Burgenland

Darmkrebsvorsorge: Zwei Drittel machen Gratistest nicht

15. November 2011, 13:23

Vorsorgeprojekt wird seit 2006 landesweit durchgeführt - Tests kosten pro Jahr 321.000 Euro

Eisenstadt - Bereits vor 24 Jahren sind im Krankenhaus Oberpullendorf erste Tests zur Früherkennung von Dickdarmkrebs gemacht worden. Seit 2006 wird die Dickdarmkrebsvorsorge burgenlandweit durchgeführt: Bisher wurden rund 908.000 Teströhrchen verschickt. Rund 309.000 Burgenländer - etwa 34 Prozent der Gesamtbevölkerung - haben sich beteiligt, zog Gesundheitslandesrat Peter Rezar (SPÖ) in Eisenstadt eine Zwischenbilanz.

Dickdarmkrebs sei "kein unabwendbares Schicksal", sondern die einzige Krebserkrankung, die sich durch Vorsorge verhindern oder in einem so frühen Stadium erkennen lasse, dass der Krebs heilbar sei. "Dennoch wird die Darmkrebsvorsorge nur unzureichend in Anspruch genommen", erklärte Rezar. Das Land starte deshalb mit Partnern - unter anderem beteiligen sich Sozialversicherung, Ärztekammer, Krankenanstalten und Gemeindevertreterverbände - eine Informationstour.

Teilnehmer motivieren

Die Teströhrchen werden an Burgenländer ab dem 40. Lebensjahr verteilt. Ziel sei es, die Teilnahmerate zu erhöhen, so Projektleiter Karl Mach. Bei der Auswertung war das Testergebnis bei 27.343 Personen positiv. Neun Prozent der Teilnehmer hatten somit einen auffälligen Befund. 18.481 mal wurde eine Dickdarmspiegelung durchgeführt. Bei 475 Fällen zeigte sich ein besorgniserregender Befund: Insgesamt wurden 277 Karzinome und 198 Vorstufen von Karzinomen entdeckt.

Schaltstelle für das Vorsorgeprojekt ist die Burgenländische Gebietskrankenkasse (BGKK), die die Abrechnung durchführt und die Durchführungstermine in den Gemeinden koordiniert. Im Vorjahr wurde ein genaueres Testsystem eingeführt. Die Kosten für die Durchführung sollen in den Jahren 2011 bis 2013 unter der Annahme, dass die Beteiligung am Test gleichbleibt, jeweils 321.000 Euro betragen.

Wichtigste Risikofaktoren für die Entstehung von Dickdarmkrebs sind falsche Ernährung, Übergewicht sowie chronisch entzündliche Erkrankungen der Darmschleimhaut und Rauchen, erläuterte Primar Wilfried Horvath von der Österreichischen Krebshilfe Burgenland. Die "Sünden" in der Lebensweise machen sich vor allem im Alter bemerkbar: Ab 50 Jahre steige mit zunehmendem Alter das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. In über neun von zehn Fällen seien vor der Entstehung des Karzinoms viele Jahre hindurch Vorstufen in Form von zunächst gutartigen Darmpolypen nachweisbar, so Horvath: "Die konsequente Aufspürung und Entfernung dieser Polypen im Rahmen der Darmspiegelung könnte 90 Prozent der Erkrankungen verhindern." (APA)

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16 Postings
Der mündige Patient
00
17.11.2011, 09:21

Der Test über Blut im Stuhl als Krebsvorsorge ist gefährlich. Nicht bei jedem Darmkrebs muß Blut im Stuhl sein! Und der Patient wird in falscher Sicherheit gewiegt.
Es gibt bereits eine Bluttest, bei dem sehr genaue Resultate erzielt werden. Endgültige Sicherheit schafft nur eine Darmspiegelung.

Thomas3D
01

Stimmt absolut, die neuen Tests zielen auch nicht auf Blut sondern auf bestimmte Enzymwerte.
siehe: http://www.kesztele.at/2012/02/d... icherheit/

Und Darmspiegelung ist bei solchen Tests zur endgültigen Verifikation ohnehin immer fix vorgesehen. Aber eben nur wenn dieser positiv ausfällt.

Herr Plumm
10
16.11.2011, 14:25

hey ihr alten säcke. platz da für die jungen nachkommen!

theWatcher14
00
16.11.2011, 12:37
Darmspiegelung

Auf derart barbarische Untersuchungen verzichte ich. Ich werde ohnehin sterben, wen interessierts?

Severa
00
23.11.2011, 16:22

Mich.
So barbarisch ist es nun auch wieder nicht. Weniger barbarisch, als sich 9 Spritzen geben zu lassen ... ;))

theWatcher14
00
25.11.2011, 16:41
severa

7

Karl85
 
02
16.11.2011, 09:14
schon die Polypen bluten

Es ist ein Irrglaube, daß erst die Karzinome zu Blutungen führen, die man dann in irrationaler Angst vor sich selber leugnet ("sind sicher Hämorrhoiden") und sich vor dem Arztbesuch fürchtet. Keine allzugroße Angst: Zuerst einmal bluten die Polypen, aber die muß man wie beschrieben unbedingt entfernen, denn es ist dann höchste Zeit. Mit der Darmspiegelung kann man nur gewinnen. Hämorrhoiden, auf die man sich gerne ausredet, bluten übrigens wesentlich anders, heftiger. Ich spreche aus Erfahrung!

Bonair
01
15.11.2011, 21:51
Vielleicht wäre es intelligenter, diese Vorsorgeuntersuchung nicht rein auf Dickdarmkrebs zu beschränken.

Dann würde man den falsch-positiven im Screening nicht so viel Angst machen. Im Stuhl sollte kein Blut sein, aber nicht immer ist die Ursache gleich Krebs.

Transalpin2
00
16.11.2011, 08:33
Eine koordinierte Public Health Strategie ...

das wäre doch mal was! Dann müsste man aber auch mal prüfen, woher die grösste Krankheitslast in Österreich stammt, und danach priorisieren. Andere Länder machen das (AUS, CAN, NL).

Robgeb er
10
15.11.2011, 19:04
.

Na und? Wie viele der Darmkarzinome wurden jetzt durch die Vorsorgeuntersuchung geheilt??? Wie viele verstarben???

Transalpin2
00
16.11.2011, 07:37
genau das sind die Fragen ....

... die man durch Begleitevaluation gerne beantwortet sähe!

Transalpin2
00
15.11.2011, 15:28
Problem No.2 bei solchen unspezifischen Screenings

... ist die Frage, WER denn zu den 33% gehört, die am Gratistest teilnehmen. Ist deren Kolonkarzinom-Risiko gleich, höher oder niedriger als bei den übrigen 2/3 ???
321.000 Euro für Tests im Jahr ausgeben ist die eine Sache. Die Sinnhaftigkeit dieser Ausgabe parallel durch Begleitevaluationen prüfen, eine andere!!!

Transalpin2
01
15.11.2011, 15:23
Ruhmesblatt?

Auf:
http://www.burgenland.at/media/fil... rsorge.pdf
gibt es Infos über diese Kampagne: Von knapp 700.000 EW in der Zielgruppe haben 234.000 teilgenommen mit einem Stuhltest (Hämokkult vermutlich, da schon seit 1999).
Es waren 20.968 "Positiv" im Test. 13.630 traten dann auch zur Koloskopie an. Da wurden 347 Karzinome gefunden und 1648 "Hochrisikopolypen" (also rund 3000 "Treffer"). D.h., dass ich 78,1 Personen "screenen" muss, um 1 Erfolg zu haben, und dass ich pro Erfolg gleichzeitig 7 Personen in Angst versetzen muss (von denen vermutlich die meisten umsonst Angst haben). Nur bei den 7000 nicht zur Koloskopie Angetretenen könnten noch "Treffer" dabei sein.
Also da wäre ein anderer Erst-Test doch sicher besser!

mika33
00
15.11.2011, 17:18
Das Burgenland hat aber nur ca. 270.000 Einwohner.

Transalpin2
00
15.11.2011, 17:34
ab einem gewissen Alter soll man sich ....

laut Kampagnen-Planern jährlich screenen lassen.
Und das, obwohl die Chancen nach einem negativen Erst-Test deutlich geringer sind, bei einem 2. Test im Folgejahr etwas zu finden. .... absurd.

Transalpin2
00
15.11.2011, 17:09
Setzen, Kopfrechnen 5

Sorry, es sind natürlich nur 2000 Treffer, daher ist die Relation noch ungünstiger: es sind 117, die man screenen muss für 1 Treffer bei gleichzeitig 10,5 Verunsicherten pro Treffer.

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