Gier macht erfinderisch

Leserkommentar16. November 2011, 09:03
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Die Gier im Bankengeschäft wird man nicht abschaffen können. Jedoch sollten Regeln her, die undurchschaubare Geldgeschäfte erschweren

Durch das Investment bzw. Geschäfts - Bankensystem sowie deren Hedgefonds mit allen seinen Ausprägungen sind wir am Wendepunkt einer Entwicklung angelangt. Auslöser dieses alten Systems ist die unendliche Gier der handelnden Personen mit immer mehr Geldeinsatz noch mehr Geld zu erschaffen. Zusätzlich werden diese Personen, mit Boni-Zahlungen geködert, immer riskantere Geschäfte zu tätigen und auch permanent neue für den Laien undurchsichtigere Geld-"Creation Modelle" zu entwickeln.

Sehr komplexe Produkte haben sich entwickelt

Die wichtigsten Finanzderivate sind Termin- bzw. Optionsgeschäfte. Dazu gibt es noch mindestens 20 Unterklassen. Durch Hebelwirkungen dieses Handels können große Gewinne erzielt werden, allerdings sind die Risken auch hoch. Die mathematischen Modelle die eine Kombination aus verschieden Konstrukten dieser Geldgeschäfte darstellen, sind schwer durchschaubar und für den Laien nicht nachvollziehbar. Dies zeigt die Komplexität dieser Produkte auf!

Beispiele zu Boni Zahlungen

Die Manager der Finanzinstitute an der New Yorker Wall Street erhalten im Vorjahr 144 Milliarden US-Dollar (103 Milliarden Euro) an Sonderzahlungen. Dies entspricht einem neuen Rekord, wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf eine Auswertung der Daten von insgesamt 35 Unternehmen der Finanzbranche berichtet. Dies seien vier Prozent mehr als im vergangenen Jahr, als die Branche 139 Milliarden Dollar in Form von Direktzahlungen, Boni, Prämien oder Aktienoptionen ausschüttete.

Unmut der Bürger

Schlimm ist, dass auch Banken die staatliche Unterstützungen bekommen, dir vor diesen Boni-Zahlungen nicht halt machen. (Siehe Skandalbank HRE Deutschland die im Jahr 2010 25 Millionen Euro an ihre Topmanager auszahlte.) Der Unmut der Bürger wird durch solche Zahlungen auf die Spitze getrieben, denn warum soll er Mittelstand mit seinen Steuern für Verluste von Großbanken herhalten?

Gleichzeitig wird aber unsere parlamentarische Demokratie durch diese handelnden Personen extrem ausgehöhlt und gefährdet. Diese Demokratie ist aber das einzige System das uns vor autoritären Führern schützen kann. Keiner will letztendlich, dass alles in einer großen Katastrophe zugrunde geht!

Deshalb fordere ich ein großes Maß an Bürgerengagement, um diese Entwicklungen zu stoppen. Die Politik wird zum Handlanger dieser Manager und nicht umgekehrt. Dazu braucht man ja nur täglich in die Zeitungen zu schauen.

Diese Gier wird man nicht abschaffen können, aber vielleicht Regeln entwickeln müssen, wo solch ausufernde menschenverachtende Investments nicht mehr so leicht durchzuführen sind. Die Banken sollen nur mehr ihr Kerngeschäft machen dürfen.  Denn dieser Geldeinsatz raubt nicht nur Leuten in der dritten Welt ihre Existenz, sondern ist bereits bei uns in Mitteleuropa angelangt. Denn der jetzige Mittelstand kann sich nur durch extremes Hamsterverhalten, sprich "muss permanent im Rädchen laufen", in seinen Jobs sein jetziges Leben oft auch nur mehr notdürftig erhalten. Auch das finanzielle Absacken des Mittelstandes sehe ich als große Gefahr für unser Gemeinwohl!

Bezahlen soll dann alles die Nachfolgegenerationen, die dann letztendlich vor einem unendlichen Scherbenhaufen sitzen werden.

Daher können wir nur hoffen das wir einen friedlichen Übergang in eine Gesellschaftsform schaffen können, in der nicht das "Ich" sondern das "Wir" mehr Bedeutung erlangen wird. Solidarität soll nicht nur ein Wort sein sondern wieder Bedeutung für unsere Bürger haben! (Leser-Kommentar, derStandard.at, 16.11.2011)

Autor

Gerhard Reischer, geboren, 1955, hat technische Mathematik an der TU Graz  studiert. Er ist in der Raiffeisen Landesbank zuständig für die Installationen von Großrechnersystemen.

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