Kommentar von Petra Stuiber

Eine braune Staatsaffäre

Kommentar | Petra Stuiber, 14. November 2011, 18:12

Nicht nur der deutsche Verfassungsschutz hat die rechte Terrorgefahr unterschätzt

Man kann beinahe von einer Sternstunde des Talk-Fernsehens schreiben - wenn auch in einem gruseligen Sinne: Da sitzt ein als "bekehrt" geltender Neonazi in Günther Jauchs neuer Sonntagabendshow und erzählt mit der größten Selbstverständlichkeit der Welt, wie er und seine Schlägertruppe regelmäßig von Polizisten gewarnt wurden, wenn Razzien anstanden. Begründung: "Sind ja auch nur Menschen, die fanden das wohl ganz in Ordnung, was wir da machten." Mit der gleichen Selbstverständlichkeit plauderte der Mann davon, wie er und seine Spießgesellen (und -gesellinnen) immer mit dem guten Gefühl prügelten und brandschatzten, "dass der Großteil der Menschen so denkt wie wir, sich aber nicht getraut, Taten zu setzen".

"Taten statt Worte" war auch das Motto des "Nationalsozialistischen Untergrunds", jener Terroristengruppe, die über ein Jahrzehnt lang unbehelligt vom deutschen Verfassungsschutz Angst und Schrecken verbreitete. Und die offenbar vor allem deshalb nicht aufflog, "weil sie an den Tatorten keine Bekennerschreiben hinterlassen hat", wie ein Ex-Generalstaatsanwalt in derselben Sendung ebenso freimütig zugab. Die Staatsschützer machen in diesem Fall eine erbärmliche Figur. Noch im günstigsten Fall kann man ihnen unterstellen, die rechtsextreme Gefahr jahrelang unterschätzt zu haben. Möglich wäre aber auch, dass ein rechtsextremes Netzwerk bis in die regionalen Behörden und Bürokratien hinein die "Kameraden" bis zuletzt geschützt hat.

Seit Jahren üben die Sicherheitsbehörden in ganz Europa enormen Druck auf die Politik aus, um mehr und mehr Fahndungs- und Ermittlungsbefugnisse im "Kampf gegen den Terrorismus" zu bekommen. Gemeint war damit offenbar seit 9/11 immer nur der islamistische Terror.

Wozu aber mehr Befugnisse, wozu noch mehr Eingriffe in die Privatsphäre der Bürger, wenn man am Ende blauäugig auf "Bekennerschreiben" wartet, ehe man einschlägig nach rechts ermittelt? Auch Österreichs Ermittler müssen sich diese Frage gefallen lassen - besonders im Zusammenhang mit dem geplanten neuen Sicherheitspolizeigesetz, das Experten für rechtsstaatlich problematisch halten.

Nicht minder deprimierend ist die Tatsache, dass offenbar weite Landstriche im Osten Deutschlands fest in rechtsradikaler Hand sind. Ganze Ortschaften werden von Neonazi-Banden "regiert", Andersdenkende weggeekelt - und der Rest schaut zu und schweigt.

Nicht nur in Deutschland leben offenbar gar nicht wenige Menschen, die ausländerfeindliche, nationalistische und rechtsextreme Denkweisen stillschweigend dulden - und sogar befürworten. Polemische Hetzschriften gegen "Kopftuchmädchen" und "Gemüsehändler" bereiten diesen Nährboden ebenso auf wie die "Daham statt Islam"-Parolen rechtspopulistischer Politiker.

Und während Europas politische Elite solche Denkweisen fast unisono verdammt, liegt das Problem in der Tiefe der Regionen und Kommunen. "Ein Neonazi bleibt ein Neonazi, auch, wenn er freundlich grüßt", sagte der Chef der Deutschen Grünen, Cem Özdemir, bei Günther Jauch. An diesem Punkt gebe es "nix mehr zu diskutieren, dem muss man entschieden entgegentreten".

Solange sich diese simple Wahrheit nicht bis zum Bürgermeister, Pfarrer, Wirt und Postenkommandanten im hintersten Dorf durchgesprochen hat, werden die Nazis nicht verschwinden. (DER STANDARD-Printausgabe, 15.11.2011)

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Posting 1 bis 25 von 75
1 2
irgendein poster
 
04
15.11.2011, 16:56
eigentlich

wundat des eh kan mea.
das einzige was von dem system übrigbleiben wird ist ein brauner sumpf. und dann haben wir wieder nichts gewusst. gäähhnn

Andreas Sonnberger2
21
15.11.2011, 13:23

Damit wurden jene eines Besseren belehrt, die sich immer gerühmt haben, dass Deutschland weit klüger als Österreich wäre, weil Deutschland so einen niedrigen Anteil rechter Wähler (ca. 2%, nicht im Parlament vertreten) hätte.

Ein sehr niedriger Rechtswähler im Europavergleich hat nicht zu mehr Friede und Stabilität geführt.
Da hilft es nix, auf den Strache, den Blocher, den Bossi, die Le Pen zu schimpfen.

Somebody Someone
01
15.11.2011, 15:59

Entscheidend wird sein, wie man mit der Situation umgeht! Das macht einen wesentlichen Unterschied.

Andreas Sonnberger2
00
15.11.2011, 16:29

Deutschlands Rechtsextreme wurden jahrelang von den Medien weitgehend ignoriert.
Die NPD hat auch nur 2%, ist nicht im Parlament, insofern ist die Ignorierung auch gerechtfertigt.
Bei uns wird ja die KPÖ als Nicht-Parlamentspartei auch ignoriert, wie das LIF.

Andreas Sonnberger2
00
15.11.2011, 13:27

Rechtswähler-Anteil...

Hanns Ch.1
38
15.11.2011, 13:02
zeit ist reif,..

..die zeiten haben sich geändert, und auch in österreich kann man die herrschaften mal richtig anfassen,..wozu noch warten??
mölzer, schimanek,..strache, usw.usw,..noch immer beste kontakte zur rechten szene in deutschland,..und in der vergangenheit haben diverse herren ja sehr intimen umgang mit dem braunen deutchen sumpf gepflegt,..
mal ganz abgesehen von wehrsportübungen?? wozu eigentlich???

die gesetze in österreich sind ausreichend, da mal klar schiff zu machen,..

Menschenflüsterer
 
10
15.11.2011, 12:40
Alle Probleme sind systemisch!

Flann O'Brien.
07
15.11.2011, 11:29
Ein rechtsextremer "Staatsschutz" mit Orwellschen Befugnissen.

Das ist eine Horrorvision. Oder bereits Realität?

suboptimal
 
07
15.11.2011, 10:27
Hessischer Verfassungsschützer wohl bei mehreren Morden am Tatort

Der Verfassungsschutz gerät immer stärker ins Zwielicht: Nun soll ein Agent sogar bei sechs der neun Döner-Morde vor Ort gewesen sein, berichten Medien. Politiker drängen nun darauf, die Rolle des Verfassungsschutzes aufzuklären.

Auffällig soll gewesen sein: Nachdem der Mann suspendiert worden war, hörte die Mordserie auf.
http://www.derwesten.de/politik/v... 75177.html
und
http://www.welt.de/politik/a... -sein.html

Da gehts nicht mehr um "unterschätzen".

Demokrit 007
214
15.11.2011, 09:30
Also wenn nicht gegen NeoNazis ...

... das legitime und legale Gewaltmonopol des Staates eingesetzt wird - gegen wen denn dann ? Gegen den kleinen Ladendieb / Einbrecher ist die Polizei ja stark und erschießt ihn "versehentlich" von hinten !

bürgerspieß
15
15.11.2011, 10:53
die angst gegen neonazis vorzugehen

sitzt glaub ich tief - denn die einstellungen der nichtexremistischen leute, die den boden für neonazi- "handeln" bereiten, ist in der tiefenstruktur des deutschsprachigen raums verankert. solange hier nicht jede und jeder weiß, wie rassismus funktioniert, was antisemitismus und xenophobie bedeutet, konkret und in letzter konsequenz bis hin zum eigenen bauchnabel, und was und warum man dagegen halten muss, solange werden gruppierungen wie die neonazis auch agieren können.

mikromalist
 
06
15.11.2011, 08:53
Also das Muster schaut zumindest so aus:

der Verfassungsschutz hat die NPD finanziert. Die Erklärung - Informationen kosten eben.

Jetzt stellt sich die Frage:

In welche Richtung ging mehr Information?

Was ist eine Information von jenen wert, die wissen, dass sie unterwandert sind?

Warum sind die V Männer ausgerechnet die radikale Spitze der verbrecherischen Organisationen?

Warum begibt sich der Verfassungsschutz nicht einfach auf die Strasse und schaut, was passiert?
In der ehem. DDR gäbe es fast täglich zu sehen, wie die Neonazi ganze Dörfer und Landstriche terrorisieren.

Und zusammenfassend: Garantiert der Verfassungsschutz Schutz und mehr Demokratie oder das Gegenteil?

Nirvanacharly
 
134
15.11.2011, 05:34
und wo ist jetzt der

österreichbezug? völlig aussagelos.

onlooker
04
15.11.2011, 11:42
es werden ja keine naziaffine personen nach österreich eingeladen,

strache versucht ja auch nicht eien europäische dachorganisation zu gründen, es gibt ja auch keinen ständigen austausch zwischen den deutschen und den österreichischen nazi, wo leben sie eigentlich? sind sie deb*l?

Werner Eder
22
15.11.2011, 11:33

Also wenn Sie das nicht von alleine kapiert haben, dann kann man es Ihnen wahrscheinlich auch nicht erklären.

skip it
24
15.11.2011, 09:45
den sehen sie nicht?...

...voellig hirnlos.

Christian Eder
07
15.11.2011, 01:39
Verharmlosung

Den Rechtsradikalismus und Neonazismus verharmlosen? Also so etwas könnte es bei uns nicht geben! Wo sich doch sogar die FPÖ bei jeder Gelegenheit höchst glaubwürdig von diesem Gedankengut distanziert! Glückliches Österreich!

suboptimal
 
03
14.11.2011, 23:32
Verfassungsschützer soll beim Mord am Tatort gewesen sein

Hessischer Verfassungsschutz-Beamter suspendiert. Vom hessischen Verfassungsschutz war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
http://www.derwesten.de/politik/v... 75318.html

Verfassungsschützer womöglich in „Döner-Mord“ involviert
Die Kasseler Staatsanwaltschaft hatte damals gegen den Verfassungsschützer ermittelt ... Bisher war die offizielle Darstellung, dass der Mann das Café etwa eine Minute vor der Tat verlassen habe. Diese Annahme könne nun nicht mehr aufrecht erhalten werden, hieß es aus Wiesbaden.
http://www.faz.net/aktuell/p... 28741.html

*schlimmer geht immer*
.

Bumbu
 
00
18.11.2011, 12:31
*schlimmer geht immer*

Seine Sie vorsichtig, daß man Sie hier keinen N#z# nennt. Wer irgendwelche Zweifel an der gänzlichen Alleinschuld der drei Verdächtigen hegt, der steht schneller im Braunen Eck™ als man sich vorstellen kann

Ich halte ich ganz bestimmt nicht für einen Braun-Sympathisanten, aber mir stinkt diese Geschichte auch. Wahr­scheinlich waren die Täter Rechts­radkale, wahrscheinlich waren es sogar wirklich die Verdäch­tigen. Aber die haben sich wohl kaum selbst auf das Tablett gesetzt, auf dem sie jetzt präsentiert werden

Wenn N#z#s ist der Landschaft rumrennen und Klein­gewerbe­treibende abknallen, dann ist das natur­gemäß sehr schlimm. Aber wenn sich herausstellt, daß sie dabei Unter­stützung staatlicher Stellen hatten, dann ist das viel schlimmer

skitourenphilosoph
211
14.11.2011, 22:04

nehmen wir wie es ist; wir sind nicht auf der welt, um sie zu verbessern

irgendein poster
 
00
15.11.2011, 17:02

aber extra verschlechtern muss man sie auch nicht.

GTV916
 
00
15.11.2011, 16:28
Junge ...

... dein Unterhaltungswert reicht vermutlich nicht einmal für eine Sauftour ...

Herr und Frau Österreicher
 
01
15.11.2011, 13:12

Aber auch nicht, um zu zu sehen, wie sie sich verschlechtert...

Pro Freistaat Kärnten!
 
00
15.11.2011, 11:50
sondern?

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