Vatikan nimmt Rücktrittsgesuch von Bischof Fischer an

15. November 2011, 12:18
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Hat Rücktritt mit 75. Lebenjahr angeboten - Amtszeit war von umstrittenen Aussagen geprägt

Bregenz  - Papst Benedikt XVI. hat am Dienstag das Rücktrittsgesuch des Vorarlberger Diözesanbischofs Elmar Fischer angenommen. Das gab die Diözese Feldkirch in einer Aussendung bekannt. Fischer hatte dem Papst seinen Rücktritt wie vorgesehen mit Erreichen des 75. Lebensjahres angeboten. Fischer, der am 6. Oktober Geburtstag feierte, war am 3. Juli 2005 zum Bischof von Feldkirch geweiht worden. Seine Amtszeit war vor allem von umstrittenen Aussagen geprägt.

Das Konsultorenkollegium werde nun zusammentreten und einen Diözesanadministrator wählen, der die Diözese während der Sedisvakanz (der Zeitraum, in dem das Amt des Bischofs nicht besetzt ist) leiten wird. Bischof Fischer dankte in der Aussendung dem Papst für das Vertrauen, das er ihm mit der Ernennung und während der vergangenen sechs Jahre entgegengebracht habe, sowie für die Entlastung durch die altersbedingte Entbindung von den Amtspflichten. "In besonderer Weise" danke er auch seinem Generalvikar Benno Elbs. "Er hat mich großartig unterstützt", so Fischer. Elbs gilt als einer der Favoriten auf die Nachfolge im Bischofsamt.

Verbale Fehltritte und Gewaltvorwürfe

Das knapp mehr als sechsjähriges Wirken des Bischofs der Diözese Feldkirch war geprägt von vielen Tiefpunkten, Erfolge hingegen blieben rar. Fischer stand der jüngsten Diözese Österreichs seit 3. Juli 2005 als Bischof vor. Legte er mit geschickten Personalbestellungen zunächst noch einen guten Start in seine Bischofszeit hin, erwies sich das hohe kirchliche Amt in weiterer Folge als immer schwerere Bürde für den ausgebildeten Psychotherapeuten. Zahlreiche verbale Fehltritte und auch Gewaltvorwürfe gegen seine Person prägten seine Ära als Bischof. Umgekehrt darf er für sich in Anspruch nehmen, dass in der Zeit seines Wirkens eine wegweisende Strukturreform für die Vorarlberger Pfarreien erarbeitet wurde.

Besonders hoch her gingen die Wogen im Frühjahr 2010, als es hieß, Fischer habe als Lehrer bzw. Internatsleiter in den 1960er und 1970er Jahren Schüler geschlagen. Die Anschuldigungen erwiesen sich laut einem Gutachten des von der Diözese beauftragten Psychiatrieprofessors Hartmann Hinterhuber zwar als glaubhaft, zu mehr als einer halbherzigen Entschuldigung bei seinen angeblichen Gewaltopfern - der Bischof meinte wörtlich: "In meiner Erinnerung stellen sich die Dinge im Konkreten anders dar" - konnte sich Fischer aber nicht durchringen. Damit war die Affäre jedoch erledigt. Fischer hielt sich seitdem jedoch so gut wie möglich im Hintergrund, den Kontakt mit den Medien hatte er zuletzt eingestellt.

"Ohrfeigen hilfreich"

Unter anderem polarisierte der streng konservative Fischer mit seiner Meinung, dass Ohrfeigen "für junge Menschen hilfreich" sein können (was er später wieder zurücknahm). 2009 war die öffentliche Entrüstung groß, als Fischer Homosexualität für heilbar erklärt hatte. Die tags darauf folgende Entschuldigung - "Ich ging von einem offenkundig nicht mehr letztaktuellen wissenschaftlichen Stand der Literatur aus" - mochte man dem Bischof nur mit großem Wohlwollen glauben. Vor allem auch deshalb, weil Fischer als "Rückfalltäter" galt: Bereits 1996 hatte er als damaliger Generalvikar der Diözese seine tiefe Skepsis gegenüber Homosexualität in einem Rundbrief an die katholischen Pfarrämter kundgetan.

Kritik an Moscheen

Ebenfalls nicht anfreunden konnte sich Fischer mit dem Gedanken an Moscheen mit Minaretten im Land. Die Vorarlberger würden es nicht ertragen, wenn jetzt eine Moschee gebaut würde, ließ er 2008 wissen, nicht ohne anzumerken: "Ich sitze in der Provinz unter den Leuten, wie sie halt in Vorarlberg sind". Abseits der von großen Bevölkerungsteilen als unmöglich empfundenen Feststellungen war Fischer hingegen kaum öffentlich wahrnehmbar.

Austrittswelle in Vorarlberg

Viele Vorarlberger Gläubige zogen ihre Konsequenzen. Sie quittierten Fischers Aussagen (und die Missbrauchsfälle im Kloster Mehrerau), indem sie der Kirche den Rücken kehrten. 2009 wurde mit 2.515 Austritten ein Rekord verzeichnet, der 2010 mit 4.709 Austritten geradezu pulverisiert wurde. Heuer möchte man zumindest wieder auf das Austrittsniveau von 2009 zurückkommen.

Mit dem Bischof scheidet automatisch auch Generalvikar Benno Elbs aus seinem Amt. Das von Papst Benedikt XVI. beauftragte Konsultorenkollegium wird innerhalb von acht Tagen einen interimistischen Leiter für die Diözese wählen. Diesem Gremium gehören zehn Priester an, geleitet wird es vom der Weihe nach ältesten Priester. Es handle sich dabei um den im Ruhestand befindlichen Pfarrer Eugen Giselbrecht, hieß es. Der Diözesanadministrator wird dann die Diözese leiten, bis ein neuer Bischof in Amt und Würden ist. Der Papst wird den Kandidaten schriftlich über seine bevorstehende Ernennung informieren, die Weihe muss daraufhin innerhalb von drei Monaten erfolgen, innerhalb von vier Monaten muss er die Aufgaben und Pflichten des Amtes übernehmen.

Benno Elb könnte nachfolgen

Die Favoritenrolle dürfte er inzwischen gewöhnt sein: Generalvikar Benno Elbs' Name fällt in Vorarlberg, wann immer man über eine Nachfolge für Bischof Elmar Fischer spricht. Bereits 2004, als Bischof Klaus Küng nach St. Pölten gerufen wurde, galt der damals 44-Jährige vielen als Wunschkandidat für das Amt. Bedenken schuf aber sein zu niedriges Alter, das eine sehr lange Amtszeit von über 30 Jahren verursacht hätte. Nun, mit 51 Jahren, wäre Elbs im richtigen Alter.

Für den Prälaten Elbs spricht seine bisher steile Karriere in der Vorarlberger Kirche. Bischof Küng ernannte den damals erst 34-Jährigen im Juni 1994 überraschend zum Pastoralamtsleiter, zuvor war der 1986 zum Priester geweihte Psychotherapeut als Kaplan, Religionslehrer und Rektor des Studieninternats Marianum tätig. Seither bekleidete er zahlreiche kirchliche Ämter, im April 2003 wurde er zum Monsignore, zum Kaplan seiner Heiligkeit, bestellt. Am 4. Juli 2005 wurde er von Bischof Fischer zu seinem Generalvikar gemacht.

Nachfolgevorschlag von Fischer

Elbs genießt in großen Teilen der Bevölkerung wie in der Politik breite Akzeptanz. Weil sich Fischer seit dem Bekanntwerden von Gewaltvorwürfen eher im Hintergrund hielt, war häufig Elbs bei Pressekontakten öffentliche Stimme der Kirche Vorarlbergs. Elbs Name soll zudem auf dem drei Namen umfassenden Nachfolgevorschlag Fischers stehen, den jeder Bischof bei der Nuntiatur einreichen muss. Gute Chancen wurden Elbs auch auf den Bischofsstuhl von Graz eingeräumt. Nachdem Egon Kapellaris Amtszeit jedoch vom Heiligen Stuhl um zwei Jahre verlängert wurde, steigen Elbs Aussichten, doch in Vorarlberg zum Zug zu kommen.

Als weniger aussichtsreicher Kandidat aus Vorarlberg gilt Monsignore Walter Juen. Als Offizial, also Leiter des Diözesangerichts, genießt er als Kirchenjurist hohes Ansehen. Beobachter haben weiters den 1942 geborenen Rudolf Bischof auf der Rechnung.  Kircheninsider halten aber auch eine Bestellung eines Ordensmanns für möglich. . (APA)

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    Das Konsultorenkollegium werde nun zusammentreten und einen Diözesanadministrator wählen, der die Diözese während der Sedisvakanz nach dem Rücktritt Fischers leiten wird.

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