Tabubruch einer politischen Aktivistin?

15. November 2011, 17:50
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Im ägyptischen Wahlkampf trat eine Frau nackt in ihrem Blog auf - Eine Debatte zwischen TraditionalistInnen und Frauenrechtlerinnen entfachte

Kairo - Zwei Wochen vor der ersten Parlamentswahl in Ägypten nach dem Ende der dreißigjährigen Ära von Präsident Hosni Mubarak sorgt der Blog einer Aktivistin für Diskussionen. Die Website des arabischen Nachrichtensenders Al-Arabiya meldete am Dienstag, eine Aktivistin der revolutionären Jugendbewegung "6. April" namens Alia al-Mahdi habe auf ihrem Blog Fotos veröffentlicht, auf denen sie nackt zu sehen sei. Das Medienbüro der Jugendbewegung, die im vergangenen Februar mit ihren Demonstrationsaufrufen zur Entmachtung Mubaraks beigetragen hatte, erklärte, die junge Frau habe der Bewegung nie angehört. Man müsse sich fragen, was Ziel der schon seit einiger Zeit andauernden Kampagne einiger Medien gegen den "6. April" sei.

Nacktfotos von Frauen stellen im arabischen Kulturkreis einen sehr schweren Tabubruch dar. Wenn der fragliche Blog mit den Jung-RevolutionärInnen in Verbindung gebracht werden könnte, würde dies deren Ansehen in Ägypten schaden.

Rose anstelle einer Kandidatin

Über die Frage, wie Frauen sich in der Öffentlichkeit zeigen sollen, wurde im ägyptischen Wahlkampf auch in der vergangenen Woche schon gestritten. Frauenrechtlerinnen hatten kritisiert, dass auf einem Wahlplakat der radikalen Islamisten-Partei Al-Nour anstelle des Fotos einer Kandidatin nur eine Rose abgebildet  war, während die Namen der Kandidaten alle mit Fotos veröffentlicht wurden. Der Vorsitzende der Partei, Emad Abdel Ghaffar, sagte, dies sei eine persönliche Entscheidung der Kandidatin gewesen. Der Parteichef erwartet, dass die Parteien der Salafisten - Islamisten, die eine noch stärkere Rolle für den Islam im Staat fordern als die Muslimbruderschaft - bei der Wahl zwischen 10 und 15 Prozent der Stimmen erhalten werden.

Die Wahl beginnt am 28. November und soll in drei Phasen ablaufen. Der letzte Wahlgang ist für Jänner geplant. Praktisch alle früheren Mubarak-Parteigänger dürfen nach einem Gerichtsentscheid kandidieren. Der regierende Militärrat unter Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi hat eine politische Sonderstellung auch nach den Wahlen beansprucht und will die Rolle des "Hüters der Verfassung" spielen. Tantawi war 20 Jahre Verteidigungsminister unter Mubarak. Jugendgruppen werfen den Streitkräften vor, Mubaraks alte Seilschaften an der Macht zu halten. Dem Militär werden auch Menschenrechtsverletzungen und Folter vorgeworfen. (APA)

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