Sparkurs

Regierung plant Notoperation am Budget

14. November 2011, 21:43
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    foto: apa/pessenlehner

    Vizekanzler Spindelegger und Kanzler Faymann zeigen nicht nur unterm Regenschirm Geschlossenheit.

Kanzler Faymann und Vizekanzler Spindelegger wollen Schuldenbremse in der Verfassung verankern, um Österreichs Bonität zu retten - Ministerratsbeschluss am Dienstag

Die Regierungsspitze hat sich zu einer Notoperation am Budget entschlossen: Um Österreichs Bonität zu retten, soll die Schuldenbremse in der Verfassung verankert werden. Ein scharfer Sparkurs soll folgen.

*****

Wien - Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger traten am Montagabend gemeinsam vor die Kamera, um ihrem Vorhaben die gebotene Bedeutung zu verleihen: Die Schuldenbremse soll noch am Dienstag im Ministerrat beschlossen werden, verkündeten die beiden. Noch sei keine Gefahr im Verzug, versicherten Kanzler und Vizekanzler, es gelte aber die Bonität Österreichs abzusichern.

Am Nachmittag hatte das Gerücht die Runde gemacht, Österreich könnte seinen Triple-A-Status verlieren. Am Dienstag stehe eine Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor's an, das Triple-A-Rating stehe auf Messers Schneide. Als Grund dafür wurde Österreichs starke Abhängigkeit des heimischen Exports und der Banken von Italien genannt.

Spindelegger versicherte dagegen, dass die Höchstbewertung Triple A halten werde, dennoch müsse Österreich Maßnahmen ergreifen, um die Bonität abzusichern. Der erste Schritt: Die 60 Prozent Schulden-Obergrenze ab 2020 und möglichst rasch ein ausgeglichener Haushalt über den Konjunkturzyklus hinweg soll in der Verfassung verankert werden. Ein strikter Sparkurs stehe bevor, bei dem auch Länder und Gemeinden mitmachen müssten. Wie genau die Schuldenbremse ausgestaltet werden soll und wie die Sparmaßnahmen ausschauen könnten, wollten weder Faymann noch Spindelegger präzisieren. Der Vizekanzler sprach die Pensionen und insbesondere die Frühpensionen an, auch bei der Verwaltung müsse gespart werden. Von einem Sparpaket könne aber noch keine Rede sein.

Im Kanzleramt bezeichnete man die Gerüchte, dass eine Herabsetzung der Bonität durch Standard & Poor‘s bevorstehe, als Unsinn, bestätigt wurde, dass Vertreter der Ratingagentur Moody‘s am Mittwoch zu ersten Konsultationen in Wien erwartet werden.

Um die Schuldenbremse auch tatsächlich in der Verfassung verankern zu können, brauchen die Regierungsparteien die Unterstützung der Opposition. Die Grünen haben bereits abgewunken, sie sind gegen diese Maßnahme, FPÖ und BZÖ könnten einen entsprechenden Beschluss im Parlament aber mittragen.

Bis vor kurzem hatte sich die SPÖ noch dagegen ausgesprochen, die Schuldenbremse in der Verfassung festzuschreiben. Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (SPÖ) hatte erst vergangene Woche im Standard-Interview erklärt, die Schuldenbremse soll nicht in der Verfassung Eingang finden, um bei Sondersituationen auch mit einfacher Mehrheit im Parlament abweichende Maßnahmen beschließen zu können. In der SPÖ heißt es, das ursprüngliche ÖVP-Modell sei abgewendet, jetzt werde eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild umgesetzt. In der Verfassung werden das Ziel und die Höhe des Defizits fixiert, die technische Umsetzung werde in einfachen Gesetzen festgelegt.

Offen ist noch, wie man die Schuldenbremse auf das föderalistische System in Österreich umlegt und die Länder verbindlich einbindet. Im Entwurf des Finanzministeriums ist vorgesehen, dass auch die Länder künftig Finanzrahmen beschließen müssen, an die sie sich zu halten haben.

Unklar bleibt vorläufig, wie der Sparkurs des Bundes aussehen könnte. Die ÖVP drängt auf Maßnahmen bei der Frühpensionund will bei der ÖBB sparen, die SPÖ führt eine Gesundheitsreform ins Treffen und drängt einmal mehr auf Vermögenssteuern.

Mit den Pensionistenvertretern wurde am Montagabend im Kanzleramt bei einer letzten Verhandlungsrunde eine moderate Pensionsanpassung von 2,7 Prozent bis 3300 Euro vereinbart, mindestens soll es 1,5 Prozent mehr geben. (Michael Völker/DER STANDARD, Printausgabe, 15.11.2011)

 

Kommentar posten
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SMichel
00
16.11.2011, 06:02
Wie in USA-Land

Dann werden wir also auch Szenen erleben, wie das in Amerika der Fall war, wenn diese fiktive Grenze des Staatshaushaltes erreicht wurde. Dann gibt's halt Sondersitzungen, bis man sich darüber einigt, das Beschlossene doch wieder nicht einzuhalten.

Don Quixote1
00
15.11.2011, 19:29
Demokratieregulierung.

Und die Politik macht jetzt alle Kunststücke um den Finanzmärkten zu gefallen.

The Centre
00
15.11.2011, 13:17

Tja, zynisch könnte man sagen das der Bürger die Regierung hat die sie gewählt hat.
Somit selber schuld, auch wenn wir alle dadurch im selben Boot sitzen. Hoffentlich findet schnell ein Umdenken statt bevor unser Land komplett zugrunde gerichtet ist.

Folgendes...
 
01
15.11.2011, 12:47
"sprach die Pensionen und insbesondere die Frühpensionen an, auch bei der Verwaltung müsse gespart werden. Von einem Sparpaket könne aber noch keine Rede sein." - Ja neee, ist klar...

Jedenfalls clever von der ÖVP!

Es wird sich also so verhalten, dass
- zuerst mal die wichtigen Ausgaben gedeckt werden (Standortförderung für Wirtschaft, Bankenrettung, Geld an wichtige, befreundete Firmen, ...)
- und der unwichtige, unproduktive, leistungsträgerferne Rest (Sozialsystem, Schulen, Unis, Krankenversorgung, ...) dafür gestrichen wird..

Nachdem wir ja auch gerne anderes vom Umland übernehmen.. Vielleicht gibts bei uns dann auch bald die 1€-Jobber? Oder halt die 80c-Jobber, weil die Löhne in AT ja oft nur 80% der Löhne in DE sind?

Faymann kann jedenfalls weiter grinsen... Inserate wird er auch weiter schalten können - und an seiner sozialistischen Haltung ("Ist mir doch eh alles wurscht") braucht er auch nichts ändern.

ökolaus nicht nikolaus
01
15.11.2011, 12:12
i hoits gor nimma aus

vor lauter lachen ... was oba ned ob i lach weil mich das so traurig macht oder amüsiert.

Artus King
00
15.11.2011, 12:09
Umverteilung

Das "Sparprogramm" ist nichts weiter als eine Umverteilung von unten nach oben.

Wie wäre es, wenn ALLE die Steuern zahlen, die ihnen zustehen würden?

Das geht natürlich nicht, das wäre ja eine Enteignung. ;-)

Und so sieht es aus:
Der eine schützt seine Klientel, der andere raubt seine aus.
Der eine ist unmoralisch, der andere einfach nur blöd.

Spindelegger & Faymann

ökolaus nicht nikolaus
00
15.11.2011, 12:38

danke

sukkus
00
15.11.2011, 11:58
"Wir sind die Besten und wir bleiben die Besten!"

So unser Kanzlerdarsteller - ... "uns geht's gut, uns kann nichts passieren, wir haben einen (Kaiser)Kanzler, unser lieber Werner Faymann, wir haben dich so gern!"

dieGlocke
 
00
15.11.2011, 11:45
Nur ein schlechter Autofahrer muss auf der Autobahn bremsen!

"Die Zwei" sind ein Wahnsinn!
Jahrelange schlechte, parteipolitisch motivierte und klientelbehaftete Politik, die uns Jahre der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Weiterentwicklung gekostet hat und darüber hinaus auch noch Milliarden an Steuergeld. Und jetzt, ist das Hauptargument warum sie eine Schuldenbremse einbaut die Gute wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Italien!
Logisch denn ohne Wirtschaftsbeziehungen hätten wir keine Probleme! (oder?)
Noch dazu kommt ja, dass dieses Versprechen der Schuldenreduktion nie ernsthaft umgesetzt werden wird und schnell vergessen ist.

Naja, schön war's es hat mich gefreut!

ZM
00
15.11.2011, 10:38

Wie hat ein Investor vor kurzem live im englischen Fernsehen eingeräumt.

"The politicians do not rule the world ... Goldman Sachs does"

Und wenn man so zusieht wie ratlos und ungeschickt unsere Politiker wirken dann wird da wohl was drann sein ...
Oder wie kann es sonst sein, dass Sie diesem Investor-Pack nicht schon längst per Gesetzesentschluss den Hahn zugedreht haben ?

Achso, das würde ja gegen die Prinzipien der freien Marktwirtschaft gehen, wenn man kriminellen das Handwerk legt.

buff flyer
00
15.11.2011, 15:39
das war ein scherzvideo

"Demokratie" = Diktatur des Kapitals
10
15.11.2011, 10:03
Einführung von Studiengebühren, sonst Staatsbankrott!

alessandro di aqua
21
15.11.2011, 10:01
Endlich !

Es braucht keine Ratingagenturen, um zu sehen, dass unser Land extrem verschuldet ist. Vielleicht wachen die Politiker nun endlich auf, denn es ist nicht mehr 5 vor sondern schon 5 nach 12 ! Dringender Reformbedarf steht schon lange an: Die Pensionsexperten rufen schon seit Jahren dazu auf, das Pensionsantrittsalter in Österreich endlich anzuheben, die Leute werden immer älter und gehen nach wie vor zu früh in Pension. Außerdem benötigen wir dringed eine Verwaltungsreform, hier könnten wir uns an der Schweiz ein Beispiel nehmen. Ich bin auch kein Freund der Ratingagenturen, aber wenn der Druck dazu dient, dass diese Regierung endlich beginnt, dringend notwendige Maßnahmen zu setzen, so haben sie wenigstens etwas bewirkt

Gobi Todic
00
15.11.2011, 11:42

Experten = von der Finanzindustrie bezahlte Lakaien mit Titel vor dem Namen.

.........1
01
15.11.2011, 09:57
billiger aktionismus

verwaltungsreform: ein bisschen bis gar nicht
spitalsreform: ärztekammer njet, geht nicht
frühpensionen abschaffen: njet
reichensteuer njet
wer wirds zahlen: die kleinen und mittleren einkommen

ergebnis: die oebb schulden, die asfinagschulden die spitalsschulden weden nicht eingerechnet und damit ist der spielraum für weiterhin nix tun gegeben

Der Querdenker
01
15.11.2011, 09:53
Opfer

Wir müssen den neuen "Göttern "Moodys und S&P Opfer bringen damit sie uns weiter gewogen bleiben. Selbst wenn die Realwirtschaft und das Sozialsystem darunter leiden

zuncheddu
13
15.11.2011, 09:52

Ratingagenturen sind Diktatoren, die versteckt auftreten. Es tritt niemals eine Persönlichkeit in Öffentlichkeit auf, sie sind nicht gewählt, zwingen aber einzelne Länder ihre Politik umzusetzen, da sie stets einfach das Rating senken können.

Fisch Suppe
01
15.11.2011, 10:01
...so ist es!

Aber sie agieren sehr geschickt.

Der Sitz ist in New York City, weit weg von ihren Opfer-Ländern. Und jetzt geraten auch wir Österreicher ins Visier dieser "Agenturen".

Diese Agenturen agieren wie Spinnen im Netz, die lange warten und sich dann auf die arglose Stubenfliege, die sich im Netz verfangen hat, zubewegen, um dann brutal mit den Kauwerkzeugen daherzukommen. Arme Stubenfliege! Armes Österreich!

Wie gesagt: Die Rating-Agenturen agieren sehr geschickt!

Mostbluzza
01
15.11.2011, 10:30
ist das die offizielle spövp dolchstoßlegende?

es lief alles gut, die krise überwunden, prölli rettete raiffeisen, rogoff wurde lügen gestraft, usw, aber dann kamen die ratingagenturen und haben uns fertig gemacht. einfach so, so unfair, das leben am finanzmarkt. ungemütlich eigentlich. dabei ist man so ein braver schuldner und wärs noch gern weiter geblieben, mit ein bissl mehr .. volumen ... bissl schneller mehr.

mit letzter kraft und massiven steuererhöhungen konnten faymann und spindelegger das land noch retten (bundesverdienstkreuz in gold dafür) und wurden dafür wiedergewählt. die rettung der banken und der zerfall des euros war dann aber zuviel .... tut leid.

schöne version. gefällt mir. für später. senil sind wir ja eh alle.

MimiTheKid
00
15.11.2011, 10:17

Die einzige Auswirkung des Ratings:
Die Banken haben es Amtlich und müssen mehr Eigenkapital für die Anleihen hinterlegen.

Das wird einigen Banken ganz schöne Löcher in die Bilanz reißen.

buff flyer
00
15.11.2011, 10:18
bei eu-staatsanleihen?

MimiTheKid
00
15.11.2011, 10:23

Jap, schlechteres Rating, mehr Eigenkapital notwendig.

Eurobonds gibts noch nicht, aber auch dort wäre das so. Weil die hätten derzeit nicht AAA.

buff flyer
00
15.11.2011, 10:28
da guckstu: § 22 Abs 3 Z 1 lit a BWG

fängt an mit "gewicht null"

oder gilt das nimmer?

buff flyer
00
15.11.2011, 10:28
da gucjstu

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