herr Plumm
00
30.11.2011, 20:54

über den dächern...

junjunjun
01
16.11.2011, 22:23
Gerümpel am Gehsteig

Der Gehsteig an der rechten Wienzeile entlang des Naschmarktes ist ein Witz. Eh schon schmal und dann stehen auch noch Laternenmasten samt Werbetafeln auf dem Gehsteig: http://echt-gruen.at/wp-conten... lakate.jpg

Der Citybiker
00
16.11.2011, 21:03
Masterplan für Fußgänger in Wien gesucht

Den muß man nicht suchen, den muß man machen!

Aber da ist wohl beim kürzen der Überschrift aus 'FußgängerbeauftragteR gesucht' und 'Masterplan gefordert' was passiert...?!?

thinkonyourfeet
33
16.11.2011, 19:26
90 Sekunden grün für Autofahrer, 10 Sekunden grün für Fußgänger.

Die Prioritäten müsste man genau umkehren!

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
16.11.2011, 19:11
Kann zu fuss gehen denn sünde sein?

Im für fussgänger extrem brutalen wiener strassenverkehr kann man als fussgänger oft den eindruck haben...!
Müssen denn zb. fussgängerampeln schon nach 3 sekunden auf rot umschalten - so heute abend gesehen in der linzerstrasse/ameisgasse bei der strassenbahnhaltestelle!

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
16.11.2011, 22:40

- eine fussgängerampel für die kreuzung ameisgasse/goldschlagstrasse im 14en ist längst überfällig!

super cat
53
16.11.2011, 15:13
Und noch ein unnötiger Posten den der Steuerzahler blecht.

Mit diesem Thema sollten sich die Bezirksräte in ihrer eigenen Umgebung im jeweiligen Bezirk beschäftigen und Problemstellen auf Bezirks- bzw. Stadtebene abklären.

atomkraft neindanke
01
16.11.2011, 23:37

das Problem wien hat ein eigens Leitsystem bei der Schaltung der Ampel und so kann man da halt nichts machen, denn es ist getaktet um Megastaus zu verhindern, die Leute die in den Bezirken leben, durch die die Reichen mit ihren Autos durchfahren, müssen da einfach zuschauen und warten! 400.000 täglich in Wien, weil nur 100.000 einpendeln indem sie Öffis verwenden, /können, der Proll kriegt jetzt ein Problem mit den entlaufenen WienerInnen!

USV
42
16.11.2011, 15:00
ganz aktuell!

Ab kommendem Jahr darf man Gehsteige in Wien nur dann benützen, wenn man eine grüne Gehsteigberechtigungskarte umgehängt und dafür bezahlt hat...

Lectrice
02
16.11.2011, 17:59

Nicht umsonst erinnern mich die immer mehr an gewisse vergangen geglaubte Zeiten.

badat
01
16.11.2011, 21:42
GODWIN!

Lectrice
00
16.11.2011, 22:48

Ihr neuer Gott?

maggo22
00
16.11.2011, 14:52
Dan brauch ich jetzt einen Fahrstuhlbeauftragten.

Der mit dem Wanz tolft
710
16.11.2011, 14:35
Fußgängerfreundlich wird Wien...

...wenn die Radfahrerer von den Gehsteigen und Zebrastreifen vertrieben werden.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
01
16.11.2011, 22:30

- vor allem die autos gehören runter von den gehsteigen!

Arne Karlsson
22
16.11.2011, 20:07
Sind Sie sicher?

Sind Sie sicher?

Ich habe unlängst eine Fußgängerin am Gürtelradweg höflich darauf hingewiesen, daß sie sich auf einem Radweg befindet und der Fußweg nur wenige Meter entfernt wäre. Sie hat das bestritten, auf das am Boden aufgemalte weisse Fahrrad im blauen Kreis gedeutet und mir erklärt, daß das doch ganz klar ein "Fahrradfahren verboten" darstellt und das demnach ein Gehsteig sei.

Scheinbar kriegen Fußgänger oft gar nicht mit, WO sie sich befinden - verständlich, daß sie dann über die Radfahrer meckern.

Wobei ich natürlich zugeben muß, daß es überall schwarze Schafe gibt.

sleepyc
00
17.11.2011, 09:39
naja - dodeln gibt's immer.

Marquis de Venosta
01
17.11.2011, 09:37
Ja aber weder noch!

Die "Überzeugungstäterin" aus Ihrer kleinen Anekdote mag vorkommen. Sie ist aber wohl untypisch. Und das gleich in zweierlei Hinsicht:

Weder steht sie für den Fußgänger, der sich aus Gedankenlosigkeit auf einem Radweg befindet. Die Gestaltung der Radwege (z.B. am Ring) trägt das ihre dazu bei.

Noch kann sie für den Fußgänger stehen, der sich durch Radfahrer am Gehsteig gefährdet fühlt. Darum gings ja eigentlich. Ich will nicht riskieren, von einem Radler mit gefühlten 25km/h abgeschossen zu werden, wenn ich aus dem Haustor auf den Gehsteig trete.

Btw., Rot ist nicht von mir. Die Geschichte ist ja schließlich ganz nett.

Loonquawl
70
16.11.2011, 15:09

noch so ein rad hasser... was stört dich eigentlich so einem rad auszuweichen? weichst ja einem kinderwagen auch aus oder?

super cat
25
16.11.2011, 18:32

Ein Fahrrad hat am Gehsteig nichts verloren!

WRN
11
16.11.2011, 18:16

Ein Kinderwagen kommt aber nicht mit 25-30 kmh auf mich zugedonnert und droht mich zu töten wenn er mich trifft.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
16.11.2011, 22:32

- hab' auf gehsteigen in wien schon öfter rasende radfahrer mit kinderwagenanhänger erleben müssen!

Tethys
23
16.11.2011, 14:42

Am Zebrastreifen wird dem Fußgänger das Auto gefährlicher als der Radfahrer.

Marquis de Venosta
01
17.11.2011, 10:02
Selten, aber doch!

Mir kam in der Innenstadt einmal ein Porsche SUV mit ca. 40 km/h am Gehsteig entgegen. Der hatte hinter einem Fiaker die Nerven verloren und überholte mal eben mit zwei Rädern auf der Straße und zwei Rädern am Gehsteig. Der Gehsteig war zu diesem Zeitunkt wohl lehr.

Jetzt kam ich ums Eck gebogen. Klar, ich hatte das Fahrzeug schon aufheulen gehört, als ich noch in der Seitengasse war. Aber wer rechnet denn mit sowas?

Mittlerweile hatte er dann auch schon die Pferde geschnitten und war wieder auf der Straße. War aber trotzdem kein schönes Gefühl. Gar nicht.

schmu schubiak
00
17.11.2011, 12:48

was für ein glück dass Sie augen und ohren haben.

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