Film über Prozess

Tierschützer im Kino: Das Land ist nicht sicherer geworden

Maria Sterkl, 16. November 2011, 06:15
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    Banges Warten auf das Ungewisse: Angeklagter Elmar Völkl im Landesgericht Wiener Neustadt

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    Verteidigung und Anklage: Anwalt Michael Dohr, Staatsanwalt Wolfgang Handler (v.li.)

Der Tierschützer-Prozess als Dokumentarfilm: "Der Prozess" ist ein Lehrstück in Sachen Justiz

Männer mit Jagdgewehren brüllen. "Ihr Trotteln", "ihr Depperten". "Wir brauchen wieder einmal einen Hitler", sagt einer. Niemand widerspricht. Alles ist auf Film festgehalten - Beweismaterial für einen Strafprozess. Nicht der nazisympathisierende Jäger ist es, der angeklagt wird, sondern die, die ihn gefilmt haben: AktivistInnen der Tierrechtsbewegung. Ein Jahr lang standen sie vor Gericht, ein Stück österreichischer Justizskandalgeschichte. Igor G. Hauzenberger hat den Prozess dokumentiert - sein gleichnamiger Film ist ab 25. November im Kino zu sehen.

Im Wald beim Spielen

"Der Prozess" ist nicht einfach nur eine Doku über das Wiener Neustädter Strafverfahren gegen 13 TierrechtlerInnen: Hauzenberger begleitet die AktivistInnen bei ihrer Arbeit, plaudert mit ihnen im Wohnzimmer, im Hochgebirge, am Waldbach beim Spielen mit den Kindern, bei der nachgestellten Schweine-Kreuzigung in der Innsbrucker Altstadt. Als Kontrapunkt interviewt er ParlamentarierInnen und zwei Justizministerinnen. Zwei Mal lässt sich der Filmemacher selbst dabei zeigen, wie er mit einer Sprecherin des Innenministeriums telefoniert: "Wir geben keine Stellungnahme ab", sagt diese. "Heißt das, niemand im Ministerium ist zu einem Interview mit mir bereit?" - "Nein", antwortet die Sprecherin, "wir geben keine Stellungnahme ab."

Es mag redundant erscheinen, dass Hauzenberger die Szene zwei Mal zeigt. Doch charakterisiert es seine Herangehensweise. Seine Technik ist die eines Journalisten, verschiedene Seiten zu zeigen ist ihm wichtig. Dass eine Seite fehle, betont er, liege nicht an ihm, sondern an der Weigerung der Polizei und der Innenministerin, mit ihm zu sprechen.

Redefreudiger zeigt sich da schon die damals zuständige Justizministerin Claudia Bandion-Ortner. Ob der Paragraf 278a StGB den Staat Österreich sicherer mache? "Grundsätzlich glaube ich nicht,  dass Österreich dadurch sicherer geworden ist", sagt Bandion-Ortner, "aber die Bestimmung hat schon ihren Sinn und Zweck." Eine bemerkenswerte Aussage, die nachdenklich machen sollte.

Mafiosi

Viel wird im "Prozess" zwischen den Zeilen erklärt. Man sieht einen mutmaßlichen Schwerkriminellen, den Angeklagten Felix Hnat, wie er einem leicht überforderten Landpolizisten etwas über "Vollzugsdefizte" erläutert. "Wir würden uns wünschen, dass die Exekutive hier einschreitet", sagt Felix Hnat, und zeigt auf die illegale Hühnerfabrik im Hintergrund. So sehen Mafiosi aus?

Man sieht eine verwunderte Sabine Koch, Hundetrainerin und der Nötigung angeklagt, wie sie einen Auszug aus dem Strafantrag in Händen hält. "Was da über mich geschrieben wird, das stimmt alles", sagt sie leise. "Aber ich weiß nicht, was daran strafbar sein soll."

Man sieht den Erstangeklagten Martin Balluch beim Schitourenwandern, als er Schokowaffeln mit seinem Hund teilt, und ängstlich zuckt, weil er ein Donnergrollen hört. "Ich hab‘ gedacht, das wär eine Lawine", sagt er, "aber es war nur ein Sturm."

Es fasziniert, wie es Hauzenberger, der die angeklagten TierrechtlerInnen drei Jahre lang begleitet hat, gelungen ist, seine immense Masse an Material zu einem stimmigen, in sich geschlossenen und trotz seiner Komplexität verständlichen Werk zu verdichten.

Am Tatort

"Der Prozess" ist ein Lehrstück. "Es gibt Bürgerstrafrecht, und es gibt Feindstrafrecht", erklärt die Linzer Strafrechts-Professorin Petra Velten. Wie schnell es in Österreich passieren kann, dass BürgerInnen zu FeindInnen werden, zeigt der Film eindrücklich. Das alles basiert auf geltendem österreichischen Recht. "Wir sind ja hier am Tatort, wenn man das so sagen will", spricht SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim in die Kamera. Der Ort, wo er steht, ist das österreichische Parlament. (Maria Sterkl, derStandard.at, 15.11.2011)

"Der Prozess" von Igor G. Hauzenberger wurde auf der Viennale 2011 mit dem Wiener Filmpreis und dem MORE Value Award ausgezeichnet. Er läuft ab 25. November in Wien im Kino.

Link

Der Prozess - Filmwebsite

Mehr zum Thema

derStandard.at-Schwerpunktseite zum TierschützerInnen-Prozess

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Posting 1 bis 25 von 206
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no nick no name
00
habe den film gestern gesehen,

absolut sehenswert, gehört in die schulen!

Mr. Creosote
 
10
8.12.2011, 16:27
Freier Download

Diesen Film sollte man zwecks Aufklärung der Öffentlichkeit nach der Kino- und einer angemessenen Vertriebsphase zum kostenlosen Download freigeben.

Taran
11
29.11.2011, 08:22
Der Mafia-Paragraph ist das was er eben aussagt...

Er schützt die Schlachthaus- und Jäger-Mafia vor dem feindlichen Volke :-)

terremoto
11
26.11.2011, 01:12

Hab den Film heute gesehen. Sehr empfehlenswert!

Nicht versäumen, hingehen!

Resteverwerter
11
24.11.2011, 13:12
Die ÖVP-Politjustiz kann man nicht mehr ernst nehmen

... aber man muss, leider, solange diese Halunken noch am Futtertrog der Macht sitzen.

sæglópur
02
23.11.2011, 10:45

habe den film gestern gesehen. unbedingt anschauen. für leute, die die das geschehen von anfang an verfolgt haben, war zwar nichts neues dabei, aber ich war trotzdem wie gefesselt.

da im gerichtssaal nicht gefilmt werden durfte, wurden gerichtsprotokolle mit illustrationen von chris moser dargestellt. das war eine super lösung, aber es ist trotzdem ewig schade darum, dass nicht alle mit eigenen augen sehen können, wie es im gerichtssaal vor sich ging. die durch die medien gefilterte versionen sind zwar schon aufreibend genug, aber ein großer teil der absurditäten geht natürlich zwangsweise bei der berichterstattung verloren.
wobei man auf tierschutzprozess.at ein ausgesprochen umfangreiches bild von dem ganzen bekommt.

goiserer97
01
20.11.2011, 10:56
Igor G. Hauzenberger

hätte u.U. sogar einen Posten im ORF oder Innenministerium bekommen wenn er im Goiserer Kinderpornoskandal 97 näher nachgeforscht und sein Wissen für sich behalten hätte. Reden ist Silber, Schweigen bringt eine gute Anstellung in einem Staatsbetrieb.

TheWasteLand
02
17.11.2011, 14:55
Folgendes:

Es wird hier nicht gelacht im Saal!

GhostInside
14
17.11.2011, 14:20
Wirtschaft

Fast schon wie in der USA. Jeder, der der Wirtschaft im Weg steht, wird eingesperrt, oder mit Klagen zugeschüttet.

FatFaceRicky
03
16.11.2011, 21:03

Wenn man dem Österreicher das Schnitzel streitig machen will, hört sich der Spass halt auf. Mahlzeit!

SK26
01
17.11.2011, 00:07

:) non plus ultra - bis hierher und nicht weiter!

John Sandwich
02
16.11.2011, 20:47
Operation Spring 2.0

http://kurzurl.net/operationSpring2 - eine kleine Nachlese

helmut wöhrer2
220
16.11.2011, 18:06
dr.klenk

nicht aus der verantwortung entlassen, der falterschreiber hat diese verfolgung unterstützt, die zeitschrift falter nie eine entschuldigung veröffentlicht, den staatsanwaltschaftlichen vertreter aus wr.neustadt vor gericht stellen, die soko kleider bauer und deren aktivisten ebenso, die liste ist lang, die justiz ist nicht geschädigt meinte ein sprecher des ministeriums im konkret, der soll länger als eine wortmeldung lang begründen was er meint, helmut wöhrer

mieswicht
01
7.12.2011, 22:02
Naja

dafür, dass der Klenk einen kritischen Artikel geschrieben hat muss er sich nicht entschuldigen. Ausserdem hat er nicht nur gegen die Tierschützer geschrieben.

byron sully
17
16.11.2011, 16:57

dieser politische schauprozeß sollte ein nachspiel in form eines parlamentarischen untersuchungsausschusses bekommen, der etwaige verbindungen zwischen övp, kleider bauer und der staatsanwaltschaft unter die lupe nehmen sollte.

Leck-o-mio
010
16.11.2011, 17:46
Ein Untersuchungsausschuss

zur Tierschutzcausa wurde - welch Überraschung! - bereits mit der Stimmenmehrheit von SPÖ/ÖVP und gegen die Stimmen der Oppositionsparteien abgelehnt. Die werden schon gewusst haben warum ...

weiter lesen
02
16.11.2011, 16:29
naja,

irgendwo hab ich gehört, dass der Prozess 4 Mio € gekostet hat.

Wieviele Homepages, Printwerbung oder sonstiges hätte man damit machen können...

Schade ums Geld.

sæglópur
01
23.11.2011, 10:24

bei der premiere gestern nannte traxler eine summe von 10 mio euro. wobei die angelegenheit ja noch gar nicht ausgestanden ist

Sie haben Ideologie? Wir dagegen feste Überzeugung!
01
17.11.2011, 01:28

4 Mio. hin oder her. Das wahre Drama ist das Grundrechte mit Füßen getreten wurden, wie zB mehrere Monate festhalten, ohne das noch überhaupt eine Anklage gegeben hätte...

GhostInside
02
17.11.2011, 14:29
Wirtschaft

Wenn die Interessen der Wirtschaft gefährdet sind, gibt es keine Grund- und Freiheitsrechte mehr.

goiserer97
01
20.11.2011, 11:00
Nicht nur Interessen...

der Wirtschaft. Interessen der Kirche und anderer moralinsaurer Vollkoffer genügen um dich OHNE BEWEISE für Jahre hinter Gitter zu bringen.

janeinvielleicht
05
16.11.2011, 18:02

der prozess + die soko und deren ermittlungen (ca 4 jahre) + verdeckte ermittlerInnen haben den staat wahrscheinlich noch mehr gekostet.

erschreckend auch, dass die angeklagten mit jeweils ca. einer halben million euro an schulden für anwaltskosten vor dem persönlichen ruin stehen. insofern war der tierschutzprozess ein voller "erfolg", da die staatliche prozesskostenrückerstattung auf 20€ pro verhandlungsbetrag limitiert ist. das ziel der ermittlungen war von anfang an den tierschutz mundtot zu machen und in ein schlechtes licht zu rücken, zumindest hier hat die kleiderbauer-övp-connection versagt. viele österreicherInnen haben erst duch den prozess vom vgt erfahren.

ich hoffe möglichst viele menschen schauen sich den film an.

rizzla
09
16.11.2011, 16:21
Die Kameras bitte warmhalten

Aus ihren Fehlern haben die drei großen Parteien nichts gelernt, der Mafiaparagraph wurde nie in Frage gestellt, im Gegenteil, ein zusätzliches Sicherheitsgesetz ist gerade erst beschlossen...jeder Bürger bezahlt das doppelt, einmal mit Steuergeld und einmal mit dem Verlust der eigenen Rechte.

Lichtfreak
15
16.11.2011, 15:50
Wenn nochmal sowas von der Tierkillerfraktion kommt

dann nehm ich für meine Wanderferien 2012 aber eine Säge mit! *g*

moulin rouge
25
16.11.2011, 15:17
POLIZEISTAATLICHE TRADITION DER ZWANGSKRIMINALISIERUNG

leider hat die Zwangskriminalisierung Unschuldiger unter Einsatz aller erdenklich verleumderischen Massnahmen im polizeistaatlichen Oesterreich Tradition. Interessanterweise sind sehr haeufig die Begruender von erfolgreichen Vereinen von diesen Ungesetzlichkeiten betroffen. Die Tierschuetzer hatten insoferne Glueck, dass der Massnahmenvollzieher, die Justiz, auf Grund des eindeutig zunehmendem Druck aus der Bevoelkerung den seltenen Rueckzug antrat. Tatsache ist, dass die korruptesten Richter in Oesterreich dies schoensten Karrieren machen! Auch ein Doku, seht es euch an: http://www.youtube.com/user/00DERPENDLER

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