Frauenmangel in China und Indien

Sag mir, wo die Mädchen sind

Gastkommentar | 15. November 2011, 09:05

Frauenmangel in China und Indien - die Bevölkerungspolitik hat versagt. Dem will die Politik mit strengeren Maßnahmen begegnen und steuert dabei an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei - Von Ridhi Kashyap

Seit den Sechzigerjahren sind die Geburtenraten in großen Teilen Asiens bemerkenswert gesunken. In China ist die Geburtenzahl von sechs auf 1,5 Geburten pro Mutter drastisch gefallen. In einer Kultur, in der Söhne eine hohe soziale und wirtschaftliche Bedeutung haben, führte das Zusammenwirken von Kultur, Technik und dem neuen Druck, die Familiengröße durch die staatliche Ein-Kind-Strategie zu begrenzen, zu unvorhergesehenen, ungünstigen Konsequenzen. Mädchen, vor allem Zweit- und Drittgeborene, "verschwinden" in der Gesamtbevölkerung - entweder weil sie die ersten Jahre wegen Kindesmordes oder indirekter Vernachlässigung nicht überleben, oder weil sie vor der Geburt entfernt werden, da der Ultraschall eine selektive Abtreibung ermöglicht. Während vorher die Vorliebe für Söhne die Eltern dazu veranlasste, das Kinderkriegen weiter zu verfolgen, bis sie mindestens einen Sohn hatten und somit die Gesamtfolgen für die Bevölkerung gedämpft wurden, verschärfte die Ein-Kind-Politik die Wirkung einer alten kulturellen Präferenz, die in einem zunehmend verzerrten Geschlechterverhältnis endete. Heutzutage zeigen die Zahlen der chinesischen Regierung, dass pro 100 Mädchen 118 Jungen geboren werden, 15 Prozent mehr als die zu erwartende natürliche Basis.

Soziale Instabilität durch Frauenmangel

Auch wenn die Bevölkerungspolitik in Indien die kleine Familie als Standard unterstützt, ohne strenge Geburtenbeschränkungen vorzugeben, gibt es eine ähnliche Geschichte aus dem Nordwesten von Indien. Studien zeigen, dass es oft die Städter und gebildeten Bürger sind, die die meisten Söhne haben, was auf den ausgedehnten Gebrauch der selektiven Abtreibung hinweist, die zwar illegal, aber weitverbreitet ist. Frühe Formen der Vernachlässigung in Form von ungleichem Zugang zu Nahrung und medizinischer Versorgung, die den vorzeitigen Tod verursachen, überwiegen dennoch auf dem Land.

In letzter Zeit hat der Mangel an Frauen zu einem Engpass auf dem Heiratsmarkt geführt und aus Gegenden mit zunehmend verzerrten Geschlechterverhältnissen wurde von Fällen wie illegalem Handel, Entführung und Verkauf von Frauen berichtet. Sozialwissenschaftler warnen vor der erhöhten Gefahr von Gewaltverbrechen und sozialer Instabilität, die aus dem Vorhandensein einer großen und wachsenden Anzahl unverheirateter, junger sozioökonomisch gefährdeter Männer entsteht.

Maßnahmen gegen pränatale Geschlechtsbestimmung

Trotz der abweichenden Bevölkerungspolitiken hat der gemeinsame Schwerpunkt von Indien und China, die Reduzierung der Geburten als Entwicklungsziel, ohne die Ursachen für die Großfamilien zu bekämpfen, schwerwiegende Konsequenzen für Mädchen und Frauen. Söhne fungieren in der Abwesenheit von soliden, institutionalisierten Sozialwesen für die meisten Familien als Möglichkeit für soziale Mobilität und Altersvorsorge, insbesondere für die Armen. Außerdem vermindert die zunehmende Verstädterung alternative Netzwerke wie Großfamilien und Dörfer verstärken die Sohn-Eltern-Versorgungskultur.

Soziale Maßstäbe ändern sich langsam, aber die Politik kann die nötigen Anstupser bieten, die die zugrunde liegenden Konflikte entwirrt, die die Maßstäbe verschärfen. In beiden Ländern hat der demografische Mangel an Frauen das politische Interesse auf sich gezogen, aber der Schwerpunkt liegt auf Strafmaßnahmen, legale Mittel um die pränatale Geschlechtsbestimmung zu verbieten. Diese schmale Annäherung macht weder die Söhne entbehrlich noch wird die Position der Töchter gestärkt; stattdessen macht es die Abtreibung zwingender und beschränkt die Kontrolle der Frauen über ihre Schwangerschaft. Die Lösung ist keine aggressivere Politik sondern eine Politik, die anerkennt, dass die Geburtenrate in eine komplexe Rechnung aus Erwartungen und Unsicherheiten eingeschlossen ist. Der Notwendigkeit von Menschenrechten, die sich auf Bevölkerungspolitik konzentrieren und die Geschlechtergleichstellung in den Mittelpunkt stellen, ist höher denn je zuvor. (Ridhi Kashyap, derStandard.at, 15.11.2011)

Autorin

Ridhi Kashyap, The European, ist Sozialwissenschaftlerin und leitete 2009/ 2010 umfangreiche Feldstudien zum Thema "Geschlechtsspezifische Fertilität in Indien", worüber sie anschließend ihre Diplomarbeit schrieb.

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Gipsy Lady
00
15.11.2011, 19:22
wolkentöchter..

...wenn man mal so wissen möchte, wie neugeborene mädls in china "verschwinden", dann möge man das buch von Xinran "Wolkentöchter" lesen...ekelhaft...mit nabelschnur oder im toiletteneimer erstickt usw...

schmunzelmonster
51
15.11.2011, 17:26

Um was gehts da? Um den Kuhmarkt in Unterstinkenbrunn?

cendo
43
15.11.2011, 15:29

"Politik...komplexe Rechnung aus Erwartungen und Unsicherheiten"

Da wusste ich beim überfliegen spätestens, dass das eine Frau geschrieben haben muss.

I joj
53
15.11.2011, 15:29

Jungen????
Nur Viecher kriegen Junge!!!

Der Standard ist wohl (versucht wohl) eine norddeutsche Qualitätszeitung zu sein..

zeamount
00
3.12.2011, 11:57

freunden sie sich damit an: sprache lebt, sprache ist vielfältig und frei. junge, bube, knabe - jeder, wie es ihm beliebt, oder brauchen wir tatsächlich eine sprachpolizei?

daemeth
00
15.11.2011, 17:27

merkt man in letzter zeit leider sehr stark. das österreichische deutsch kommt in den beiträgen leider nur selten vor.

Thomas J Jackson
00
15.11.2011, 14:31

Ha, da wäre ich doch glatt gerne eine Frau, in China.

pox vobiscum
12
15.11.2011, 15:03

Ich mag in China lieber gar nichts sein, außer vielleicht sehr reich. :)

Thomas J Jackson
02
15.11.2011, 15:10

Oder man führt das gemütliche Leben eines Reissacks. Einmal am Tag für die europäischen Poster umfallen, sonst hat man ein geruhsames Leben.

pox vobiscum
00
15.11.2011, 15:20

Man muss nur aufpassen, dass man nicht von den vielen ebenfalls umfallenden Rädern in Mitleidenschaft gezogen wird.

Mensch0815
00
15.11.2011, 19:29

...oder einfach aufgefressen wird!

Mirko Czentovic
02
15.11.2011, 14:25
Und kein Wort zu dowry?

Kein Wort zu den Ursachen der Abreibung von Mädchen in Indien, diese Ursache nennt sich dowry.
http://en.wikipedia.org/wiki/Dowr... m_in_India
Informationswert des Artikels bezüglich Indien = null

andreas lamers
 
00
15.11.2011, 18:11
keine sorge

ueber china ebenfalls. und auch ueber die probleme die es damit gibt. und die sozialen auswirkungen. aber ist auch nur eine meinung.

Briefmarkenkleber
01
15.11.2011, 13:26
das wird die homosexuellenrechte stärken.

sooo funny
00
15.11.2011, 19:12
polyandrie wäre ein weiteres stichwort

andreas lamers
 
00
15.11.2011, 18:13
nicht ganz

aber wifesharing bekommt da eine neue bedeutung wie der wirklich gute bericht einer chinesin die 8 mal verheiratet war, und jedes mal entfuehrt und zur hochzeit gezwungen wurde, witzigerweise wurde sie nie geschieden. und erstaunlich pragmatisch die frau. die ist schon zufrieden wenn der mann nicht trinkt und/oder sie schlaegt.

Bumbu
 
19
15.11.2011, 13:26
Wie gut, daß es moderne Pränataldiagnostik gibt!

Von China kann ich nicht sprechen, aber Indien kenne ich so einiger­maßen. Und da ist mir aufgefallen, daß sich in den letzten 15 Jahren die Stellung von Frauen in der Gesellschaft erheblich gebessert hat.

Natürlich ist Indien immer noch ein Macho-Land, aber die Damen werden langsam selbst­bewußter (reden z.B. auch mit Ausländern).

Und der Mädchenmangel beseitigt das Grundübel, nämlich den Brautpreis. Viele indische Eltern, vor allem im Nordwesten, fragen sich, warum sie zur Verheiratung ihrer Töchter drei Jahres­gehälter zahlen sollen, obwohl die Männer froh sein müssen, überhaupt eine Partnerin zu finden.

Weiter so, dann klappt das mit der Emanzipation, zum Preis einer verlorenen Männer­generation.

pox vobiscum
00
15.11.2011, 15:13

In China muss der Bräutigam schon einiges bieten können, was ich so gelesen habe.

metalwoman
00
15.11.2011, 17:10

Survival of the richest??

andreas lamers
 
00
15.11.2011, 18:14
jepp

K. K. Lacke
41
15.11.2011, 13:09
es stellt sich die Frage wieviele Frauen nun die "richtige Anzahl" konstituieren

eine vollkommene Gleichverteilung ist nunmal ein statistischer Wunsch, aber keine natürliche Angelegenheit

und was passiert mit all den Chinesen die aktuell schon keine Frauen finden?

werden die Ansprüche der Chinesinnen sinken oder vielleicht weiter steigen (die Rollenverteilung für die Eheanbahnung ist ja bereits vollkommen verkehrt worden, grade im städtischen Bereich wird bereits nach Besitz und Ansehen selektiert)?

kann es mit einer Vorlaufzeit von ca 20 Jahren überhaupt jemals eine Gleichverteilung zwischen den Geschlechtern geben? und wenn ja, wie soll bis dahin vorgegangen werden?

die soziale Stabilität in China und Indien wird weiter sinken. Wollen wir dass diese wieder steigt?

oder nutzt es uns sogar mehr wenns so bleibt?

Bernhard Marold
01
15.11.2011, 18:20
Einfach Lösung

Macht indische und chinesische Männer zu katholischen Priestern. Die brauchen dann keine Frauen....

Balkanjero
05
15.11.2011, 13:04
Klassischer zweitrunden Effekt

1,5 Mrd Chinesen sind ja eh viel zu viele Menschen um das Vermögen gut zu verteilen.
Marktwirtschaftlich sollten Mädchen mehr an Bedeutung erlangen weil seltener und die Männer die keine Frau abbekommen können sich nicht weiter fortplanzen und die Bevölkerungszahlen werden wieder sinken......... was soll daran schlecht sein?

N7
00
15.11.2011, 14:02

Ja für die gesamte Welt gesehen ist das richtig. Ich weiß nicht, wer dies sagte, aber ich hab da mal eine Aussage gelesen, dass es meistens Krieg gibt, wenn es zu viele Söhne und zu wenig Töchter gibt ... vielleicht war das so ein Spruch aus der damaligen Zeit ... aber ich weiß nicht, wie das so wäre, wenn man keine Frau abbekommt - weil zu wenig vorhanden sind ... das macht sicher unglücklich und wohin das mit der Zeit führt, weiß man eh.

HK-11
00
15.11.2011, 16:01

Das kommt von Gunnar Heinsohn.

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