Militäraktion hat Unsicherheit erhöht
Brüssel - Der Einmarsch kenianischer Soldaten nach Somalia
gefährdet nach Ansicht der Europäischen Union die Hilfe für Zehntausende
vertriebener und hungernder Menschen in Somalia. "Diese Militäraktion hat die
Unsicherheit erhöht", sagte der bei der EU-Behörde für Katastrophenhilfe (ECHO)
zuständige Abteilungsleiter Cees Wittebrood am Dienstag vor Journalisten in
Brüssel. Kenianische Soldaten hatten nach einer Reihe von Überfällen der
islamistischen somalischen Al-Shabaab am 16. Oktober die Grenze zum benachbarten
Somalia überschritten.
"Man kann die Gründe dafür verstehen, dass die Kenianer versuchen, die
Ordnung wieder herzustellen. Aber für die betroffenen Menschen sind die Folgen
sehr schlimm", sagte Wittebrood. "Wir haben Probleme, Zugang zu den
Hilfsbedürftigen zu bekommen." Kenia erlaube seit Beginn der Militäraktion keine
neuen somalischen Flüchtlinge mehr im auf kenianischer Seite der Grenze
liegenden Flüchtlingslager Dadaab. Nairobi weigere sich auch, neue Flüchtlinge
registrieren zu lassen und wolle andere Somalis in ein Lager in der Nähe der
Grenze zum Sudan verlegen.
"Die Al-Shabaab-Milizen achten das Humanitäre Völkerrecht nicht. Und es
besteht die Gefahr, dass auch die kenianischen Stellen gegen das Humanitäre
Völkerrecht verstoßen", sagte Wittebrood. "Wir müssen darauf dringen, dass der
Raum für humanitäre Hilfe erhalten bleibt."
Insgesamt seien am Horn von Afrika derzeit rund 30 Millionen Menschen von
verschiedenen humanitären Katastrophen - sowohl Dürre als auch Konflikte -
betroffen. 750.000 seien in Lebensgefahr, wenn ihnen nicht rasch geholfen wird.
Die Europäische Union - sowohl die Mitgliedstaaten als auch die EU-Kommission -
hat bisher rund 700 Millionen Euro Hilfe bereitgestellt. (APA)