Genarrt, geprellt, getäuscht

Wie man die Zensur austrickst, ohne es überhaupt zu wollen

"Scheiß Standard!
Wollte nur mal sehen, ob das geht."

Klar geht das, lieber Richard Ebner. Sie müssen nur damit rechnen, dass Ihr Beitrag dann im Posting-Friedhof erscheint und nicht bei "RTL mahnt Blogger wegen 'Scheiß RTL' ab".

Aber ... Zeit für ein Geständnis ... unter besonderen Umständen kann es auch anders gehen. User wolfetone hat die Zensur komplett ausgehebelt und dabei noch nicht einmal eine böse Absicht verfolgt. Exakt vier Minuten nach dem offiziellen Faschingsbeginn (und vielleicht ein wenig davon in Laune gebracht) postete er zum Thema "Männermodels: Fünf Brusthaare für ein Halleluja":

"Grüß Euch, es Hurenbeidl, es oarschwormen.
'Tschuldigung, nur wegen der Aufmerksamkeit warats gewesen. Könntes dem zuständigen Autor bitte Bescheid geben, er möge den von meinem Vorposter angemerkten Fehler im Text korrigieren? Weil das ist schon sehr ärgerlich, vor allem weil es immer wieder wo falsch auftaucht.
Bitte danach mein Posting der Rundablage zu übergeben, schönen Freitag noch und tuts nimmer zviel. lg."

Das hat er aber gefickt eingeschädelt, hätte es damals bei "RTL Samstag Nacht" geheißen. Und an dieser Stelle trug es den Zensur-Zug auch aus dem Gleis. Die Konzentration richtete sich danach nämlich voll und ganz auf den erwähnten Fehler im Text - genauer gesagt eine Frage zur Schreibweise, die erst mal für Diskussionen sorgte. Das Posting selbst, das sogar um seine eigene Löschung bat (sowas kommt definitiv nicht alle Tage rein!), schubladisierte sich hingegen in den Hinterköpfen als "kontextuell gesehen harmlos". Und stand dann zum Gaudium der übrigen UserInnen gerade lange genug online, um eine ganze Reihe von Theorien hervorzubringen, wie es durch die Zensur gekommen ist. (Alle falsch übrigens.)

Ja, was soll frau/man sagen? Asche auf unsere Häupter, Geißeln auf unsere Rücken! Zum Trost wissen wir - w-i-s-s-e-n wir -, dass den Trick nicht jedeR nachahmen kann; selbst Meister wolfetone konnte ihn ja nur unabsichtlich hinzaubern.

Schließen wir mit einer simplen Bitte: Sie müssen in solchen Fällen nicht mit Güllekanonen auf Spatzen schießen, Sie können gerne auch die "melden"-Funktion verwenden, um auf ein Posting aufmerksam zu machen. Dann schlafen wir auf unseren blutigen Rücken wieder ein kleines bisschen ruhiger. (ZensorIn, derStandard.at, 16.11.2011)

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