Cameron streckt die Hand aus

15. November 2011, 17:46
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Britischer Premier signalisiert EU Gesprächsbereitschaft

Wenige Tage vor seinem Besuch in Berlin hat David Cameron die harte Haltung seiner Regierung gegenüber der EU abgemildert. Großbritannien wolle mit anderen Verbündeten dazu beitragen, den Brüsseler Club "offener, wettbewerbsfähiger und flexibler" zu gestalten, sagte der Regierungschef in einer außenpolitischen Grundsatzrede am Montagabend. Die Krise der Eurozone biete die Chance für grundlegende Reformen, insbesondere die Vollendung des Binnenmarkts und des Bürokratieabbaus: "Das ist die Art von Reform, die ich herbeisehne."

Cameron hatte immer wieder die Lösung der Euro-Schuldenkrise angemahnt. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy rief den Briten daraufhin bei einem Gipfel wegen dessen "ungebetener Ratschläge" zur Ordnung. Aus Berlin hieß es, zur Rettung der Eurozone nötige Vertragsänderungen müsse man notfalls auch ohne die Briten durchsetzen. Allerdings signalisierte Kanzlerin Angela Merkel auch, sie wolle die Zukunft Europas lieber im Einvernehmen mit allen 27 EU-Staaten entscheiden als nur mit den 17 Euroländern.

Noch vor drei Wochen hatte der selbsternannte "Skeptiker" Cameron seine EU-feindliche Partei durch antieuropäische Rhetorik zu besänftigen versucht. Bei der Abstimmung über eine Volksabstimmung zu Großbritanniens EU-Austritt verweigerte ihm im Londoner Unterhaus dennoch beinahe ein Drittel seiner Fraktion die Gefolgschaft. In Camerons Umfeld scheint die Erkenntnis zu wachsen, dass dem harten Kern der EU-Hasser durch Appeasement nicht beizukommen ist.

Zudem mahnt der liberaldemokratische Vizepremier Nick Clegg zu Pragmatismus. Anstatt über die "Repatriierung von Kompetenzen" zu reden, müsse sich die EU "auf die Schaffung von Wachstum und Arbeitsplätzen konzentrieren". (Sebastian Borger aus London/DER STANDARD, Printausgabe, 16.11.2011)

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