"Es kommt nun mehr ans Tageslicht"

Eric Frey, 15. November 2011, 19:34
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    foto: standard/corn

    Ex-Staatsanwalt Georg Krakow berät nun Unternehmen, wie sie sich vor Strafverfolgung schützen können - durch Compliance.

Die Sensibilität gegenüber Korruption ist stark gestiegen, sagt Jurist und Ex-Bawag-Ankläger Georg Krakow

Jahrelang hat Georg Krakow als Staatsanwalt - bekannt vor allem durch den Bawag-Prozess - Topmanager wegen Wirtschaftskriminalität angeklagt und als Kabinettschef von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner von 2009 bis 2011 den Aufbau der Zentralen Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption (WKStA) vorangetrieben.

Nun hat der 45-jährige Spitzenjurist die Seite gewechselt: Als Senior Counsel bei der internationalen Sozietät Baker & McKenzie in Wien soll er Unternehmen beraten, wie sie sich durch die Einführung funktionierender Compliance-Systeme rechtzeitig vor Strafverfolgung schützen.

Gespür der Gesellschaft

Angesichts der Flut von Korruptionsaffären in Österreich scheint der Bedarf hier sehr groß. Allerdings ist Krakow überzeugt, dass nicht die Korruption, sondern die Sensibilität gewachsen ist. "Das Gespür in der Gesellschaft ist gestiegen und steigt weiter", sagt Krakow im Standard-Gespräch. "Vielleicht hat man im vorigen Jahrhundert noch weggeschaut, aber das wird heute immer weniger akzeptiert. Weder die Welt noch Österreich sind korrupter geworden, aber es kommt nun mehr ans Tageslicht."

Krakow verweist auf eine aktuelle Umfrage vom Karmasin-Institut für Die Presse, wonach 73 Prozent der Österreicher Korruptionsfälle für den Vertrauensverlust in die Politik verantwortlich machen. Auch die Medien würden in solchen Fällen härter recherchieren, es gebe immer mehr "Whistleblower", und neue gesetzliche Instrumente wie das Verbandsverantwortlichkeitsgesetz oder die Kronzeugenregelung würden die Strafverfolgung erleichtern. Auch der Aufbau der WKStA werde die Schlagkraft der Justiz erhöhen.

Entscheidend aber sei es, dass Unternehmen selbst begreifen, dass Gesetzesverletzungen ihnen mehr schaden als nützen. Krakow: "Man muss sich nur den Fall Olympus anschauen, wo Bilanzen frisiert wurden. Der Börsenkurs ist zusammengebrochen. Und auch der Telekom Austria geht es nicht besser, seit ihre Praktiken in der Öffentlichkeit diskutiert werden."

Ein Gesinnungswechsel ist bereits voll im Gang, zeigt sich Krakow überzeugt. Jeder Fall würde das Bewusstsein innerhalb der Betriebe schärfen. Genauso wie alle Unternehmen Controlling-Systeme eingeführt hätten, die Qualität der Bilanzlegung verbessert worden sei und kein größerer Konzern ohne Nachhaltigkeitsbericht mehr auskomme, so würden auch Compliance-Systeme, die Bestechung und andere Delikte verhindern sollen, immer mehr zur Norm werden. Das geschehe im Interesse der Unternehmen und ihrer Eigentümer, denn der finanzielle Schaden durch aufgedeckte Wirtschaftskriminalität sei enorm - neben den Strafen vor allem der Reputationsverlust, sagt Krakow.

Gefährdete Ehrlichkeit

Systematische Bestechungspraktiken würden zwar kurzfristig Vorteile bringen, aber sie machten Unternehmen auch erpressbar und gefährdeten die Ehrlichkeit im Betrieb. "Wenn ich Mitarbeitern Bestechung erlaube, dann werden sie dieses Verhalten als normal empfinden und sich fragen, ob sie das nicht auch zum eigenen Vorteil anwenden können", glaubt Krakow. Der Verzicht auf Bestechung mache Unternehmen profitabler, denn es zwinge Mitarbeiter dazu, sich wieder mehr mit dem Produkt zu beschäftigen.

Für Krakow sind funktionierende und gelebte Compliance-Systeme, in denen Fehler rasch aufgedeckt werden, auch ein hervorragender Steuerungsmechanismus, der dem Management Rückmeldungen aus dem Unternehmen liefert. "Beim Controlling geht es um Zahlen, in der Compliance um den Faktor Mensch." Deshalb sollten die Investitionen in Compliance - also die Einsetzung von Compliance-Beauftragten, Mitarbeiterschulungen und Risikoanalysen - weniger als Kostenfaktor denn als Chance gesehen werden. Entscheidend seien weniger Bekenntnisse von oben als die effektive Umsetzung auf allen Ebenen.

Das gelte auch für die Gesetzgebung. Krakow sieht wenig Bedarf für weitere legistische Verschärfungen. Wichtiger sei es, dass bestehende Gesetze wirksam umgesetzt werden. (Eric Frey, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 16.11.2011)

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17 Postings
Monsieur Ridicule
00
23.11.2011, 11:20
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der Baker Mckenzie usw ? Einem Spitzenjuristen wäre auch Anl 1 Z 11 UWG ("als Information getarnte Werbung gehört zu den unlauteren Geschäftspraktiken) ein Begriff.

Ludwig Wahnsinn
01
16.11.2011, 12:54
Gefährdete Ehrlichkeit

war das der standard witz des tages was krakow von sich gibt und ist er unter die öster. Kabaretisten gewechselt dann versteh ich den Artikel.

So unsauber wie die ermittlungen abgelaufen sind um einen alten mann ein zuckerl in den bart zu kleben, so ist dieser Artikel ein hohn.

Ehrlichkeit war dem Herrn der auch einen Duden besitzt ein Fremdwort in der Vergangeheit das Wort scheint dort wahrscheinlich nicht auf oder ist unleserlich beschrieben.

Mit dem modernen ausdruck Compliance-Systeme im Controlling versagt aber in der Republik scheinbar ständig oder gibts dort kein Controlling ?

Castrator
00
16.11.2011, 11:26
erneuter Versuch

Krakow ist kein Spitzenjurist, er ist ein publicitygeiler Günstling!

Die Anklage gegen Tormann Didulica war so etwas von daneben, dass man davon ausgehen muss, er machte sie nur deswegen, um wieder in den Medien präsent zu sein.

Es war schon ein bißchen zu viel Medienpräsenz, deswegen der große "Aufstieg" oder nun Seitenwechsel -:)

Man hat ihn durchschaut, das ist alles!

Wozu dieser Artikel? Schon wiedr eine Bühne f Krakow? Lächerlich, unter jeder Kritik!

erkelteter tiger
00
16.11.2011, 10:07
wenns nicht so ernst wäre:

"Ja, die weißliche ,Säure', die beim Angeklagten Moser gefunden wurde, könnte Sojamilch gewesen sein."

Eine geladene Chemikerin im Zeugenstand

erkelteter tiger
00
16.11.2011, 10:07
ups

falscher artikel

franz der freie
 
00
16.11.2011, 08:41
warum hat er beim flöttl so konsequent weggeschaut ?

der falsche wolf hat nur kreide gefressen. seine glaubwürdigkeit ist dahin. nicht ohne grund hat er seinen beamtenposten verlassen. ich vermute aber ein wiederkehrrecht binnen zehn jahren> bis gras über die causa bawag gewachsen ist.

Chrifa
01
16.11.2011, 08:28
Der Sinn seiner künftigen Beratumgstätigkeit

besteht darin, Unternehmen die Korruption zu lehren, ohne dabei juristische Verfolgung befürchten zu müssen.

erkelteter tiger
13
16.11.2011, 02:16
spitzenjurist?

das urteil, dass er angeblich für bandion im bawag prozess geschrieben hat wurde in der luft zerissen,

in seiner dienstzeit im ministerium, wurde das antikorruptionsgesetz ausgehebelt,

und seine karrierechancen in der justiz waren gering

jetzt würd mich interessieren warum der einen freundschaftsartikel bekommt?

Aguirre74
 
02
16.11.2011, 01:41

Da fragen sie ja gerade den richtigen. Die Nachwirkungen der unsäglichen Krakowa-Ära wird man noch sehr lang merken.

Samthand Schuh
03
15.11.2011, 23:21

Wieso interviewt Eric Frey ausgerechnet Georg Krakow zum Thema Korruption - und das ohne eine kritische Frage zu stellen? Ich finde es nicht gut, dass dem Günstling Krakow hier eine Bühne zur Erläuterung seines neuen Geschäftsfeldes gegeben wird.

Im Grunde kann sich ohnehin jeder selbst ausmalen, worin seine neue Arbeit besteht.

hcl3
00
15.11.2011, 21:05
spitzenjurist berät ex minister grasser oder?

ist das anders zu verstehen-
er wird den damen und herren das letzte schlupfloch zeigen
leider zum nachteil der exkollegen !

hcl3
04
15.11.2011, 21:02
habens dem flöttl sei kaputte festplatten ?

ja endlich
herr staatsanwalt
und endlich bemerkt dass die soraviabrüder, die fest mitgemischt haben bei den privatisierungen, gute freunde des grafen aus dem südburgenland sind.
und dass die buwogwohnungen mittels parlamentarischem beschluss gleich nach verkauf massiv wertgesteigert wurden ?
wieviele kollegen vergessen grad akten bis zur verjährung, wie im fall strasser -
da wird doch sicher eine interne liste geführt- von wegen transparenz oder ??

diktatur des boulevards
01
15.11.2011, 20:20

und das ist etwas von dem er nun wirklich etwas versteht. in bayern würde man sagen er sollte mit dem dreckigen klobesen... na ihr wisst schon

CEEIT
011
15.11.2011, 18:24
Wie erklärt er sich dann, dass

kein einziger (!) der politisch Vernetzten Korruptionsverdächtigen in U-Haft sitzt?
Die Parteienfinanzierungen intransparenter als in jedem Entwicklungsland sind?
Im Staatsnahen Bereich Großaufträge ohne Deals nicht möglich sind?
Selbst offiziell man keinen Genierer hat 12 Mio. € für ein 6-Seiten Gutachten zu zahlen und es dann großzügig aufgrund des Widerstandes auf 6 Mio. reduziert?
Im staatsnahen Bereich mehr für Berater ausgegeben wird als es Berater in Österreich gibt?
Bei jedem Immo-Deal es komischerweise eines Vermittlers im Dunstkreis der Beteiligten braucht?
uvm.

josef1234567
08
15.11.2011, 18:12
Humor muss man haben

Wieder ein ExMinistermitarbeiter der jetzt im Privatbereich Kasse macht. Kann man auch als Korruption bezeichnen.
So nebenbei: Von der Bawaggeschicht sitzt niemand im Gefängnis und auch ansonsten hat man nicht das Gefühl, dass ExPolitiker das Gefängnis fürchten müssten.

cuibono
13
15.11.2011, 20:37
Er macht Kasse, weil es das Beamtendienstrecht möglich macht.

Sein Wechsel in eine gutdotierte Position in der Privatwirtschaft mag zwar befremdend wirken, ist aber völlig legal. Daher muss der Unfug, Beamten die Möglichkeit zur Karenzierung zu geben und danach wieder den garantierten Job zu erhalten, schleunigst abgestellt werden.

ghoul g.
10
15.11.2011, 22:42
das würd ich differenzierter sehen

ich würde das erst ab einer gewissen ebene unmöglich machen, vorallem aber bei wissensträgern,...dass sich die höchsten viecher aus bmi und bm just. verselbständigen is ned so toll..in einigen bereichen (gesundheit) ist die stadt wien als dienstgeber mmn extrem fortschrittlich und ermöglicht einen gleitenden übergang in die selbständigkeit...das würd ich mir in der privatwirtschaft auch wünschen..das betrifft zwar nicht explizit die sog. karenz, aber ich begrüsse den flexiblen umgang mit der arbeitsverteilung

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