Polizei will Präsenz in Favelas bis zur Fußball-WM ausbauen

15. November 2011, 10:08
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In Armen-Region sollen 40 "friedenstiftende Polizeieinheiten" stationiert werden

Nach der Besetzung der von Drogengangs beherrschten Armensiedlung Rocinha in Rio de Janeiro will die Polizei weitere Favelas der Stadt unter ihre Kontrolle bringen. Bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien sollen die sogenannten "friedensstiftenden Polizeieinheiten" (UPP) in den Favelas von derzeit 19 auf 21 aufgestockt werden, sagte der Sicherheitssekretär des Bundesstaates Rio, Jose Mariano Beltrame, am Montag in einem TV-Interview.

Mit der Aktion am Sonntag sei den Drogengangs ein sicherer Hafen entzogen worden. "Es kann sein, dass vielleicht noch Dealer dort sind. Aber jetzt sind eben auch der Staat und die Polizei da. Wir müssen zeigen, dass wir bleiben und dass wir die Glaubwürdigkeit unter der Bevölkerung verdienen", sagte Beltrame. Rocinha war am Sonntag in einer massiven Operation besetzt worden. An dem Einsatz nahmen 3.000 zum Teil schwer bewaffnete Polizisten, Marine-Soldaten, Panzer-Fahrzeuge und Helikopter teil.

Die Einnahme der Favela im Süden Rios und zwei kleiner Nachbarsiedlungen dauerte nur zwei Stunden. Während der Aktion fiel kein Schuss. Die Polizei stellte 300 Kilogramm Drogen sicher, darunter Marihuana, Kokainpaste und Crack. Außerdem wurden 15 Maschinenpistolen, Granaten, Pistolen und 16.000 Schuss Munition beschlagnahmt. Rocinha zählt 70.000 bis 100.000 Einwohner und gilt als größte Favela Brasiliens. Im bevölkerungsreichsten Land Südamerikas werden 2016 auch die Olympischen Sommerspiel veranstaltet.

Schon vor der Razzia am Wochenende war den Sicherheitskräften im Armenviertel von Rio ein mutmaßlicher Drogenboss ins Netz gegangen. Der 35-jährige Bandenchef, der unter dem Namen "Nem" bekannt ist, wurde von der Polizei in einem Kofferraum eines angehaltenen Autos entdeckt. In dem Wagen saßen drei Männer, von denen einer angab, Diplomat und Honorarkonsul der Demokratischen Republik Kongo in Rio zu sein. Er pochte zunächst auf seine Immunität, später versuchte es das Trio mit 417.000 Euro Besteckungsgeld. (APA)

Ansichtssache
Armee marschiert in größte Favela ein
Operation "Shock of Peace" in Rocinha

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