Es wird weniger gekokst und gekifft

15. November 2011, 11:47
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Weniger Rauchen unter Jugendlichen reduziert offenbar auch den Haschischkonsum - Rückgang auch bei Kokainkonsum

Die Finanz- und Wirtschaftskrise dürfte in Europa Kokain aus Kostengründen ins "Out" treiben. Der Rückgang des Anteils der Raucher unter Schülern und Jugendlichen in vielen Ländern - Österreich hat hier aber immer noch sehr hohe Zahlen - könnte auch zu einer Reduktion des Cannabis-Konsums führen, stellte am Dienstag die Europäische Drogenbehörde (EBDD) bei der Vorstellung ihres Jahresberichts 2011 in Lissabon fest.

"Im Laufe des letzten Jahrzehnts wurde Kokain zum am häufigsten konsumierten illegalen Stimulans in Europa, wenngleich die meisten Konsumenten nur in einer begrenzten Anzahl westlicher EU-Länder leben. Etwa 14,5 Millionen Europäer (15 bis 64 Jahre) haben irgendwann in ihrem Leben Kokain ausprobiert, darunter etwa vier Millionen Menschen, die Kokain in den letzten zwölf Monaten konsumiert haben", stellen die EBDD-Experten fest.

Wende

Doch hier könnte eine Wende eingetreten sein: "Aktuelle Umfragen zum Kokainkonsum deuten auf einige positive Entwicklungen in den am stärksten betroffenen Ländern hin. Dänemark, Spanien, Italien und das Vereinigte Königreich beispielsweise - vier der fünf Länder mit den höchsten Konsumraten - meldeten einen Rückgang beim letztjährigen Kokainkonsum bei jungen Erwachsenen (15 bis 34 Jahre); dies spiegelt die in Kanada und den Vereinigten Staaten beobachtete Tendenz wider."

"Aufgrund der finanziellen Kosten des regelmäßigen Kokainkonsums sinkt die Attraktivität der Droge möglicherweise in Ländern, in denen jetzt Sparsamkeit gefragt ist", heißt es in dem Bericht zu den möglichen Gründen. Der durchschnittliche Verkaufspreis von Kokain liegt in den meisten EU-Ländern zwischen 50 und 80 Euro pro Gramm. Das positive Image der Droge als Bestandteil eines Jet-Set-Lebensstils werde offenbar zunehmend durch das wachsende Bewusstsein für kokainbedingte Probleme infrage gestellt (z. B. Notfallbehandlungen im Krankenhaus, Behandlungsanfragen und Todesfälle).

Doch vorbei ist diese Problematik natürlich nicht. Die EBDD: "Etwa 17 Prozent der Drogenkonsumenten, die sich in Behandlung begeben, geben Kokain als Primärdroge an. Jährlich werden außerdem in Europa rund 1.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Kokain verzeichnet. Kokainkonsum geht oft mit Alkoholkonsum (in Form des 'Rauschtrinkens') einher. Aus aktuellen Studien geht hervor, dass mehr als die Hälfte der kokainabhängigen Patienten in Behandlung auch eine Alkoholabhängigkeit aufweisen."

Abwärtstendenz beim Cannabiskonsum

Einen positiven Trend gibt es laut der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) auch bei Cannabis. Zwar hätten "etwa 78 Millionen Europäer - das heißt ein Fünftel der Erwachsenen zwischen 15 und 64 Jahren - (....) irgendwann in ihrem Leben Cannabis ausprobiert; darunter rund 22,5 Millionen Menschen, die Cannabis in den letzten zwölf Monaten konsumiert haben", doch "die neuesten europäischen Daten bestätigen die allgemeine Stabilisierungs- oder Abwärtstendenz beim Cannabiskonsum unter jungen Erwachsenen (15 bis 34 Jahre) ..."

Umfragen unter Schülern (15 Jahre 16 Jahre) spiegelten diesen Rückgang ebenfalls wider. Ein möglicher Grund für diese Entwicklung: "Ein Rückgang beim Tabakkonsum kann sich auch auf die Entwicklung des Cannabiskonsums in Europa auswirken, wo diese beiden Substanzen in der Regel kombiniert konsumiert werden. Ein Vergleich der letzten beiden ESPAD-Schulumfragen (in den Jahren 2003 und 2007) in 23 EU-Ländern lässt eine insgesamt rückläufige Entwicklung beim Rauchen von Zigaretten (von 33 Prozent auf 28 Prozent) und dem Cannabiskonsum (von neun Prozent auf sieben Prozent) in den letzten 30 Tagen vor der Umfrage erkennen." 

Synthetische Drogen: "Katz- und Maus-Spiel"

Zu einem klassischen "Katz-und-Maus-Spiel" entwickelt sich die Situation rund um die "Legal Highs" und die synthetischen Drogen. Das gilt auch für die Grundstoffe zur Herstellung der verschiedenen psychotropen Substanzen, die für den Missbrauch bestimmt sind.

Die Drogenbeobachtungsstelle: "Synthetische Drogen, einschließlich Ecstasy (MDMA, MDEA, MDA) und Amphetamine, werden in Europa aus eingeführten chemischen Grundstoffen illegal hergestellt. Der Bericht stellt dar, wie Hersteller ausgefeilte Techniken zur Umgehung der Vorschriften anwenden, die die Abzweigung dieser Grundstoffe verhindern sollen. Zu diesen Techniken zählen die Synthetisierung dieser Grundstoffe aus deren Vorstoffen oder die Tarnung als nicht kontrollierte Substanzen mit anschließender Rückumwandlung nach der Einfuhr."

Ein Beispiel für Ecstasy: Nach der Umsetzung erfolgreicher Maßnahmen zur Verringerung der Abzweigung des MDMA-Grundstoffs PMK scheinen Hersteller nun verschiedene Vorstoffe, einschließlich Safrol, als Ausgangsstoffe für die Synthese von MDMA heranzuziehen. Im Zeitraum 2009 bis 2010 wurden um die 1.050 Liter an Safrol und stark safrolhaltigen Ölen sichergestellt, der Großteil davon in Litauen.

Jedenfalls: Elf Millionen Europäer haben irgendwann in ihrem Leben Ecstasy ausprobiert, darunter etwa 2,5 Millionen in den vergangenen zwölf Monaten. Darüber hinaus haben etwa 12,5 Millionen Europäer irgendwann in ihrem Leben Amphetamine ausprobiert, darunter zwei Millionen in den letzten zwölf Monaten. Aus den aktuellen Daten zur Fünfjahrestendenz ließe sich allerdings ermitteln, dass die Zwölf-Monats-Prävalenzraten des Konsums von Ecstasy und Amphetaminen unter jungen Erwachsenen (15 bis 34 Jahre) insgesamt stabil oder rückläufig sind.

Es wird weniger Heroin injiziert

Die Zahl von Suchtgiftkonsumenten, die sich Heroin injizieren, nimmt eher ab. Der Opioid-Gebrauch ist stabil, doch jährlich sterben in Europa zwischen 10.000 bis 20.000 Menschen durch Überdosierungen und aus anderen drogenbedingten Ursachen. Die offiziellen Statistiken sprechen nur von 7.600.  "Nach Schätzungen der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) konsumieren in der EU und Norwegen mehr als 1,3 Millionen Menschen regelmäßig Opioide. Etwa die Hälfte (51 Prozent) der Drogenkonsumenten, die sich in Europa in Behandlung begeben, geben Opioide als ihre Primärdroge an", heißt es in dem Report.

Das Positivum, weil gerade das Injizieren von Heroin und ähnlichen Drogen am gefährlichsten ist: "Aus den Angaben der Heroinkonsumenten, die sich in Behandlung begeben, ergibt sich über einen Fünfjahreszeitraum hinweg, dass der Anteil der injizierenden Konsumenten in den meisten europäischen Ländern zurückgeht. Den neuesten Daten zufolge handelt es sich bei weniger als der Hälfte (40 Prozent) aller Patienten, die sich wegen Opioidmissbrauchs in Behandlung begeben, um regelmäßig injizierende Konsumenten."

Auf der anderen Seite wird aus einigen Teilen Europas der vermehrte Konsum anderer Opioide als Heroin gemeldet. Dies deckt sich mit einer Entwicklung, die auch schon in Australien, Kanada und den USA zu beobachten war. (APA)

 

  • Der durchschnittliche Verkaufspreis von Kokain liegt in den meisten EU-Ländern 
zwischen 50 und 80 Euro pro Gramm. Die Finanz- und Wirtschaftskrise könnte in Europa Kokain aus Kostengründen ins "Out" treiben.
    foto: apa/dpa/pleul

    Der durchschnittliche Verkaufspreis von Kokain liegt in den meisten EU-Ländern zwischen 50 und 80 Euro pro Gramm. Die Finanz- und Wirtschaftskrise könnte in Europa Kokain aus Kostengründen ins "Out" treiben.

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