Suche nach weiteren Terror-Helfern

15. November 2011, 18:07
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    foto: harry soremski/dapd

    Polizeibeamte stehen in Kassel vor einem Internetcafe, in dem der angeschossene 21-jaehrige Halit Y. Anfang April 2006 gefunden wurde (Foto vom 06.04.06). Bei einem der Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) zugerechneten Morde soll ein damaliger Beamter des hessischen Verfassungsschutzes stärker involviert gewesen als bislang bekannt.

V-Leute im Visier - Ruf nach Konsequenzen wird lauter - CDU fordert Prüfung von NPD-Verbotsverfahren

Berlin - Die deutsche Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" hat sich bei ihrer beispiellosen Mordserie möglicherweise auf weit mehr Helfer stützen können als bisher bekannt. Wegen möglicher Verstrickungen von V-Leuten des Verfassungsschutzes in der rechtsextremen Szene wird der Ruf nach grundlegenden Geheimdienst-Reformen lauter. Zugleich steigt die Wahrscheinlichkeit eines neuen Anlaufs für ein Verbotsverfahren gegen die rechtsextreme Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD).

Das mutmaßliche Mitglied der Zwickauer Terrorzelle Beate Zschäpe will nach Informationen der "Stuttgarter Nachrichten" (Mittwoch) eine umfassende Aussage machen. "Sie will auspacken und berät sich deshalb mit ihrem Anwalt", zitierte das Blatt einen Beamten aus Ermittlerkreisen. Nach einem ARD-Bericht hatte das Trio, das für zehn Morde verantwortlich sein soll, einen Unterstützer in Sachsen. Der in Johanngeorgenstadt lebende Neonazi Matthias D. habe die Wohnung in Zwickau angemietet, in der Zschäpe von 2001 bis 2008 unter falschem Namen lebte. Zudem sei der 34-Jährige Mieter der Wohnung gewesen, in der Zschäpe mit ihren Komplizen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zuletzt Unterschlupf fanden, berichtete das Magazin "Fakt" am Dienstag.

Hinweise auf Helfer

Matthias D. sagte dem Online-Magazin stern.de: "Ich habe damit nichts zu tun." Er bezeichnete die Vorwürfe gegen ihn als Missverständnis. Der damalige Hausverwalter ist sich "zu 100 Prozent sicher", dass er stets mit Böhnhardt zu tun hatte, der sich als Matthias D. ausgegeben habe. Er habe sich im September 2007 gemeldet und wollte die Wohnung mieten. Einen Ausweis habe er nicht verlangt.

"Es gibt Hinweise auf weitere Helfer", sagte der Vorsitzende des parlamentarischen Gremiums zur Kontrolle der Geheimdienste, SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann, nach einer Sitzung des Gremiums. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl (CSU) sagte: "Weitere Mitwisser gibt es auf jeden Fall." Es bestehe die Gefahr, dass Mittäter noch unentdeckt seien. Mehrere Politiker warfen den Verfassungsschutzbehörden Versagen vor. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte in Leipzig, wenn ein V-Leute-Einsatz kaum Erfolg habe und ein NPD-Verbotsverfahren daran scheitern könne, müsse dieses Instrument auf den Prüfstand.

Verwirrung gab es um einen hessischen Verfassungsschützer, der 2006 am Tatort eines Mordes in Kassel war. Nach unbestätigten Medienberichten soll er noch während des Mordes 2006 in dem Café anwesend gewesen sein. Nach einem Bewegungsprofil könnte er sogar bei sechs der neun Morde aus der Serie in der Nähe des Tatortes gewesen sein. Entsprechende Hinweise wurden im Kontrollgremium des Bundestags aber nicht bestätigt. Oppermann teilte mit: "Dieser Mann hat eine offenkundig stark rechte Gesinnung."

In Thüringen soll der ehemaliger Richter am Bundesgerichtshof Gerhard Schäfer herausfinden, was schiefgegangen ist bei der Jagd nach dem Neonazi-Trio. Innenminister Jörg Geibert (CDU) stellte den 74-Jährigen als Vorsitzenden einer Untersuchungskommission vor. Die drei Rechtsextremen aus Jena konnten 1998 trotz Haftbefehls und der Beobachtung durch den Landesverfassungsschutz untertauchen. Das Untersuchungsgremium soll in den nächsten drei Monaten die Umstände prüfen.

Immer mehr Fürsprecher findet ein NPD-Verbot. Für die Prüfung eines neuen Verfahrens sprach sich einstimmig der CDU-Parteitag aus. Die Delegierten folgten damit ihrer Parteichefin Kanzlerin Angela Merkel. In der ARD sagte Merkel: "Wir müssen uns sehr sicher sein, dass das vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand hat. Dazu müssten wir auf die sogenannten V-Leute (...) verzichten." Dies müsse abgewogen werden. Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte im ZDF: "Das ist mit einem hohen Risiko verbunden, weil wir dann über viele Jahre keinen Einblick in den inneren Betrieb der Partei haben." SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel sagte "Spiegel Online": "Das Verbot der NPD muss kommen - völlig unabhängig von der Mordserie." Das Bundesverfassungsgericht hatte ein erstes Verbotsverfahren 2003 gestoppt.

Das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags, der Innenausschuss und wohl auch der Rechtsausschuss wollen sich in den kommenden Tagen weiter mit den Taten und den Hintergründen befassen. Die Mordserie und die Rolle des hessischen Verfassungsschützers wird auch die Kontrollkommission des hessischen Landtags beschäftigen. Der Abgeordnete Hans-Christian Ströbele (Grüne) forderte die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses des Bundestages. (APA)

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RSteiner
00
17.11.2011, 18:51

Langsam kommt mir der Verdacht, dass ohne Verfassungsschutz diese "Szene" aus Geld- und Personalmangel eingehen würde.

In Österreich scheint die "Szene" ja auch aus Küssel und ein paar vom ORF bezahlten Hooligans zu bestehen.

Interessanter Zufall ist auch, dass die Dönermorde aufgehört haben, nachdem der V-Mann vom Verfassungsdienst entlassen wurde.

GRohnePunkte
00
17.11.2011, 14:33
Schön langsam glaube ich, dass unser KHG ...

... auch ein V-Mann des Verfassungsschutzes in unserer Bundesregierung war. Von dem wusste man auch so allerlei, aber man konnte und kann da nichts tun, weil man ja sonst keine Informationen mehr aus dem Inneren Zirkel bekommt.

*** Ironie off :::

Stuff
20
16.11.2011, 22:17
Ich verstehe die Aufregung nicht,

denn es sollen ja nun V-MännerInnen aus allen EU-Ländern in allen EU-Ländern Dienst tun dürfen, da die Gefahr, die GefahrIn und die Gefahren so, so, so gross sind, dass das nur so geht.

Egal wo Sie leben: Schreiben Sie Ihren AbgeordnetInnen dass Sie das nicht, buchstabiert: N-I-C.H-T, wünschen…

goldener_drache_spielt_mit_phoenix
12
15.11.2011, 19:12
"Immer mehr Fürsprecher findet ein NPD-Verbot."

Ah ja, man will also im Untergrund agierende Extremisten aufhalten, indem man eine offen agierende Gruppierung verbietet. Klingt nach einem guten Plan!

FalscherProphet
00
16.11.2011, 22:13
Ja - aber man könnte hierzulande

einmal DIE DISKUSSION anstoßen, ob nicht die rechtsextreme Strache-FPÖ verboten werden sollte.

Nur einmal ein öffentlicher DISKURS -
alleine das erbärmliche Gejammere von politischen Extremisten wie Strache und Vilimsky (wobei die doch SELBST gerne Verbote von ihnen nicht zu Gesicht stehenden Kabarettisten im TV fordern)
wäre diese Aktion wert.

goldener_drache_spielt_mit_phoenix
00
21.11.2011, 17:32
könnte man anstoßen, ja

bringen würde es aber nichts, ausser viel medialer Aufmerksamkeit für Strache & Co.

kelchstein
01
15.11.2011, 18:21
Offenbar will man den Geheimdienstskandal aussitzen

In einem gerichtlichen NPD Verbotsverfahren, wäre es nicht möglich den Verdacht der tiefen Verstrickung des Verfassungsschutzes auszusitzen.

Mr.Matze
22
15.11.2011, 17:20

V-Leute und Verfassungsschutz sollte verboten werden.
nicht das erste mal das sie zu Straftaten angestiftet haben.

goldener_drache_spielt_mit_phoenix
10
15.11.2011, 19:11
Ja das sollte man machen

und in 10 Jahren schauen, was dabei rauskommt. Ich würde aber das Experiment aber lieber aus der Ferne betrachten...

Raptor Jesus
51
15.11.2011, 17:09
Damit ist die NPD so gut wie verboten.

Der einzige Bremsklotz, der das Verbot aufhielt war die CDU.
Die scheint doch tatsächlich nach links gerückt zu sein. Nichts ausergewöhnliches, die Konservativen müssen sich alle 15 Jahre oder so neu finden, sonst wären konservative Frauen heute noch immer vor dem Herd ohne Wahlrecht.
In 15 Jahren werden die so tun, als ob der Mindestlohn eine konservative Idee gewesen um die Kaufkraft zu erhöhen und die Wirtschaft zu stärken.

Jürgen Rembremerding
15
15.11.2011, 17:46
"Der einzige Bremsklotz, der das Verbot aufhielt war die CDU. "

Nein: das Bundesverfassungsgericht!

Raptor Jesus
00
15.11.2011, 23:56
Komm mir net mit unabhängiger Judikative.

Als es um Studiengebühren in Hessen ging, konnte man schon anhand der parteibücher der Richter ablesen, wie das endet.
http://www.spiegel.de/unispiege... 80,00.html

familie sommer per email
21
15.11.2011, 18:18
aber die cdu ist notwendig

um die verfassung zu ändern. und dann ist ein verbot eben verfassungskonform (oder grundgesetzkonform wie es in d heisst)

Jürgen Rembremerding
01
15.11.2011, 18:27
so weit kommt es noch, dass man wegen der NPD

das Grundgesetz ändert!

mief quirl
00
17.11.2011, 09:02

In Österreich ändert man die Verfassung sogar für die Taxler.

Harl-Geinz Krassers Friseur
01
15.11.2011, 18:24

das verbotsverfahren ist deshalb gescheitert, weil übetrieben gesagt, jeder zweite npd'ler ein v-mann war.
damit hat die cdu und die verfassung sicherlich nichts zu tun..

wurm83
 
02
15.11.2011, 17:08
rein logisch

amnesty beschwert sich regelmäßig, dass in österreich sowohl bei der polizei nals auch bei gerecht sehr rechtslastige tendenzen zu erkennen sind...

solche beschwerden gab es über deutschland nicht...also entweder die rechten in deutschland sind viel klüger als unsere oder es ist in österreich noch ein viel schlimmerer sumpf...

ich befürchte es ist letzteres

Herr und Frau Österreicher
 
00
17.11.2011, 09:40
"die rechten in deutschland sind viel klüger als unsere"

Warum? Es hat ja in Ö. nie zu Konsequenzen geführt...

helge schneider
21
15.11.2011, 17:05
die alte lehre

vom parteienverbot, das extremisten in den untergrund drängt, haben die herren u. dame wohl vergessen ?

nazis gibts in deutschland, da kann fr. merkl noch so heulen.

ameno
02
15.11.2011, 16:31

ich fordere eine prüfung eines CDU-verbotsverfahrens. :) staatsgefährdend sind sie ja eindeutig.

totila39
02
15.11.2011, 15:09

Man dachte also immer, dass der Verfassungsschutz seine V-Leute in der rechtsextremen Szene hatte, jetzt stellt sich wohl heraus, dass es umgekehrt war!

hans der 3te
11
15.11.2011, 14:47

schon wieder ein inside job. stärkt das vertrauen in die demokratie. yay!

kernoelpapst
54
15.11.2011, 13:45
Islamische Gefahr? - Von wegen!

Da soll noch jemand davon reden, dass wir bedroht sind von Muslimen, die sich zu bestimmten Zeiten gen Mekka wenden. Das ist ja wohl lachhaft! H. C., überleg' dir eine andere Strategie, wir haben bei Gott andere Probleme als Muslime, Moscheen und vermeintliche Schläfer. Gefahren werden alleine dazu geschaffen, um einfältige Menschen um sich zu scharen und an die Macht zu kommen.
JEGLICHE Art von Extremismus ist zu verfolgen und zu verurteilen. Aber scheinbar ist die deutsche (und vielleicht auch unsere) Jusitz und Polizei teilweise braun durchsetzt und daher nicht in der Lage und ganz offenbar auch nicht Willens, gegen diese Szene ERNSTHAFT vorzugehen ...

avier
24
15.11.2011, 14:57
AW: Islamische Gefahr? - Von wegen!

@kernoepapst
"Da soll noch jemand davon reden, dass wir bedroht sind von Muslimen, die sich zu bestimmten Zeiten gen Mekka wenden. Das ist ja wohl lachhaft! H. C., überleg' dir eine andere Strategie, wir haben bei Gott andere Probleme als Muslime, Moscheen und vermeintliche Schläfer."

Ihre Logik kann ich nicht nachvollziehen. Nur weil sich dieser Fall jetzt als rechtsextremistisch motiviert herausstellt, heißt das doch nicht, dass es jetzt auf einmal keine islamisch oder linksextrem motivierten Terroristen mehr geben kann. So was anzunehmen wäre grob fahrlässig.

ameno
01
15.11.2011, 16:34

nur, daß halt die kleine braune bande hier mehr tote in deutschland verursacht hat als die tausenden gemeingefährlichen schläfer und selbst zum teil im staatsdienst ist und großes interesse daran hat, von sich ab zu lenken...
schauns mal was momentan in nyc los ist, dann wissen sie wohin ein solches system führt.

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